Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen

Private Equity und Super Return:

Schneller – weiter – höher

Was haben die Private Equity-Branche und die Corona-Inzidenzzahlen gemeinsam? Beide entwickeln sich gern sprunghaft nach oben! Vom 9. bis 12. November 2021 hat in Berlin der weltgrößte PE-Event„SuperReturn“ stattgefunden – als echte Präsenzveranstaltung. Für LEITERbAV war erneut Detlef Mackewicz dabei – und sah enorme Volumen, gute Returns, vielversprechende Perspektiven und eine Art Herdenimmunität. Und mahnt gleichwohl.

 

Du bist verrückt mein Kind, Du musst nach Berlin – wo die Verrückten sind, da gehörste hin!“


Dieser populäre Berliner Gassenhauer, der Berlin als Mekka der Verrückten feiert, k
ommt einem in den Sinn, wenn man mitten in der schnell anwachsenden vierten Corona-Welle das bunte Treiben auf der weltgrößten Private Equity-Veranstaltung „SuperReturn“ betrachtet.

 

 

Foto: Super Return – Informa Connect Global Finance.

Trotz der diesmal begrenzten Teilnehmerzahl von 2.000 3G-Besuchern, die bei Betreten der Lobby des Hotels InterContinental ausnahmslos kontrolliert und mit Maske unterwegs sind, beschleicht einen nach 18 Monaten mit Covid-19 ein mulmiges Gefühl bei der Betrachtung des bunten Treibens auf dem Parkett. Wie dem auch sei: Die vorherrschenden Themen während der Veranstaltung sind die Erfolge der PE-Fonds, der Aufstieg der Venture Capital-Fonds, die Frage, wie lange die gute Stimmung noch anhält sowie die Berücksichtigung von ESK-Kriterien und schließlich die Regulierung der Branche.


Steigende AuM als Belohnung für Performance


Die PE-Fonds haben sich im Laufe der immer noch grassierenden Pandemie als äußerst robust erwiesen. Selbst die leiseren und ruhigeren Investorenvertreter auf der SuperReturn berichten von nie erwarteten Netto-Returns von zwanzig Prozent und mehr in diesem (Krisen-)Jahr.

 

 

 

2021 wird aller Voraussicht nach einen neuen Fundraising-Rekord aufstellen.“

 

 

 

Die Corona-Krise hat die Private Equity-Branche nur kurz im ersten Halbjahr des letzten Jahres beeinträchtigt. Bereits im zweiten Halbjahr 2020 haben die PE-Fonds wieder im großen Stil neue Transaktionen abgeschlossen und Verkäufe von Portfoliounternehmen realisiert. So konnten im letzten Jahr 1.418 Fonds das für ein Krisenjahr sehr respektable Volumen von 611 Mrd. US$ einwerben.

 

Und wenn sich in den wenigen Monaten des laufenden Jahres nicht noch irgendeine Katastrophe ereignet, wird 2021 aller Voraussicht nach einen neuen Fundraising-Rekord aufstellen. Bis zum Juli diesen Jahres haben allein die sieben Fonds

 

  • Hellman & Friedman X (24,4 Mrd. US$)

  • EQT IX (18,8 Mrd. US $)

  • KKR North America XIII (16,8 Mrd. US $)

  • KKR Asia IV (15 Mrd. US $)

  • TA Associates XIV (12,5 Mrd. US $)

  • Genstar Capital X (10,2 Mrd. US $)

  • Bain Capital XIII (10 Mrd. US$)

     

die beeindruckende Summe von 108 Mrd. US $ eingeworben (womit sich ein Konzentrationsprozess fortsetzt, der schon seit einiger Zeit beobachtet werden kann).


VC im Fundraising-Modus


Das laufende Jahr wird voraussichtlich auch das erfolgreichste Fundraising-Jahr für Venture Capital-Fonds, die etwa ein Viertel des gesamten PE-Fundraising-Volumens aufnehmen. Insbesondere für die VC-Fonds gilt die stark verbesserte Rendite der letzten Jahre als Motor der Entwicklung der Fundraising-Aktivitäten. Das Jahr 2021 wird auch als eines der aktivsten Jahre für VC-Investitionen in die Geschichte eingehen. Auch im Buyout-Segment ist das globale Investitionsvolumen der ersten neun Monate des Jahres 2021 bereits höher ausgefallen als in jedem anderen Jahr seit der Jahrhundertwende.


Herdenimmunität erreicht – und auch künftig genug zu tun


Die Private Equity-Industrie hat nun in mehreren Krisen eine gewisse Immunität gegenüber Marktvolatilitäten und Makro-Unsicherheiten demonstriert. Und mit neuen Entwicklungen in disruptiven Bereichen wie dem 3D-Druck, dem „Internet der Dinge“, Cloud Computing, Fintech, digitale Zahlungsmethoden, Gesundheitswesen, Robotik, saubere Energie, Spatial Computing, intelligente Netze oder Cybersicherheit werden sich noch viele interessante Investitionsgelegenheiten bieten.


Mehr geht immer?


