Die Lebensversicherer haben Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt: Direktversicherungen, Wettbewerbs-Pensionskassen und Versicherer-Pensionsfonds, allerdings erstmals nur bruchstückhaft dokumentiert. Die Bilanz, in Sachen bAV nicht mehr so leicht zu ermitteln wie einst, zeigt dennoch die Probleme von Garantiemodellen so deutlich wie nie zuvor. P●I-Autor Detlef Pohl hat die Zahlen beleuchtet, beim GDV nachgehakt und zwei Consultants zur Lage befragt.
Zu den Versicherer-Zahlen insgesamt: Was kam rein? Lebensversicherungen im weiteren Sinne (also LV einschl. bAV: Direktversicherungen, Rückdeckungsversicherungen sowie Pensionskassen und -fonds) verzeichneten 2025 ein Plus der Brutto-Beitragseinnahmen von 5,2% auf 99,5 Mrd. Euro gegenüber 2024. So geht es aus der kürzlich im Internet veröffentlichten Zahlensammlung „Altersvorsorge in Zahlen“ des GDV hervor..
Bei Lebensversicherungen im engeren Sinne (also mit DV und RDV, aber ohne Pensionskassen und -fonds) waren es 96,7 Mrd. Euro gebuchte Brutto-Beiträge, also Beitragsvolumen aus dem selbstabgeschlossenen und übernommenen Geschäft, das sich für das betreffende Geschäftsjahr aus dem Bestand einschließlich des Neuzugangs ergibt.
Dort werden die Geschäftszahlen der Sparte für 2025 dargelegt – leider mit sehr viel spärlicheren Infos zur bAV als in der langjährigen Publikation „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen“, die vor einem Jahr zum letzten Mal aufgelegt wurde.
Die deutsche Lebensversicherung: viel rein …
Im Einzelnen Ende 2025 und zum VJ zur LV insgesamt:
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Versicherungssumme neu abgeschlossener LV-Verträge iwS (inkl. Pensionskassen und Pensionsfonds): 346,1 Mrd. Euro (+5,1%). Grund: günstigere Rahmenbedingungen wie sinkende Inflation, steigende Reallöhne und erhöhter Höchstrechnungszins.
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Kapitalanlagebestand: 1,01 Bio. Euro, stabil.
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Neuzugang LV ieS (ohne PK und PF): 3,81 Mio. Policen (so gering wie nie zuvor; 2024 waren es noch 4,3 Mio).
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Einmalbeitrag der LV iwS im Neugeschäft: 31,9 Mrd. Euro (+17%).
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Laufende annualisierte Beiträge im Neugeschäft iwS: 6,8 Mrd. Euro (+2,4%).

… und viel raus
Ausgezahlte Leistungen aus LV iwS (inkl. PK und PF): 98,9 Mrd. Euro. Anstieg zwischen 2009 und 2025 im Durchschnitt um 2% p.a.. Damit haben sich die ausgezahlten Leistungen (inkl. PK und PF) seit 2009 rund um 40% erhöht:

Die Versicherer-bAV: insgesamt durchwachsen
Was ist 2025 summarisch bei der LV-bAV (also PK, PF, DV und RDV) zum Vorjahr passiert?
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Gebuchte laufende bAV-Beiträge leicht gestiegen: 16,7 Mrd. Euro (+0,3%).1
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Damit Anteil der bAV an den gebuchten laufenden Beiträgen für ein Jahr im Bestand: 25% (2024: 24,8%; 2023: 24,5%).
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bAV-Neuverträge: 817.800 (-8,5%).
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bAV-Bestandsverträge Ende 2025 >16,36 Mio. (-1,1%).
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Versicherungssumme neu abgeschlossener bAV-Verträge: 47,4 Mrd. Euro (+6,8%), davon 2,84 Mrd. Euro Einmalbeitrags-Policen (+3,2%). PF hier nicht enthalten, da sie keine Versicherer sind und deswegen keine Versicherungssummen im Sinn der GDV-Statistik ausweisen.
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Gesamtversicherungssumme aus Neugeschäft und Bestand: 485,1 Mrd. Euro (+2,1%).
Abb.: Die bAV im Bestand Lebensversicherer.

