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Nur für professionelle Anleger – US-Midterms ante Portas:

The Winner takes not all

Regulierung, Fiskalpolitik, Kapitalmarktumfeld: Die im November anstehenden US-Zwischenwahlen haben für institutionelle Investoren erhebliche Bedeutung. Will man den Ausgang antizipieren, sollte man sich an einem Muster orientieren, dass zu den stabilsten im US-Politiksystem gehört. Doch es gibt auch widerstreitende Faktoren: der Zustand der Demokratischen Partei, die Ausstattung der Republikaner, doch vor allem, dass sich beide Parteien im Gerrymandering üben. Albrecht Bassewitz und Kollegen unternehmen eine Analyse, wagen eine Prognose, sehen eine Divided Government am Horizont und legen dar, warum eine politische Blockade wahrscheinlicher ist als ein klarer Sieger.

Die US-Zwischenwahlen im November 2026 dürften weniger durch Überraschungen geprägt sein als durch ein seit Jahrzehnten bemerkenswert stabiles Muster: In aller Regel verliert die Partei des amtierenden Präsidenten in einer oder beiden Kammern des Kongresses – Repräsentantenhaus und Senat – an politischem Einfluss, oft deutlich. Mit Blick auf November 2026 spricht vieles dafür, dass dieses Muster erneut greift.

Für institutionelle Investoren sind die US-Midterms kein rein politisches Ereignis. Der Wahlausgang ist ein relevanter Faktor für Regulierung, Fiskalpolitik und damit das Kapitalmarktumfeld. Die aus ihrer Sicht entscheidende Frage ist die, wie handlungsfähig die US-Regierung in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit noch sein wird.

Die aktuelle Ausgangslage deutet klar in Richtung eines schwierigeren Umfelds für die Republikaner.

US-Midterms: Von New York …

Die Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump sind seit seinem Amtsantritt spürbar gesunken und liegen laut Real Clear Politics derzeit bei rund 40%. Gleichzeitig zeigen Umfragen einen Vorsprung der Demokraten von rund fünf Prozentpunkten bei der Wahlabsichtsfrage zu den Kongresswahlen. Diese Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit von Machtverschiebungen deutlich.

Repräsentantenhaus blau, Senat rot

Auf Basis der verfügbaren Daten gilt ein Szenario als wahrscheinlich: Die Demokraten übernehmen die Mehrheit im Repräsentantenhaus, während die Republikaner den Senat behalten – allerdings mit kleinerer Mehrheit. Es entstünde somit ein klassisches „Divided Government“, das die politische Dynamik regelmäßig in Richtung Stillstand verschiebt.

Abb. 1: Historische Ergebnisse von Midterm-Wahlen.

Quelle: Invesco, Washington Newsletter Q2 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Die historischen Daten untermauern diese Einschätzung. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Partei des amtierenden Präsidenten bei den Midterms regelmäßig Sitze verloren, oft in erheblichem Umfang – etwa 52 Sitze unter Bill Clinton und 63 Sitze unter Barack Obama. Dieses Muster gehört zu den stabilsten Zusammenhängen im US-Politiksystem und bildet den zentralen Referenzrahmen für die aktuelle Analyse.

Differenziertere Dynamik durch strukturelle Herausforderungen

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, die Wahl allein durch historische Trends zu erklären. Mehrere strukturelle Faktoren sprechen dafür, dass die Dynamik diesmal differenzierter verlaufen könnte.

Ungeachtet der aktuellen Umfragewerte bestehen für die Demokraten mehrere strukturelle Herausforderungen. Dazu zählen die finanzielle Überlegenheit der Republikaner im Wahlkampf, die anhaltende Unzufriedenheit vieler unabhängiger Wähler mit beiden Parteien sowie historisch niedrige Zustimmungswerte der Demokratischen Partei in aktuellen Umfragen. Diese Faktoren können das klassische Midterm-Muster zumindest teilweise relativieren und sprechen gegen eine klare Machtverschiebung zugunsten der Demokraten.

