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Metzlers Martin Thiesen im Interview zu Zinsen, Märkten, Funding Ratios, Buyouts, der eigenen Rentnergesellschaft und mehr (I):

„Gehen Sie davon aus!“

Metzler gehört in der bAV zu den wenigen Akteuren, die die Funktion als Asset Manager wie als Pensionsinvestor gleichermaßen innehaben. Mit rund 18 Mrd. Euro an Pension Assets in mehreren Vehikeln ist man einer der großen Player auf dem Parkett. Im ersten Teil eines zweiteiligen Interviews mit Jochen Hägele erklärt Martin Thiesen, Aktuar und Vorstand des Metzler Pensionsfonds, welche Rolle Zinsen und Märkte für Pension Buyouts derzeit spielen, warum man auch in volatilen Märkten investiert sein sollte und welche Entwicklung gefährlich werden könnte. Und er antwortet mit Blick auf sein eigenes Haus auf die Frage nach der eigenen Rentnergesellschaft.

Martin Thiesen, steigen wir mit den Märkten ein. In den vergangenen Jahren haben sich die Finanzmärkte nach jedem Rückschlag in kürzester Zeit wieder erholt. Wer Risiko rausnahm, wurde kurze Zeit später dafür bestraft. Buy the Dip und FOMO regierten. Doch kommt es derzeit – just dieser Tage – wirklich dicke: KI-Disruption im Softwaresektor, Irankrieg, Ölpreis, Zinsangst, Inflation. Stand heute sieht alles wieder nach dem in den letzten Jahren gelernten Muster aus? Oder erleben wir gerade das Ende einer Goldilocks-Ära?

Wir rechnen eher damit, dass sich das Muster der letzten drei Jahre weiter fortsetzen wird. Die Schwankungen haben zwar zugenommen, aber nach einem Kurseinbruch erholt sich der Markt oft schon am selben oder folgenden Tag wieder. Wir steuern die Portfolios daher generell mit ruhiger Hand und lassen uns nicht vom unablässigen Marktlärm ablenken.

Martin Thiesen, Metzler.

Aber klar ist: Auch wir als Vorstand der Pensionseinrichtung beobachten das tägliche Marktgeschehen sehr intensiv, und natürlich halten wir schon mal die Luft an, wenn sich Einbrüche am Folgetag fortsetzen, aber investiert zu bleiben ist besser als nicht am Markt aktiv zu sein.

… dass wir die jeweilige SAA-Zielallokation durchziehen.“

Bleiben Ihre Kunden auch so entspannt?

Natürlich ist der Austausch in hektischen Marktphasen besonders intensiv. Wir haben aber mit nahezu allen unseren Kunden vereinbart, dass wir die jeweilige SAA-Zielallokation durchziehen. Das heißt im Klartext, dass wir höchstens performance-bedingte Übergewichte zurückführen. Auf dem aktuellen Niveau, wo die SAA sauber anhand der langfristigen Ziele des jeweiligen Trägerunternehmens abgeleitet ist, sehen wir die Portfolios gut aufgestellt.

Vergangenes Jahr hatten Sie sich kritisch zum Konzentrationsrisiko in den USA geäußert. Wie sehen Sie das heute?

Wir bleiben vorsichtig und haben statt 75% im Aktien-Welt-Universum eher 55-60% US-Gewichtung. Damit profitieren wir natürlich dann nicht so sehr, wenn die KI-getriebenen US-Sektoren weiterlaufen. Aber hier ist es uns wichtiger, die Risiken zu begrenzen, als das letzte Ertragspotenzial aus dem Aktienmarkt zu quetschen.

DAS BANKHAUS METZLER UND DIE METZLER PENSION MANAGEMENT (MPM)

Das Bankhaus Metzler in Frankfurt.

Das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. AG in Frankfurt ist mit über 350 Jahren die älteste deutsche Privatbank im ununterbrochenen Familienbesitz und operiert in den Geschäftsfeldern Asset Management, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking. Metzler AM mit ca. 80 Mrd. Euro AuM bietet Investmentleistungen für institutionelle Kunden.