Im Vergleich zur Lebensversicherung insgesamt ist der Absatz bei Pensionskassen und Pensionsfonds bescheiden. Aber der Reihe nach:
Direktversicherung: leicht ausgebremst
Nachdem es 2024 so viele Direktversicherungen gab wie nie zuvor, sank der Bestand 2025 um 0,5% auf 8,76 Mio. Verträge. Seit Inkrafttreten des Betriebsrentengesetzes 1974 ist die Zahl der Policen im Bestand von 1,34 Mio. Stück massiv gewachsen und hat sich bis heute mehr als versechsfacht. Heute macht sie rund die Hälfte des gesamten bAV-Geschäfts der LVU aus (s.o.).
Von allen fünf bAV-DFW, in denen sich die Lebensversicherer (un-)mittelbar engagieren (inkl. 3,64 Mio. RDV für Pensionszusagen), bleibt die Direktversicherung also spitze – ungeachtet von nur 1% Rechnungszins und der weit verbreiteten Pflicht zur 100%-Garantie in den arbeitsrechtlich vereinbarten Zusagen. Im Vorjahr kamen 582.000 Verträge dazu (-8,2%). Der laufende Jahresbeitrag kletterte auf 9,6 Mrd. Euro (+1,8%), davon im Neugeschäft auf 1,1 Mrd. Euro (+1,7%). Die Gesamtversicherungssumme aus Direktversicherungen erreichte fast 297 Mrd. Euro (+2,7%) – davon 32 Mrd. Euro im Neugeschäft (-3,1%).
Abb.: Die Entwicklung der Direktversicherung.

Pensionskassen: ambivalent seitwärts
Pensionskassen sind zwar in der bAV-Tariflandschaft weit verbreitet, dümpeln aber beim Umsatz weiter vor sich hin. Jedenfalls ging 2025 die Zahl der Bestandsverträge der 17 vom GDV erfassten überbetrieblichen Kassen (von 124 unter BaFin-Aufsicht stehenden Kassen; Stand: Ende 2024), die vielfach erst 2002 mit hohen Kosten gegründet oder geöffnet worden waren (weil der Gesetzgeber damals der etablierten Direktversicherung zunächst die Förderung der Entgeltumwandlung versagte), weiter zurück auf 3,24 Mio. Stück (-2,5%).
„Die Masse dürfte wohl früher oder später in den Run-off geschickt werden.“
Seit die Förderung der Direktversicherung 2005 gleichgezogen wurde, begann die Verwitterung des Neugeschäfts der Wettbewerbs-Pensionskassen. Es kamen 2025 nur 22.500 neue Verträge hinzu (-25,5%). Sogar 2021 und 2020 waren es jeweils noch über 50.000 Neuabschlüsse gewesen.
Im Bestand verringerte sich die Versicherungssumme bzw. kapitalisierte Jahresrente auf 53,6 Mrd. Euro (-2%). Der laufende Beitrag für ein Jahr ging erneut weiter zurück und belief sich auf 1,6 Mrd. Euro (-5,7%) – davon 33,4 Mio. Euro im Neugeschäft (+14,6%, d.h. jüngere Verträge vermutlich höher dotiert). Die versicherte Summe im Neugeschäft stieg auf 601 Mio. Euro (+12,7%).
Die Masse der Verträge dürfte wohl früher oder später in die Direktversicherungsbestände integriert oder die Kassen in den Run-off geschickt werden. Einige Kassen befinden sich nach der langjährigen früheren Zinsmisere längst ebendort, wobei der überwiegende Teil des Bestandes der aktiven Kassen auf Pensionsversicherungen entfällt, die sich noch in der Anwartschaftsphase befinden. „Zahlen zu Unternehmen im Run-off erfasst der Verband nicht“, hieß es auf Nachfrage der Redaktion schon 2024 beim GDV.2
Abb.: Die Entwicklung der LV-Pensionskassen.

