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Der Deutsche Pensions Award der Pensions-Akademie:

Die Kunst, nicht dunkelgrün zu sein

ESG und Nachhaltigkeit sind vielfältige Begriffe mit zahlreichen Facetten. Nun hat just in Frankfurt eine Jury entschieden – und einen Blick auf die Dinge gezeigt, der so ganz anders ist, als man es kennt. Und der Sieger? Operiert in einem Kerngeschäft, das derzeit weltweit in aller politischen Munde ist: Er ist Versorger. Und musste nicht weniger stemmen als die Neuerfindung seines Geschäftsmodells. Frank Vogel berichtet von einer „Reise“.

Frankfurt, 18. Juni: diesjähriges Sommerfest der Pensions-Akademie, direkt nach der Impact- und Infrastruktur-Fachtagung. Hier wurde zum 7. Mal der Deutsche Pensions Awardverliehen – im neuen Format mit Fokus auf Transformation, Resilienz, Impact und Nachhaltigkeit. Und der Gewinner 2026: Die EnBW.

Sommerfest ’26 der Pensions-Akademie …

Das mag auf den ersten Blick überraschen. Nicht, weil die Karlsruher nicht nachhaltig wären. Sondern weil die Begründung der Jury bemerkenswert wenig mit dem klassischen ESG-Vokabular zu tun hatte. Denn:

Es ging nicht um das grünste Portfolio.

Nicht um die meisten Ausschlüsse.

Nicht um die höchste Artikel-9-Quote.

Sondern um Transformation.

Genauer gesagt: um die Frage, wie Unternehmen aus dem Kapitalanlageportfolio auf ihrem Weg der Transformation begleitet werden können.

Denken statt Kataloge

Die Jury hat sich in die Diskussion mit dem Kapitalanlageteam der EnBW begeben und bekam keinen ESG-Katalog präsentiert, sondern eher Denkanstöße, warum Nachhaltigkeit komplizierter ist als manche Ratingagentur und Unternehmen glauben möchten.

Von der Kernenergie zum Vorbild

Man muss sich die Ausgangslage der EnBW noch einmal vor Augen führen. Kaum ein deutsches Unternehmen wurde durch den energiepolitischen Wandel der vergangenen anderthalb Jahrzehnte so stark getroffen wie der Energieversorger aus Baden-Württemberg. Im Gespräch mit der Jury erinnerte das Unternehmen daran, dass mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ein erheblicher Teil der damaligen Ertragsbasis wegfiel.

Wer selbst Transformation erlebt hat, entwickelt ein anderes Verständnis.“

… in der Germania.

Für die EnBW bedeutete dies nicht weniger als die Neuerfindung eines Geschäftsmodells. Und vielleicht erklärt genau diese Erfahrung den Blick des Unternehmens auf Nachhaltigkeit. Wer selbst Transformation erlebt hat, entwickelt ein anderes Verständnis für Unternehmen, die sich auf den Weg machen müssen.

Nachhaltigkeit ist eine Reise“, sagen Felix Schleer und Jürgen Geib aus dem Kapitalanlageteam der EnBW unisono im Gespräch mit der Jury. Ein Satz, der in ESG-Kreisen schnell wie eine Floskel klingt. Bei der EnBW wirkt er allerdings erstaunlich glaubwürdig.

Gegen den Nachhaltigkeits-Autopiloten

Der interessanteste Teil des Jurygesprächs begann dort, wo viele Nachhaltigkeitsdiskussionen normalerweise enden: bei den Ratings.

Ohne Daten gehe es nicht. Aber Daten allein reichen nicht.“

Denn während große Teile der Investmentbranche ESG-Ratings als objektive Wahrheit behandeln, schilderte die EnBW sehr offen ihre Erfahrungen mit Datenanbietern, Benchmarks und Nachhaltigkeitsbewertungen. Die Kritik war dabei keineswegs grundsätzlich. Ohne Daten gehe es nicht. Aber Daten allein reichen eben auch nicht. Wenn ein Unternehmen wegen seines Transformationspfades Kapital benötigt, gleichzeitig aber aufgrund historischer Kennzahlen schlechter bewertet wird als ein Unternehmen, das schon lange als „grün“ gilt, entsteht ein Problem.