Die Metzler Pension Management wiederum bündelt die bAV-Aufgaben des Outside Funding rund um Pensionsfonds, CTAs, Sozialpartnermodelle und ALM und gilt als führender Anbieter überbetrieblicher Pensionsfonds in Deutschland; von ihren drei Vehikeln ist der 2014 gegründete Metzler Pensionsfonds mit rund 7 Mrd. Euro Kampfgewicht der größte überbetriebliche Pensionsfonds Deutschlands. Insgesamt administrierte die Division Ende 2024 rund 130.000 Versorgungsverhältnisse und Anspruchskonten mit einem Volumen von über 18 Mrd. Euro.

Zudem haben wir die SAA über Infrastructure Equity verstärkt. Private Equity und Private Debt sind in größeren Portfolios eine sinnvolle Ergänzung. Gold und illiquide Anlageklassen wie Immobilien und Private Markets sind Stabilisatoren in der SAA. Wenn Kurseinbrüche und gefühlte „Schwarze Schwan“-Ereignisse immer häufiger die Märkte erschüttern, können sie die Folgen abmildern.

Mit den Anleihenrenditen ist auch der Rechnungszins weiter gestiegen. Das ist doch ganz förderlich für den Ausfinanzierungsgrad der meisten Pensionsverpflichtungen?

Im Pensionsfonds haben wir oft die Herausforderung teils starrer Rechnungszinsen, die sich eher am langfristig zu erwartenden Ertrag der Anlage orientieren. Wenn der in einer Größenordnung zwischen 2,5 bis 3,5% liegt, hat ein starker Zinsanstieg kurzfristig erst einmal eher negative Auswirkungen. Für international bilanzierende Pensionspläne unter IFRS und US-GAAP ist das natürlich anders: Da ist der Rückgang nicht-gematchter, eher unterfinanzierter Pensionsverbindlichkeiten bei steigendem Zins relativ gesehen stärker als die Mark-to-Market-Verluste der Anlageseite. Den größten Sprung der jüngsten Zeit haben wir bereits 2022 erlebt, als das Renditeniveau von nahe 0 auf fast 3% hochgeschossen ist. Im Vergleich dazu hat der jüngste Anstieg um 30 bis 50 BP nur noch geringe Auswirkung auf den Ausfinanzierungsgrad.

Welche Folgen hat der höhere Ausfinanzierungsgrad für die Pensionsüberlegungen der Unternehmen?

Die meisten Unternehmen haben ja noch Verpflichtungen aus Direktzusagen auf der eigenen Bilanz liegen. Wenn der Ausfinanzierungsgrad steigt, stellt sich natürlich jetzt die Frage, wie ich mein Geschäftsmodell gegen Veränderungen der Pensionsverbindlichkeiten (Pensionsfonds/Pension Buyout) immunisiere. Die Zeit für solche Weichenstellungen ist günstig, wenn man die Kapitalunterlegung hat und so der Aufwand für die Auslagerung überschaubar wird. Also prüfen viele Akteure, ob sie sich tatsächlich entweder mit dem Pensionsfonds (nur HGB) oder über den Pension Buyout (HGB und IFRS) der Pensionsverbindlichkeiten und der Effekte daraus entledigen.

Mit sinkendem Zinsniveau rutscht der Rückenwind ins Gegenteil.“

Auch deshalb nehmen Rentnergesellschaften in den letzten 2 bis 4 Jahren auch in Deutschland in Diskussionen rund um moderne bAV-Lösungen stetig mehr Raum ein.

Profitieren Sie im Neugeschäft von der aktuellen Situation?