Immer größere Fonds realisieren auch immer größere Transaktionen. Im letzten Jahr wurde in Deutschland die weltweit größte Private Equity-Transaktion durchgeführt, als Advent, Cinven, die RAG Stiftung u.a. die Aufzugssparte von Thyssen Krupp für etwa 17 Mrd. US$ übernommen haben. Die Mehrheitsübernahme des amerikanischen Familienunternehmens Medline Industries durch ein Konsortium (im Wesentlichen gebildet von den Private Equity-Größen Blackstone, Carlyle und Hellman & Friedman) wird mit etwa 30 Mrd. US$ wohl die größte PE-Transaktion dieses Jahres bilden.

 

 

 

Nicht nur die Besucher der SuperReturn fragen sich, wie die PE-Gesellschaften bei diesen hohen Kaufpreisen noch Gewinne für die Investoren erzielen wollen.“

 

 

 

Allein in der ersten Jahreshälfte 2021 wurden schon zehn Transaktionen mit einem Volumen von mindestens fünf Mrd. US$ angekündigt. Die im Oktober bekannt gegebene geplante Übernahme des Online-Tierbedarfshändler Zooplus durch die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT entspricht einem Börsenwert von etwas weniger als 3,7 Mrd. Euro. Nicht nur die Besucher der SuperReturn fragen sich, wie die PE-Gesellschaften bei diesen hohen Kaufpreisen noch Gewinne für die Investoren erzielen wollen.

 

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

 

Private Equity-Manager erfinden sich irgendwie immer wieder neu. Sie denken vor dem Einstieg schon an den Ausstieg und haben klare Zielkriterien für die Auswahl ihrer Portfoliounternehmen entwickelt. Ein Geheimnis liegt wohl auch darin, aus Mitarbeitern Unternehmer zu machen und damit die Motivation der handelnden Personen in den Unternehmen zu steigern. Es sind Kriterien wie Innovationsfähigkeit, Kreativität und Führungsstärke, auf die PE-Manager bei der Auswahl der Mitarbeiter in ihren Portfoliounternehmen achten müssen.

 

 

 

Oft wird mit einem Buy and Build-Ansatz eine Multiple Expansion angestrebt.“

 

 

 

 

Die Beispiele, über die während der SuperReturn gesprochen wird, zeigen, dass mit großer Konsequenz direkt im Anschluss an eine Transaktion bereits an der Umsetzung bewährter Umsetzungspläne gearbeitet wird. Relativ schnell werden auch Veränderungen im Management bewirkt, denn keine Strategie funktioniert ohne die Mitarbeiter. Die Wertschöpfung geht heute weniger auf bilanztechnische Maßnahmen, sondern im Wesentlichen auf strategische und operative Verbesserungen der Portfoliounternehmen zurück.

Foto: Super Return – Informa Connect Global Finance.


Oft wird mit einem Buy and Build-Ansatz eine sog. Multiple Expansion angestrebt, indem über Zusatzakquisitionen das Plattformunternehmen vergrößert und somit eine höhere Multiple-Bewertung erzielt wird.


Die Flut hebt alle Boote – und steter Tropfen diversifiziert


Nach wie vor profitiert die Branche von der „Politik des billigen Geldes“. Trotz steigender Inflation fluten die Notenbanken die Märkte weiter mit Liquidität. Die Zinsen sind lange gesunken, und Anleihekaufprogramme werden teilweise immer noch fortgesetzt. Die alte Börsenweisheit „Die Flut hebt alle Boote“ gilt aber auch für Private Equity. Auch hier besteht die Gefahr, dass über so manche Schwächen in den Unternehmen hinweggesehen wird. Die Kombination aus viel Kapital und niedrigen Zinsen, gepaart mit einem gewissen Investitionsdruck, kann bei manchem Investor zu einer erhöhten Risikobereitschaft führen.


Deutlich wird in den Gesprächen rund um die SuperReturn aber auch, dass steigende Inflationsraten und eine mögliche Zinswende das Bild schnell eintrüben können.

 

Diejenigen Anleger, die auf erfolgreiche PE-Programme zurückblicken können, haben ihre Investitionen breit diversifiziert und vor allem über alle Jahrgänge – vollkommen unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage – investiert. Erst durch diese regelmäßige Investitionstätigkeit wird gewährleistet, dass die Investoren von den verschiedenen Zyklen profitieren, weil die in ihrem Portfolio befindlichen Fondsmanager in konjunkturell schwierigen Zeiten Unternehmen zu günstigen Preisen erwerben und in guten Zeiten zu attraktiven Preisen veräußern können.


Kein fremdeln mit dem Über-Thema ESG


Während die Weltklima-Konferenz in Glasgow eher enttäuschende Nachrichten – vor allem aus China, Indien und Brasilien hervorgebracht hat – spielt das Thema ESG und hier insb. der Klimaschutz auf der SuperReturn eine ausgesprochen bedeutende Rolle.

 

 

 

 

Ob nachhaltige Anlagestrategien auch dem Ertrag zugutekommen, darauf möchten sich nur die wenigsten Besucher der SuperReturn festlegen.“

 

 

 

Praktisch alle Investoren und auch alle Fondsmanager sind sich einig, dass man mit seinen Investments einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt ausüben möchte und auch ausüben kann.