Denn dann fließt Kapital bevorzugt zu denjenigen, die es am wenigsten benötigen. Und genau an dieser Stelle setzt die Philosophie der EnBW an. Nicht die Frage, wer heute am besten aussieht, steht im Mittelpunkt. Sondern die Frage, wer sich tatsächlich verbessert. Mitunter müssen die Datenpunkte der ESG-Ratings dafür mit einer eigenen Analyse hinterfragt werden.

Kapital für die Veränderung

Daraus entstand ein Ansatz, der sich durch sämtliche Asset-Klassen zieht. Die EnBW sucht gezielt nach Unternehmen, die glaubwürdig auf einem Transformationspfad unterwegs sind. Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistung verbessern. Unternehmen, die investieren müssen. Unternehmen, die Kapital benötigen.

Der Autor mit Jügen Geib und Felix Schleer, beide EnBW, und auf einen solchen Award …

Für die Jury war genau dieser Gedanke einer der überzeugendsten Aspekte der gesamten Bewerbung. Transformation funktioniert nur, wenn sie finanziert wird.

Das klingt erstmal banal. Ist es aber nicht. Denn viele ESG-Ansätze im Asset Management konzentrieren sich bis heute vor allem auf die Vermeidung von Risiken und Kontroversen. Die EnBW ergänzt diese Sicht um eine zweite Perspektive: die Förderung von Veränderung in Unternehmen.

Das passt nicht nur zum Unternehmen selbst. Es passt auch erstaunlich gut zur aktuellen Debatte darüber, wie die nachhaltige Entwicklung künftig definiert und bewertet werden soll.

Nachhaltigkeit ohne Dogmen

Auffällig war zudem die Pragmatik des Ansatzes. Die EnBW machte gegenüber der Jury keinen Hehl daraus, dass der Nachhaltigkeitsansatz immer wieder neu gedacht werden müsse: Geopolitische Entwicklungen, Energieversorgung, Infrastruktur, Versorgungssicherheit und gesellschaftliche Stabilität seien keine Randthemen mehr, sondern Teil derselben Diskussion.

… kann man schonmal anstoßen.

Entsprechend wenig Interesse zeigte das Unternehmen an einfachen Schwarz-Weiß-Kategorien. Nicht alles, was grün aussieht, löst Probleme. Und nicht alles, was Probleme löst, ist automatisch dunkelgrün. Gerade diese Offenheit für Zielkonflikte beeindruckte die Jury.

Gesamtes Kapitalanlageteam statt separater Abteilung

Bemerkenswert ist auch die organisatorische Verankerung: Während Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen von spezialisierten Teams betreut wird, verfolgt die EnBW einen anderen Ansatz. Das Kapitalanlageteam besteht aus acht Personen. Verantwortlich für nachhaltige Kapitalanlagen sind ebenfalls acht Personen. Nicht zusätzlich, sondern dieselben. Nachhaltigkeit wird nicht kontrolliert. Sie wird investiert.

Die Entscheidung

Felix Schleer und Jürgen Geib, beide EnBW. Alles Fotos: Tim Wegner.

Der Deutsche Pensions Award geht in diesem Jahr an ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit weder als Marketingbegriff noch als regulatorische Pflichtübung versteht.

Die EnBW hat die Jury – Wiebke Merbeth (Deloitte), Ewald Stephan (ehem. Verka), Andreas Rickert (Phineo) und der Autor dieses Beitrages – vor allem deshalb überzeugt, weil sie Nachhaltigkeit konsequent mit Transformation verbindet. Mit dem Willen, Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten.

Mit der Bereitschaft, Daten und Ratings kritisch zu hinterfragen. Und mit dem Verständnis, dass Nachhaltigkeit weniger ein Zustand als vielmehr ein Prozess ist. Oder, um es mit einem Gedanken aus dem Gespräch zu formulieren:

Das Ziel ist nicht das perfekte grüne Portfolio. Entscheidend ist, sich auf den Weg zu machen und eine Reise zu beginnen, die wohl nie endet.

Der Autor ist Vorstand der Pensions-Akademie.