Ja, indirekt durch die Kapitalanlageseite. Ein Beispiel: Bei niedrigen Zinsen ist es herausfordernd, Unternehmen von LDI-Strategien zu überzeugen. Je höher aber das Zinsniveau steigt, umso unwahrscheinlicher wird offenkundig ein weiterer Anstieg. Momentan erleben wir zwar einen Preis- und Zinseffekt durch die Zölle und den Irankrieg, aber grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen auch mal wieder sinken werden. Und das ist das Gefährliche für die Unternehmen, denn mit einem sinkenden Zinsniveau rutscht der Rückenwind der vergangenen Jahre genau ins Gegenteil: Dann steigen die Verbindlichkeiten stärker als die Kapitalanlage.


Der Deckungsgrad sinkt, und der Aufwand steigt via höherer Rückstellungen; das spürt man dann in Bilanz und GuV. Dieses Szenario veranlasst natürlich den einen oder anderen, angesichts des Zinsniveaus jetzt auch wieder über LDI-Strategien nachzudenken.

Wir sehen uns als Vollsortiment-Anbieter bei Pensionslösungen.“

Was sind Ihre Pläne beim Pension Buyout? Werden wir da bald etwas von Metzler Pension Management hören?

Wir sehen uns als Vollsortiment-Anbieter bei Pensionslösungen mit dem Anspruch, bei den kapitalunterlegten Pensionslösungen ein wichtiger Player zu sein – oder der Marktführer wie etwa beim Auslagerungsgeschäft und dem Sozialpartnermodell.

MARTIN THIESEN

Martin Thiesen ist Geschäftsführer der Metzler Pension Management GmbH sowie Vorstand der drei Metzler Pensionsfonds. Der Diplom-Mathematiker und Aktuar wechselte 2018 von der Deutschen Asset Management zu Metzler und verantwortet insb. die Bereiche ALM, LDI sowie die Konzeption kapitalmarktorientierter Lösungen für die bAV.

Der Pension Buyout über eine Rentnergesellschaft ist eine attraktive Lösung, und wir sehen uns hier mit unseren Ressourcen in einer sehr guten Position. Also ja, gehen Sie davon aus, dass wir hier über kurz oder lang mit einem eigenen Angebot einsteigen.

Schauen wir mal auf die liquide Fixed Income-Seite: Da preist der Markt aktuell das Zinsrisiko über steigende Renditen deutlich höher ein als das Rezessions- oder Kreditrisiko in Form von Spreads. Werden in Zukunft auch Defaults und Spreads stärker in den Vordergrund rücken?

Wir sehen aktuell nicht die Zahlungsausfälle, die einen Anstieg der Spreads rechtfertigen würden. Obwohl der Spread relativ weit zusammengelaufen ist, sind auch wir auf der Anleihenseite weiterhin relativ stark in Unternehmensanleihen investiert. Aus meiner Sicht ist es aus Renditegesichtspunkten immer besser, auf ein unternehmerisches Geschäftsmodell zu setzen als auf Staatsanleihen.

EM Debt haben wir vor Längerem aus den Allokationen herausgedreht.“

Gilt das auch für High Yields?

Auch bei den High Yield-Anleihen sind die Ausfallraten historisch niedrig, aber da ist die Frage noch akuter, ob wir in Zukunft mehr Ausfälle und dann auch wieder höhere Spreads sehen. Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Durch die so gut gelaufenen Spreads sind die Marktwerte angestiegen und damit auch die High Yield-Quote relativ gesehen zu den Staatsanleihen. Diese haben wir immer wieder auf das strategische Gewicht zurückgestutzt. Grundsätzlich bleiben wir aber in der Asset-Klasse. Und bevor Sie fragen: EM Debt haben wir vor Längerem aus den Allokationen herausgedreht – die meisten unserer Kunden präferieren tatsächlich eher IG Credit und High Yield als EM Debt. Grundsätzlich bin ich aber auch der Meinung, dass man keine Asset-Klasse kategorisch bei der Konstruktion der SAA ausschließen sollte.

Ende des ersten Teils des Interviews mit Martin Thiesen. Der zweite folgt in Kürze auf der Schwesterplattform ALTERNATIVESINDUSTRIES.

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Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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