 

Foto: Super Return – Informa Connect Global Finance.

Um die Wirtschaft von fossilen Energieträgern auf „saubere“ Energiequellen umzustellen, werden gewaltige Kapitalbeträge erforderlich sein. Jedoch: Ob nachhaltige Anlagestrategien aber auch dem Ertrag zugutekommen, darauf möchten sich nur die wenigsten Besucher der SuperReturn festlegen, so der Eindruck des Autors.

 

Fest steht, dass der Aufwand für alle deutlich gewachsen ist. Meist wird versucht, Ausschluss- und ESG-Kriterien zusätzlich mit Positivkriterien zu kombinieren. Ob aber neben einer sozialen und einer ökologischen Dividende auch eine finanzielle Rendite erzielt wird, muss sich erst noch zeigen.

 

Wermutstropfen Regulierung

 

Kaum eine Diskussionsrunde während der SuperReturn geht ohne das Thema Finanzmarktregulierung zu Ende. Wie eine nicht enden wollende Lawine hat eine Masse an neuen Gesetzen und Verordnungen in Europa die Finanzbranche überrollt.

 

Sei es die Fonds- und Marktregulierung mit AIDMD, MIFID II, das Investorenaufsichtsrecht mit Solvency II, VAG, die Anlageverordnung oder die Offenlegungsverordnung – das Regulierungsgeflecht verursacht sowohl in der Fondsindustrie als auch bei den institutionellen Investoren enormen Aufwand und erhebliche Kosten. Praktisch alle Beteiligten klagen über die gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflichten. Zu kompliziert, zu wenig transparent, zu bürokratisch. Interessante Entwicklungen gab es in dieser Beziehung aus Großbritannien zu berichten, wo man in Zukunft flexibler und stärker im Interesse der Finanzindustrie regulieren möchte.

 

Wichtiger und nicht leichter

 

Fazit: Geldschwemme, Anlagenotstand und starke Returns lassen den Sektor Private Equity weiter von Rekord zu Rekord eilen, Ende unabsehbar. Die dynamische Entwicklung der Technologie in vielen Branchen deutet dabei darauf hin, dass ungeachtet dessen das Universum möglicher Investmentziele groß und vielfältig bleiben wird.

 

Im Gleichschritt nehmen auch die Unternehmensbewertungen zu. Diese Gesamtlage sollte Investoren mahnen, genau hinzusehen und zu diversifizieren – auch über den Faktor Zeit. Rolle und Wirkung von ESG wie auch der Regulierung gilt es ebenfalls im Auge zu behalten. Private Equity wird für institutionelle Investoren stetig wichtiger – aber nicht leichter.

 

Zahlreiche Bild-Impressionen von der diesjährigen Super Return finden sich hier.

 

Detlef Mackewicz, Mackewicz und Partner, Investment Andvisers.

Der Autor ist Gründer der Mackewicz & Partner, Investment Advisers, München.

 

Von ihm sind zwischenzeitlich bereits auf LEITERbAV erschienen:

 

Private Equity und Super Return:

Schneller – weiter – höher

15. Dezember 2021

 

Talking Heads – Private Equity:

„… oder, banal ausgedrückt, ein erkennbarer Erfolgswillen.“

Interview mit Mit Heiko Bensch, Senior Portfolio Manager Alternative Investments der Ampega Asset Management in der Tactical Advantage Vol 8, im Dezember 2021

 

Private Equity in den Zeiten von Corona:

Krisenjahre bieten Anlagechancen

18. Mai 2020

 

Praktisches Problem in der Anlageverordnung:

Liebesgrüße aus Bonn

26. Februar 2020

 

Private Equity bietet ein überlegenes Risk-/Return-Profil:

Der Charme von Small Buyouts

28. Januar 2020

 

Keine Alternative zu den Alternativen:

So viel trockenes Pulver…

19. März 2019

 

Welt im Wandel und die Zukunft von Private Equity

26. Februar 2018

 

Kleine und mittelgroße Buyouts:

Zwerge auf den Schultern von Riesen

27. August 2017

 

Investitionen in Infrastruktur:

Lösungsweg aus dem Anlagedilemma?

19. März 2014

 

 

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

© Pascal Bazzazi – LEITERbAV – Die auf LEITERbAV veröffentlichten Inhalte und Werke unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Keine Nutzung, Veränderung, Vervielfältigung oder Veröffentlichung (auch auszugsweise, auch in Pressespiegeln) außerhalb der Grenzen des Urheberrechts für eigene oder fremde Zwecke ohne vorherige schriftliche Genehmigung. Die Inhalte einschließlich der über Links gelieferten Inhalte stellen keinerlei Beratung dar, insbesondere keine Rechtsberatung, keine Steuerberatung und keine Anlageberatung. Alle Meinungsäußerungen geben ausschließlich die Meinung des verfassenden Redakteurs, freien Mitarbeiters oder externen Autors wieder.