Der Neuzuschnitt der Wahlkreise wirkt als struktureller Gegenpol zur klassischen Midterm-Dynamik.“

Ein zusätzlicher, in diesem Zyklus besonders relevanter Aspekt ist der Neuzuschnitt von Wahlkreisen (Redistricting, auch Gerrymandering1). Anders als in früheren Wahljahren wird dieser Prozess aktuell mit hoher Intensität betrieben. Republikanisch geführte Bundesstaaten haben frühzeitig Anpassungen vorgenommen, woraufhin demokratische Staaten mit eigenen Maßnahmen reagiert haben.

Weitere Dynamik erhielt dieser Prozess durch eine Entscheidung des Supreme Court, die neue Spielräume geschaffen und insb. in mehreren Südstaaten Anpassungen beschleunigt hat.

Abb. 2: Neuzuschnitt von US-Wahlkreisen vor dem Wahlzyklus 2026.

R = Republikaner, D = Demokraten, V = Vakant, derzeit unbesetzter Sitz, Delegation = Sitzerverteilung eines Bundesstaats im US-Repräsentantenhaus. Quelle: Invesco und National Journal, Stand der Daten: 3. Juni 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Die Übersicht zeigt deutliche Verschiebungen in mehreren Bundesstaaten. Besonders in Texas ist eine klare Ausweitung republikanischer Sitze erkennbar, aber auch in Florida und North Carolina ergeben sich Zugewinne zugunsten der Republikanischen Partei. Dagegen ist in Kalifornien eine gegenläufige Entwicklung zugunsten der Demokraten zu sehen.… bis Kalifornien.

Für die Gesamtbewertung bedeutet dies: Der Neuzuschnitt der Wahlkreise wirkt als struktureller Gegenpol zur klassischen Midterm-Dynamik und kann deren Effekt zumindest teilweise abschwächen.

Politische Unsicherheit als Basisszenario

Aus Sicht institutioneller Investoren dürfte weniger die Frage nach dem Wahlsieger im Mittelpunkt stehen als die Frage nach der politischen Handlungsfähigkeit der Regierung nach der Wahl. Ein Machtwechsel im Repräsentantenhaus würde diese spürbar einschränken. Gesetzgebungsprozesse könnten schwieriger werden und es wäre mit mehr politischen Konflikten, Blockaden und Untersuchungen zu rechnen.

Auch ohne Wechsel im Senat würde sich das politische Umfeld verändern. Engere Mehrheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit parteiinterner Abweichungen, verlangsamen die Entscheidungsfindung und erschweren die Durchsetzung größerer Reformprojekte und regulatorischer Vorhaben. Insgesamt würde die politische Entscheidungsfindung weniger planbar und stärker von Kompromisslösungen geprägt sein.

Für die Kapitalmärkte bedeutet dies vor allem eines: ein Umfeld begrenzter politischer Dynamik bei gleichzeitig erhöhter Unsicherheit über den weiteren regulatorischen und fiskalpolitischen Kurs.

Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier.

FN 1) Anm.d.Red.: Der Begriff des Gerrymandering geht zurück auf Elbridge Gerry, der dieses Verfahren erstmals 1812 anwandte. Das ZDF hat das Thema hier graphisch aufbereitet.

Albrecht Bassewitz, Invesco.

Albrecht Bassewitz ist Head of Institutional Clients Germany, Invesco. Den vorliegenden Artikel hat er in Kooperation mit US-amerikanischen Invesco-Kollegen verfasst.