Pensionsfonds: ungewohnt unfreundlich
Wesentlich freundlicher präsentiert sich auch das Pensionsfondsgeschäft der 14 vom GDV erfassten LV-Pensionsfonds aus (von 35 unter BaFin-Aufsicht stehenden Pensionsfonds insgesamt; Stand: Ende 2024) nicht: Unterm Strich haben nur 38.400 Menschen 2025 neu begonnen, mit Hilfe von Pensionsfondszusagen für das Alter vorzusorgen (-26,3%). Der Bestand stieg immerhin auf 711.000 Personen (+4,1%).
Der annualisierte laufende Beitrag für ein Jahr aus diesem Neuzugang betrug nur 27,4 Mio. Euro (-19,4%), nachdem er 2023 schon mal bei respektablen 40,6 Mio. Euro gelegen hatte. Der in diesem DFW stets überproportional starke Einmalbeitrag betrug 777 Mio. Euro (+6,4%) und liegt damit auf dem Niveau von 2023; der höhere Zins und damit der geringere bilanzielle Druck zum Outside Funding (das im Gegenzug an sich günstiger geworden ist) lässt grüßen, und zwar nachdrücklich.
Die laufenden Beiträge für ein Jahr aus Bestand und Neugeschäft bei Pensionsfonds-Verträgen summieren sich dagegen nur auf 258 Mio. Euro (+3,5%). Grund ist laut früheren Aussagen des GDV, dass „die Entwicklung der Beitragseinnahmen von Pensionsfonds stark von Einmalbeiträgen geprägt ist, die mit der Auslagerung von Pensionszusagen verbunden sind, wobei diese Einmalbeiträge im Zeitverlauf stark schwanken“. Wie gesagt, der liebe Zins …
Abb.: Die Entwicklung der LV-Pensionsfonds.

Rückdeckungsversicherung: stabiler Rückhalt bei Direktzusagen
Zur Ausfinanzierung von Pensionsrückstellungen bei Direktzusagen und U-Kassen dienen auch 2025 v.a. die aktuell 3,64 Mio. RDV (-2,2%).
Der laufende Jahresbeitrag ging leicht auf 5,16 Mrd. Euro zurück (-0,7%), er annualisierte im Neugeschäft auf 1,3 Mrd. Euro (-1,2%). Die Gesamtversicherungssumme aus RDV erreichte aber fast 134,6 Mrd. Euro (+2,3%) – davon 14,8 Mrd. Euro im Neugeschäft (+36,8%).
Abb.: Die Entwicklung der Rückdeckungsversicherung.

