… und Resilienz als Ziel: Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg agierten Fixed-Income-Investoren im Umfeld fallender Renditen, enger werdender Spreads und geringer Volatilität. Einfaches Beta-Exposure wurde belohnt, Duration war verlässlicher Ertragsbringer, Credit-Carry schien stabil, und Benchmarks übernahmen den Großteil der Arbeit. Dieses Regime hat sich grundlegend verändert, und die für Investoren zentrale Frage muss heute neu gestellt – und beantwortet – werden, erläutert Frank Diesterhöft. Denn: Flexibilität ohne Disziplin ist nur eine andere Form von Beta.
Heute bieten Anleihen wieder attraktive laufende Erträge, doch der Weg zu diesen Erträgen ist anspruchsvoller geworden. Höhere Volatilität, weiterhin enge Spreads und eine flachere Zinskurve bedeuten, dass ein reines „Indexhalten“ mit größeren Drawdowns, geringerer Diversifikation in Stressphasen und einem weniger attraktiven Risiko-Ertrags-Verhältnis einhergehen kann. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Anleihen Ertrag liefern, sondern wie eine attraktive Rendite vereinnahmt werden kann, ohne strukturell von Duration oder Credit-Beta abhängig zu sein.

Absolute-Return-Rentenstrategien (AR) sind für dieses Umfeld konzipiert. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass auch Anleihen negative Jahre haben können und Korrelationen in Stressphasen konvergieren. Vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheit scheint das aktuelle Marktumfeld, in dem Investoren vermehrt nach mehr Portfolioresilienz suchen, besonders vorteilhaft für AR-Strategien zu sein.
Was ist das Ziel einer AR-Strategie?
Im Vordergrund stehen Kapitalerhalt und die Stetigkeit der Erträge, nicht die relative Wertentwicklung gegenüber einem Index. Viele Strategien sind faktisch benchmark-agnostisch und verfügen über die Flexibilität, dort zu investieren, wo das attraktivste Chance-Risiko-Profil besteht.
„Ziel ist nicht die Eliminierung von Risiken, sondern deren bewusste und dynamische Steuerung.“
AR-Strategien verfolgen oft ein Cash-Plus-Ziel, arbeiten mit einem expliziten Risikobudget und können idealerweise auf ein globales, flexibles Anlageuniversum zurückgreifen. Ziel ist nicht die Eliminierung von Risiken, sondern deren bewusste und dynamische Steuerung.
Entscheidend ist, dass sie nicht strukturell gezwungen sind, Credit-Beta oder Duration zu halten, wenn Bewertungen unattraktiv sind. Das ermöglicht selektives, opportunistisches Vorgehen und den bewussten Rückzug aus überlaufenen Risikoprämien, wenn die Kompensation nicht adäquat erscheint. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit, auch in fallenden Märkten positive Erträge zu erzielen.
Wie funktionieren Absolute-Return-Rentenstrategien?
Auch wenn sich die konkrete Umsetzung unterscheidet, zeichnen sich Absolute-Return-Ansätze in der Regel durch drei zentrale Prinzipien aus:
1. Diversifikation mit Disziplin: AR-Portfolios können Positionen in Duration, Zinskurven, Ländern, Währungen, Inflation, makroökonomischen Relative-Value-Strategien sowie Credit-Relative-Value eingehen. Kein Einzelrisiko sollte das Portfolio dominieren. Diversifikation wird nicht vorausgesetzt, sondern durch Positionsgrößen und systematische Portfoliokonstruktion aktiv gesteuert.
2. Liquidität als Risikoinstrument: Tail-Risiken materialisieren sich häufig schnell. Strategien ohne Anpassungsfähigkeit sind anfällig für Zwangsverkäufe. Liquidität ermöglicht es, Risiken zu reduzieren, Exposures zu rotieren und flexibel auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren; daher werden Positionen überwiegend über liquide Instrumente umgesetzt.
„Voraussetzung ist ein disziplinierter Prozess, damit Volatilität nicht zum Fehlerverstärker wird.“
3. Explizites Risikomanagement: AR-Manager arbeiten mit klar definierten Risikobudgets und kontinuierlichem Monitoring. Exposures werden angepasst, wenn sich Volatilität, Korrelationen oder Markttrends verändern. Ziel ist nicht die Vorhersage eines jeden Schocks, sondern die Sicherstellung, dass Drawdowns mit dem strategischen Design vereinbar bleiben.