Von Autorinnen und Autoren der Invesco erschienen zwischenzeitlich bereits auf PENSIONS/ALTERNATIVESINDUSTRIES:

US-Midterms ante Portas:
The Winner takes not all
von Albrecht Bassewitz und Kollegen, 31. Juli 2026

Die Multi-Manager-Herausforderung:
Wenn Komplexität Rendite kostet
von Georg Elsaesser und Albrecht Bassewitz, 3. Juni 2026

Strategische Partnerschaft von People’s Pension und Invesco:
CLOs als attraktiver Anleihebaustein für Pensionseinrichtungen
von Andreas Mittler, 29. April 2026

Der europäische Upper Middle Market:
Strategische Renditen für Pensionseinrichtungen
von Andreas Mittler, 19. März 2026

Asiens Immobilienmärkte:
APAC Real Estate: Diversifizierung mit Substanz
von Albrecht Bassewitz, 26. November 2025

Whole Loans:
Real Estate Debt punktet aktuell …
von Andreas Mittler, 29. Oktober 2025

Von der Vor- in die Hauptrunde:
EM 2025: Das Comeback-Spiel der Schwellenländer
von Albrecht Bassewitz, 30. September 2025

Globale Anleiheallokation im Schatten von Geopolitik und Zinsvola:
Das Ende der US-Exzeptionalität?
von Albrecht Bassewitz und Lars Schlenkhoff, 26. Juni 2025

Chancen trotz Unsicherheiten:
Private Credit im Zeitalter von Donald Trump
von Andreas Mittler, 27. Mai 2025

Innovative Ideen für ein strategisches Liquiditätsportfolio:
Die Treasury Herausforderungen meistern
von Albrecht Bassewitz und Andreas Mittler, 6. März 2025

Ist das noch Indexing?
Aktive Renditen mit passiver Risikostruktur
von Georg Elsaesser, 27. November 2024

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Real Estate?
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Senior Secured Loans:
Sinnvolle Ergänzung für High Yield-Portfolios?
von Andreas Mittler, 28. Mai 2024

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Klumpenrisiken nein.
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Real Estate Debt?
Wenn, dann jetzt!
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Immobilien zwischen steigenden Zinsen und attraktiven Bewertungen.
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Potenzial für attraktive regelmäßige Erträge und für Wertzuwachs in einem Umfeld längerfristig höherer Zinsen:
3 x Private Credit mit …
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European Living – oder …
... vom Wachstum des europäischen Mietwohnmarktes profitieren
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könnte der 2024er der nächste 2009er werden?
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von Thomas Adler, 19. April 2023

Faktoranlagen für Unternehmensanleihen:
Smarte Faktorallokation statt blinder Risiken
von Erhard Radatz, 30. November 2022

Global Real Estate:
Investoren profitieren von Vielfalt, Liquidität und Diversifizierung
von Thomas Adler, 15. September 2022

Alternatives‘ als Baustein für zukunftsorientierte Portfolios
von Thomas Adler, 29. Juni 2022

Senior Secured Loans:
Das richtige Erfolgsrezept bei niedrigen Zinsen und hoher Inflation?
von Sanyog Yadav, 30. März 2022

Direct Lending und ESG:
ein erfolgversprechender Ansatz
von Alexander Atobrhan, 25. Januar 2022

Mit Alternativen Anlagen …
das Portfolio krisenfester machen
von Sascha Specketer, 16. September 2021

Sinnvolle Ergänzung zur Diversifikation:
ESG und Senior Loans
von Alexander Atobrhan, 27. Mai 2021

Das Büro ist tot.
Es lebe das Büro!
von Robert Stolfo, 30. März 2021

Stabilität und Wachstum
mit europäischen Wohnimmobilien
von Christian Eder, 25. November 2020

Am Wachstumspotenzial der Emerging Markets partizipieren
Von Kilian Niemarkt, 15. Juli 2020

Pensions & Assets:
Risiken richtig managen – in der Krise wichtiger denn je
Von Martin Kolrep, Erhard Radatz und Alexander Atobrhan, in der Tactical Advantage Vol 4, Juni 2020.

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Quelle: Invesco, Stand der Daten: Juni 2026, sofern nicht anders angegeben.
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