Verband sieht viel mehr bAV-Wachstumspotenzial
Lebensversicherer und ihre Pensionskassen und -fonds sind mit 46,4 Mio. Rentenpolicen tragende Säule der kapitalgedeckten AV in Deutschland, meint der GDV. Den zentralen Hebel sieht er in der bAV. Eine Begründung liefert der Statistik-Teil der 25er Bilanz nicht unmittelbar. In einem gesonderten bAV-Dossier vom Februar 2026 heißt es, die bAV sei ein effizientes Instrument für Zusatzvorsorge, könnte aber durch mehr Kapitalmarktnähe und breiteres Opting-out noch wirksamer werden.
Auslaufmodell Garantiemodell?
Auffallend ist, dass die Lebensversicherer mittlerweile regelmäßig selbst die Garantiezwänge in der bAV kritisieren. Gefahr droht vor allem von der 3. Säule durch das Altersvorsorge-Depot und die vorgesehene Verzahnung mit der Frühstartrente (beides ohne Garantien). Die Branche scheint sich seit einigen Jahren sukzessive vom Garantiemodell zu verabschieden – obwohl es ja eigentlich eines ihrer wenigen Alleinstellungsmerkmale ist. Mancher plädiert bereits für ein BRSG 3.0.
Vorbei, aber unvergessen die Zeiten, als die Branche in der Diskussion um das BRSG I vor 2018 die Garantien in der bAV bzw. dem neuen SPM noch mit aller Härte einforderte und erst aufgab, als klar wurde, dass sich die damalige BMAS Andrea Nahles von einem klipp und klaren Verbot der Garantien nicht mehr abbringen ließ.
Offenbar fügt sich die Assekuranz endlich der Realität, dass die Zeit der (von P●I bekanntlich seit Jahr und Tag für industrie- und sozialpolitisch äußerst schädlich gehaltenen) Garantien zumindest in ihrer vorgeblichen Alternativlosigkeit vorbei ist. Marktführer Allianz etwa springt jetzt öffentlichkeitswirksam auf diesen Zug auf. Vorstandschef Oliver Bäte sieht sogar die klassische, garantierte LV als Auslaufmodell. Seiner Ansicht nach hat die traditionelle Police durch den Wegfall der klassischen Trennung zwischen Lebens- und Fondssparen keine Zukunft mehr. Stattdessen setzt er auf hybride Produkte, die Chancen am Kapitalmarkt mit Risikoschutz verbinden sollen, sagte der Manager laut Presseberichten beim kürzlichen Media Barbecue der Allianz in München. Bätes strategische AV-Ausrichtung lässt sich so zusammenfassen:
1. Ende der klassischen Garantie: Reine Zinsversprechen ohne Kapitalanlage aufgrund der aktuellen Marktlage nicht mehr zeitgemäß.
2. Hybride Produkte: Fokus verschiebt sich zu fondsbasierten Rentenversicherungen mit reduzierten oder flexiblen Garantien, um weiterhin attraktive Renditen zu ermöglichen.
3. Kapitaldeckung und Eigenverantwortung: Bäte fordert grundlegenden Umbau der Altersvorsorge hin zu mehr Eigenverantwortung, einschließlich des stärkeren Ausbaus der bAV und kapitalgedeckter Systeme.
Wie Consultants die LV-Bilanz sehen: zwischen bAV-Wachstumshebel …
Welche Entwicklungen sehen die Berater? Aon registriert eine zunehmende Bündelung auf große bAV-Versicherer, die ihre Vertriebswege eben darauf abgestellt haben. Eine kurzfristige bAV-Konkurrenz zu AV-Depot/Frühstartrente sieht man aber nicht.
„Attraktive AV-Depot-Modelle könnten allerdings dazu führen, dass Arbeitnehmer ihr verfügbares Einkommen an dieser Stelle einsetzen und somit weniger Entgeltumwandlung stattfindet, und sie werden viel Beratungsbedarf hervorrufen“, meint Jochen Pölderl. Darüber hinaus erwartet der Partner und Head of Pension Broking Germany bei Aon keine Kannibalisierung, da die Frühstartrente nur sehr kleine Beträge bindet und daher keine unmittelbare Konkurrenz für die bAV bedeutet. Der Gesetzgeber sollte jedoch nachbessern, „um zu vermeiden, dass die bAV aufgrund geringerer Förderung oder restriktiverer Vorgaben ins Hintertreffen gerät“, so Pölderl.

Zur Bilanz: Die Direktversicherung hat sich weiter gegen Versicherer-Pensionskassen durchgesetzt, weil sie der naheliegendere und effizientere Vertriebs- und Produktweg ist. Diese Form der Pensionskassen sei ein Auslaufmodell und wird vermutlich in den nächsten Jahren „umgedeckt“, meint auch Pölderl. Der Hoffnungsträger Pensionsfonds greife bei LV auch nicht richtig, weil der ursprüngliche Vorteil – seine deutlich kapitalmarktnähere Ausrichtung als Versicherungen – sich spürbar verringert hat. Moderne Direktversicherungen sieht er heute vergleichbare Ergebnisse ermöglichen. Auch bei der Übertragung von großen Rentnerbeständen aus bestehenden Direktzusagen oder UK-Verpflichtungen gab es zuletzt deutlich weniger Dynamik und Engagement, da aufgrund der Zinsentwicklung die Attraktivität abgenommen hat. Zudem fanden die meisten größeren Übertragungen in Industrie-Pensionsfonds statt.
„Moderne Direktversicherungen ermöglichen heute vergleichbare Ergebnisse.“
Man könnte, so der Consultant, den bAV-Wachstumshebel nutzen – wie vom GDV erhofft –, indem die Stärken der Versicherer herausgearbeitet werden (lebenslange Altersrente, Abdeckung vorzeitiger Risiken, hohe Beitragsgarantien zzgl. gute Gesamtverzinsung von ca. 3%). Wichtig sei auch, die geringen Kostenquoten transparent zu machen und starke Vertriebspartner einzubinden, meint Aon. Damit es für Arbeitgeber attraktiv wird, seien schlanke Prozesse und starke Vertriebs- und Admin-Partner essentiell, die die Arbeitgeber in Kommunikation und Verwaltung entlasten. Das vom GDV vorgeschlagene Modell – ein standardisiertes bAV-Basisprodukt, vor allem für KMU – als Alternative zum SPM könnte dazu beitragen, die bAV zu stärken, so Pölderl.
… Robustheit und Kannibalisierung
Ähnlich sieht es WTW. Die bAV bleibe für die deutschen Lebensversicherer ein strategisch wichtiges Geschäftssegment und habe sich in einem insgesamt herausfordernden Marktumfeld als vergleichsweise robust gezeigt, so die WTW-Experten Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland, und Claudius Podebrad, Bereichsleiter Pension Brokerage.