Von ihm und anderen Autoren der Pensions-Akademie e.V. sind bereits auf PENSIONSINDUSTRIES bzw. ALTERNATIVESINDUSTRIES erschienen:

Der Deutsche Pensions Award der Pensions-Akademie:
Die Kunst, nicht dunkelgrün zu sein
von Frank Vogel, 10. Juli 2026

Jahresauftakt der Pensions-Akademie:
Zwischen Let´s do it, Sinnlosigkeit und Bierdeckeln
von Andreas Fritz, 20. März 2026

Infra-Fachtagung der Pensions-Akademie 2025:
Zwischen Realität, Regulierung und Rendite
von Christian Schneider, 24. Juli 2025

Auftaktveranstaltung der Pensions-Akademie 2025 (II):
1001 Nacht – doch was wird aus der Wunderlampe?
von Andreas Fritz, 27. April 2025

Pensions-Akademie Impact & Infrastruktur-Fachtagung (II):
Drei beherrschende Themen …
von Christian Schneider, 30. Juli 2024

Einblicke vom Impact Round Table bei der Pensions-Akademie:
Mehr Nachhaltigkeit wagen!
von Christian Schneider, 20. Oktober 2023

Deutscher ESG Pensions Award 2023:
Das ist der Preis der Nachhaltigkeit
von Frank Vogel, 6. Oktober 2022

Pensions-Akademie:
Klimflation goes Stresstest …
von Frank Vogel, 22. Februar 2022

Zeit für eine kleine (Zwischen-)Bilanz:
Sechs Jahre Pensions-Akademie
von Frank Vogel, 17. Dezember 2021

Nach fünf Jahren:
Die Pensions-Akademie hat sich nachhaltig etabliert
von Frank Vogel, 8. Oktober 2021

Ein Kompendium an nachhaltiger Lektüre:
Innovative Nachhaltigkeit in Einrichtungen der bAV“
von Frank Vogel, 2. September 2021

Nachhaltigkeit in der bAV – der zweite ESG Pensions Award:
Von der Pflicht zur Kür …
von Frank Vogel, 17. Februar 2021

Jahresauftaktveranstaltung 2019 der Pensions-Akademie:
Vor welchen Perspektiven steht die bAV?
von Frank Vogel, 26. März 2019

Herbsttagung der Pensions-Akademie:
Im Spannungsfeld zwischen PEPP und Praxis
von Frank Vogel, 25. September 2018

Auftaktveranstaltung 2018 der Pensions-Akademie:
Zum Glück keine Ruhe für die bAV
von Frank Vogel, 6. Februar 2018

Fachtagung der Pensions-Akademie:
Da klingeln bei mir die Alarmglocken“
von Frank Vogel, 22. September 2017

Einblicke vom Impact Round Table bei der Pensions-Akademie:
Mehr Nachhaltigkeit wagen!
von Christian Schneider, 20. Oktober 2023

Deutscher ESG Pensions Award 2023:
Das ist der Preis der Nachhaltigkeit
von Frank Vogel, 6. Oktober 2022

Pensions-Akademie:
Klimflation goes Stresstest …
von Frank Vogel, 22. Februar 2022

Zeit für eine kleine (Zwischen-)Bilanz:
Sechs Jahre Pensions-Akademie
von Frank Vogel, 17. Dezember 2021

Nach fünf Jahren:
Die Pensions-Akademie hat sich nachhaltig etabliert
von Frank Vogel, 8. Oktober 2021

Ein Kompendium an nachhaltiger Lektüre:
Innovative Nachhaltigkeit in Einrichtungen der bAV“
von Frank Vogel, 2. September 2021

Nachhaltigkeit in der bAV – der zweite ESG Pensions Award:
Von der Pflicht zur Kür …
von Frank Vogel, 17. Februar 2021

Jahresauftaktveranstaltung 2019 der Pensions-Akademie:
Vor welchen Perspektiven steht die bAV?
von Frank Vogel, 26. März 2019

Herbsttagung der Pensions-Akademie:
Im Spannungsfeld zwischen PEPP und Praxis
von Frank Vogel, 25. September 2018

Auftaktveranstaltung 2018 der Pensions-Akademie:
Zum Glück keine Ruhe für die bAV
von Frank Vogel, 6. Februar 2018

Fachtagung der Pensions-Akademie:
Da klingeln bei mir die Alarmglocken“
von Frank Vogel, 22. September 2017

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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