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Re-Risking bei ams Osram – der Griff in den CTA

Never say ever again…

und wenig Licht im Detail: Ein österreichischer Konzern hat in seinen deutschen CTA gegriffen und fast 400 Millionen Euro entnommen. Viel sagen dazu will er nicht. Das Geld kann er vermutlich gut gebrauchen. Und in Deutschland sehen wir ein Déjà-vu, das überraschend lange auf sich warten ließ.

Der österreichische Konzern ams-Osram AG hat 2025 seine deutsche Treuhandstruktur für hiesige Pensionslasten grundlegend umgebaut und dabei 391 Mio. Euro bislang als Planvermögen qualifizierte Mittel zurückgeführt. Auf detaillierte Fragen von PENSIONSINDUSTRIES zu arbeitsrechtlicher Konstruktion, Insolvenzsicherung und Bilanzierung bleibt der Konzern allerdings schmallippig.

Vom Gruppen- zum Einzeltreuhänder

Der Vorgang ist bemerkenswert. Im Geschäftsbericht 2025 berichtet ams-Osram in dem Kapitel „Deutschland“, die bisherige Gruppentreuhand mit der Deutschen Treuinvest Stiftung von 2011 beendet und mit dem ams Osram Pension Trust e.V. einen eigenen Einzeltreuhänder eingesetzt zu haben.

Der neue Treuhandvertrag sieht ausdrücklich Änderungen mit Zustimmung des Betriebsrats als kollektivrechtlichem Vertreter der Anspruchsberechtigten vor. Und davon machte das Unternehmen umgehend Gebrauch. Folge:

Vermögenswerte, die nach der Änderung laut Geschäftsbericht „keine Sicherungsfunktion mehr entfalten“, wurden an das Unternehmen zurückgeführt. Nur Vermögenswerte mit Sicherungsfunktion blieben beim Trust.

Volumen: kein Kleingeld. 391 Mio. Euro flossen zurück.

Planvermögen perdu, DBL steigt

Die zurückgeführten 391 Mio. Euro erfüllen auch nach Auffassung von ams Osram seit der Vertragsänderung nicht mehr die Kriterien für Planvermögen. Entsprechend entfällt die Saldierung mit den Pensionsverpflichtungen. Das deutsche Planvermögen sank parallel von 574 Mio. auf 167 Mio. Euro, nicht nur, aber wohl v.a. eben wegen der Rückführung.

Die Netto-Pensionsverpflichtung, also die DBL, stieg erfolgsneutral, während sich die liquiden Mittel um 391 Mio. Euro erhöhten; Ende 2025 stand in Deutschland eine DBO von 586 Mio. Euro und damit eine DBL von 419 Mio. Euro in der Bilanz.

„Optimierung“ mit Liquiditätseffekt

Der Konzern nennt als Hintergrund die „Optimierung des Sicherungszwecks“ – mit dem ausdrücklichen Effekt einer Optimierung von Liquidität und Finanzstruktur. Die 391 Mio. Euro sollen zur Refinanzierung und Transformation der Finanzierungsstruktur des Konzerns verwendet werden und dürfen laut Geschäftsbericht nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Vorgehensweise: eher unklar. ams Osram hat nicht etwa überschüssiges Planvermögen zurückgeholt, denn es gab keine Überdotierung. Sondern man hat erst die rechtlichen Voraussetzungen verändert; aufgrund dieser Veränderung verloren 391 Mio. Euro ihre Sicherungsfunktion und Planvermögenseigenschaft, wie man mitteilt (freilich ohne zu erklären, warum). Erst dadurch wurden sie für die Konzernfinanzierung verfügbar.

Im Allgemeinen bleiben

Die Redaktion wollte genauer wissen, was sich hinter der Konstruktion verbirgt, z.B. welche Änderungen der neue Treuhandvertrag gegenüber der bisherigen Struktur enthält, welche konkrete kollektivrechtliche Änderung dazu geführt hat, dass ein erheblicher Teil des bisherigen CTA-Vermögens seine Sicherungsfunktion verlor, welche Berechtigtengruppen betroffen sind und wie die Rückführung mit den Anforderungen an Planvermögen nach IAS 19 bzw. Deckungsvermögen nach HGB vereinbar ist.

Die Antwort bleibt im Wesentlichen allgemein. Man habe die Pensionsstrukturen in Deutschland „überprüft und weiterentwickelt“, teilt ams Osram mit. Ziel sei ein ausgewogener Ansatz zwischen der Absicherung der Ansprüche und einer effizienten Verwendung der gebundenen Mittel gewesen. In einzelnen Bereichen sei der Schutz sogar verbessert worden. Als Beispiel nennt der Konzern „bestimmte Leistungsbestandteile, darunter Inflationsausgleiche“, die durch die neue Struktur besser abgesichert seien. Die Anpassungen seien mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt worden.

Nicht verraten wurde, welche Verpflichtungen nach dem Umbau noch durch den Trust gesichert werden (vermutlich alles, wofür der PSV nicht einstünde, d.h. Vorstände, Exzedenten und Inflationsanpassungen) und welche nicht (vermutlich alles andere). Wer hat durch das Re-Risking welchen Schutz verloren – und wer durch die von ams Osram angeführte bessere Sicherung bestimmter Leistungsbestandteile welchen Schutz gewonnen?

Scheint zu lohnen

Noch 2025 nahm ams Osram zusätzliches Fremdkapital mit üppigen Kupons von 10,5 bzw. 12,25% auf (genauer Emissionskurs unklar). 2026 emittierte man 7,25% zu 98,810%. Solche Performance muss man im CTA erstmal nachhaltig verdienen. Warum also dort das Geld rumliegen lassen, scheint man sich in AUT gefragt und sich auch hier das alte Axiom zu eigen gemacht zu haben: dass es unangenehmere Gläubiger gibt als die eigenen Mitarbeiter. Ohnehin scheint das Unternehmen an allen Fronten damit beschäftigt, über Verkäufe und Refinanzierungen seinen erheblichen Leverage zu senken. Insofern passt die CTA-Maßnahme in die Strategie.

Am Rande: Im Handels-/Vereinsregister geführt wird das Vehikel unter ams-OSRAM Pension Trust e.V., gegr. am 7. November 2025, beim Amtsgericht Köln unter VR 22499, Gustav-Heinemann-Ufer 72a, 50968 Köln. Für Ortsfremde: Das ist nicht die Adresse des PSV. Sondern die der Heubeck GmbH.

Déjà-vu nach Heidelberg

Wir erinnern uns: 2020, in der Corona-Krise, hatte die Heidelberger Druckmaschinen AG ebenfalls in ihren CTA gegriffen, Volumen damals 380 Mio. Euro. Auch dort gab es keine Überdotierung. Allerdings war das Unternehmen damals sichtlich transparenter mit der Angelegenheit umgegangen als jetzt die Österreicher, namentlich auf PENSIONSINDUSTRIES (damals LEITERbAV) wurde der Vorgang ausführlich diskutiert.

Bis dato war kein weiterer Fall bekannt geworden, was angesichts der schwierigen Corona-Jahre an und für sich etwas überraschte. Nun also ams-Osram. Ob die offenkundig schwierige Lage der deutschen Industrie – anders als in der Corona-Krise – weitere Fälle hervorbringen wird, bleibt abzuwarten.

Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier.

 

 

 

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