Strategisch behalte die lebenslange Rentenzahlung ihre zentrale Bedeutung als AV-Leistungsform. Ob und in welchem Umfang Kannibalisierungseffekte entstehen, bleibe derzeit offen. Erwartbar ist jedoch, dass die neuen Förderregelungen zusammen mit den bestehenden Fördermechanismen zu einer teilweisen Verlagerung von Beiträgen und Neugeschäft zwischen den verschiedenen Produkten führen, jedoch eher innerhalb der dritten Schicht.

Für die bAV der Lebensversicherer sieht WTW dieses Risiko deutlich begrenzter, „weil sie über den AG organisiert ist, kollektive Versorgungslösungen ermöglicht und typischerweise im arbeitsrechtlichen und personalpolitischen Kontext eingebettet ist“.
„Mehr Rendite statt Garantien bedeutet nicht den Verlust dieser Alleinstellungsmerkmale.“
Der Wettbewerb sei eher durch Fondsgesellschaften und digitale Anbieter relevant. Für die bAV sei da entscheidend, ihren spezifischen Mehrwert klar herauszustellen: kollektive Organisation, günstige Kostenstrukturen, Einbindung des Arbeitgebers, verlässliche Administration, biometrische Risikoabsicherung und die Möglichkeit lebenslanger Leistungen. Mehr Rendite statt Garantien bedeute daher nicht den Verlust dieser Alleinstellungsmerkmale.

Zukunftsmotto: einfacher, verständlicher und kapitalmarktnäher. „Die AV-Zukunft liegt weniger in Garantien auf Beiträge oder Kapitalerhalt, sondern in der Kombination aus renditestarker Kapitalanlage und professioneller Risikoabsicherung – gerade hier können Lebensversicherer ihren besonderen Mehrwert ausspielen“, so das WTW-Fazit. Borst und Podebrad erinnern an den Handlungsbedarf der Politik: Wenn der Gesetzgeber in der 1. und 3. Säule stärker auf Renditechancen setzt, sollte dies konsequenterweise auch in der bAV möglich sein. Langfristig spreche viel dafür, Garantievorgaben in allen DFW weiter zurückzuführen, um die Chancen der Kapitalmärkte umfassend zu nutzen.
Fußnoten:
1) Bei den Kennzahlen „laufender Beitrag für ein Jahr“ unterscheidet der GDV zwischen dem Neugeschäft (annualisierte Jahresbeiträge der Neuabschlüsse) und dem Bestand (laufende Beiträge des Berichtsjahres einschließlich des Neugeschäfts; dieses hier aber nicht annualisiert, sondern gebucht). Diese beiden Kennzahlen sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.
2) Anm. der Red. am Rande: Die zunächst auf Pensionskassen beschränkte 3.63er-Förderung der Entgeltumwandlung und ihre erst 2005 erfolgte Ausdehnung auf Direktversicherungen zeigen exemplarisch, wie Regulierung über Jahrzehnte wirkende, von Beginn an ineffiziente Marktstrukturen veranlassen kann. Die Gründung zahlreicher zusätzlicher Versorgungseinrichtungen mag damals politisch gewollt oder zumindest in Kauf genommen worden sein; aus heutiger Sicht wirkt sie jedoch wie ein Lehrstück dafür, wie staatliche Eingriffe dauerhaft industriepolitisch unerwünschte Doppelstrukturen schaffen können. Nie vergessen den uralten Kassandra-Aufruf an die Politik: Good Governance ist eine fördernde Industriepolitik, die es für den Staat ganz umsonst gibt.


