Wann ist das Marktumfeld unterstützend?
Eine häufige Frage ist, ob der Zeitpunkt für den Einsatz solcher Strategien „passt“. Für AR-Rentenstrategien lassen sich vier zentrale, unterstützende Einflussfaktoren betrachten:
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Höhere Volatilität: Volatilität ist der Treibstoff für Relative-Value-Chancen. Voraussetzung ist jedoch ein disziplinierter Prozess, damit Volatilität nicht zum Fehlerverstärker wird.
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Enge Credit Spreads: Bei engen Spreads wird Credit-Beta relativ teuer. Das spricht für Selektivität, Absicherungsmöglichkeiten und aktives Kreditrisikomanagement.
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Hohe Geldmarktsätze: Das Cash-Plus-Ziel wird attraktiver, während die Opportunitätskosten ungezielter Beta-Wetten steigen. Strategien mit breiteren Ertragsquellen und strikter Risikokontrolle gewinnen an Bedeutung.
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Flache Zinskurve: Der zusätzliche Ertrag für lange Duration ist oft begrenzt. AR-Ansätze können Duration als Stellgröße nutzen, statt sie strukturell zu halten.
Zwei Charts, eine Aussage
Diese vier Faktoren lassen sich historisch einordnen und zu einem aggregierten „4-Faktor Blend Score“ zusammenführen. Zum 31. Januar 2026 lag der Score im 85. Perzentil – ein historisch unterstützendes Umfeld.
Abbildung 1 zeigt die Mechanik: vier Bedingungen, die Absolute-Return-Strategien begünstigen, sowie ein kombiniertes Signal im oberen historischen Bereich.
Abb. 1: Faktor-Dashboard.
Quelle: Insight Investment. Grafik zur Volldarstellung anklicken.
Abbildung 2 liefert den Kontext: Regime ändern sich. Und wir befinden uns erneut in einer Phase, in der Flexibilität und diszipliniertes Eingehen von Risiken tendenziell belohnt werden. Dies verdeutlicht, dass Marktregime wechseln. Phasen mit Rückenwind (grüne Zone) wechseln sich mit Phasen mit Gegenwind (rote Zone) ab.
Abb. 2: 4-Faktor Blend Score.
Quelle: Insight Investment, Bloomberg; Stand 31.01.2026 (wöchentliche Daten), illustrativ. Grafik zur Volldarstellung anklicken.
Dies ist kein Freifahrtschein. Aber es ist eine schlüssige Erklärung dafür, warum Absolute-Return-Rentenstrategien derzeit intensiver diskutiert werden. Das Umfeld begünstigt Ansätze, die Freiheitsgrade mit Risikodisziplin verbinden und Volatilität als Chance und nicht als Bedrohung verstehen.
Warum Absolute-Return-Renten jetzt in Betracht ziehen?
Zwei Argumente stechen hervor. Erstens die aktuellen Bewertungsniveaus. Investment-Grade-Renditen mögen absolut betrachtet attraktiv erscheinen, doch Spreads sind historisch eng. Eine Reduzierung von Kreditrisiken kann sinnvoll sein. Eine Umschichtung in durationlastige Staatsanleihen oder hoch bewertete Aktien bringt jedoch andere Risiken mit sich. AR-Rentenstrategien bieten hier eine Alternative: marktneutrale oder niedrig-direktionale Exponierung aus diversifizierten, idiosynkratischen Positionen.
Zweitens die Cash-Plus-Funktion: AR-Rentenstrategien werden häufig eingesetzt, um Erträge moderat oberhalb des Geldmarkts zu erzielen und gleichzeitig den Kapitalerhalt zu priorisieren. Durch den Verzicht auf strukturelle Benchmark-Risiken zielen diese Strategien auf weniger volatile Ertragsprofile und die Vermeidung ausgeprägter Drawdowns ab, wie sie bei benchmarkorientierten Portfolios auftreten können. Es ist aber festzuhalten, dass eine benchmarkorientierte Strategie in Jahren, in denen die Benchmark ihre höchsten Renditen erzielt, höhere Erträge erwirtschaften kann.
Warum ist das für institutionelle Investoren relevant?
Institutionelle Investoren nutzen AR-Rentenstrategien häufig, um die Volatilität innerhalb ihrer Rentenallokation zu senken und das risikoadjustierte Ertragsprofil zu verbessern. Ein tatsächlich marktneutraler Ansatz sollte eine geringe Korrelation zu klassischen Staatsanleihe- und Credit-Indizes aufweisen. Ein Vorteil insbesondere dann, wenn Diversifikationseffekte nachlassen.
„Absolute-Return-Investieren ist kein Makro-Prognosewettbewerb, sondern Prozessarchitektur.“
Durch stabilere Ertragsprofile über unterschiedliche Marktregime hinweg können solche Strategien die Portfolioresilienz erhöhen und Investoren bei der Navigation durch Phasen erhöhter Unsicherheit unterstützen. Zudem sind diese Strategien in der Regel hochliquide und können als Finanzierungsquelle für Rebalancing-Maßnahmen, Collateral- oder generelle Leistungszahlungen dienen.
Framework statt Bauchgefühl: Worauf Investoren achten sollten
Absolute-Return-Investieren ist kein Makro-Prognosewettbewerb, sondern Prozessarchitektur. Investoren sollten insb. fünf Aspekte prüfen: die neutrale Grundausrichtung der Strategie, die Breite und Unabhängigkeit der Ertragsquellen, die Disziplin bei Hedging, die Robustheit der Risikosteuerung, sowie die notwendige Liquidität, um in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben. Freiheitsgrade sind nur dann wertvoll, wenn sie mit Governance, klaren Limits und vordefinierten Handlungsregeln einhergehen.
Kurz gesagt: Flexibilität ohne Disziplin ist nur eine andere Form von Beta. Strategien, die auf Resilienz ausgelegt sind, werden nicht jede Risk-on-Rallye mitnehmen. Letztlich entscheidet die Qualität der Umsetzung, nicht das Marktnarrativ, über nachhaltige Ergebnisse.
Ob solche Strategien geeignet sind, hängt immer von den spezifischen Zielen des jeweiligen Investors, seinen Restriktionen sowie seiner Risikotoleranz ab.
Der Autor ist Head of the German Branch der Insight Investment in Frankfurt.
Kontakt:
Frank Diesterhöft
Head of the German Branch
Insight Investment
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Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier.
Von Autorinnen und Autoren der Insight Investment sind zwischenzeitlich bereits auf PENSIONS●INDUSTRIES erschienen:
Absolute Return-Rentenstrategien im neuen Zins- und Spread-Regime: Pensions & Assets: ABS – eine unterschätzte Asset-Klasse mit Potenzial: Pensions & Assets-Advertorial TacAd Vol 15 – Insight Investment: Hochzinsanleihen mit Euro-Renditen bis zu 6 Prozent: Deutsche EbAV zwischen negativen Cashflows und Forced Selling: Corporates zwischen DBO-Entlastung, Rekord-Ausfinanzierung und Liability Hedging: Der Umgang mit der Polykrise: Nutzt die Zeit: Zwischen sinkenden Asset-Preisen und Liability-Gewinnen: Die asynchrone wirtschaftliche Erholung Fallen Angels: Ein Plädoyer: De-Risiking im Niedrigzinsumfeld: Governance ist mehr … als nur ein Wort Pensionsrisiken aus der Stakeholder-Perspektive Fünf gute Gründe für Emerging Markets Corporate Debt Wohin mit dem Geld? Nachhaltiges Investieren in festverzinsliche Wertpapiere ESG-Momentum oder … wie nachhaltig sind eigentlich Staaten? Aktienrenditen mit reduziertem Downside – Aber wie? Klimabezogene Risiken bei Anleihe-Emittenten Absolute Return mit Private Debt?! Investment Grade Private Debt: Effiziente Anleihenallokation im Negativzinsumfeld Mögliche Zinswende: Collateral Pool: Verschuldung, Verzerrung Bericht aus London: Pensions, Freedom und Lamborghinis. LDI als Alternative zum Prinzip Hoffnung. Globales Farmland als Anlageklasse. Ist der Longevity Swap die bessere Versicherung? CRE-Darlehen als Anlageklasse: Die drei Trugschlüsse über LDI-Strategien.
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