Ist die Rede von CDI, denkt man gemeinhin daran, über Liquidität dann zu verfügen, wenn Rentenzahlungen fällig werden. Doch das ist nur der sichtbare Effekt. Die Wirkung von CDI-Ansätzen geht für Pensionsinvestoren tiefer. Björn Wille über eine „Reiseplanung“, bei der es um die Abkehr von konventionellen Benchmarks, die Entkoppelung von Rentenzahlungen und Märkten, die Vermeidung von Zwangsverkäufen, das Zusammenwirken von LDI-Overlays und die Evolution von LDI und Risikomanagement durch CDI-Integration geht – und darum, den „Funnel of Doubt“ klein zu halten und die Governance zu stärken.
1. Einleitung

Viele Unternehmen haben ihre betriebliche Altersvorsorge durch die Einführung beitragsorientierter Systeme zukunftsträchtig aufgestellt. Entsprechend beschäftigen sie sich mit dem kontrollierten Umgang ihrer Defined-Benefit (DB)-Altzusagen. Das aktuelle Zinsniveau – derzeit notieren die Renditen langlaufender Anleihen mit Investment-Grade (IG)-Qualität um die 4% – bietet ein attraktives Umfeld, um auf der Funding Journey, der „Reiseplanung“, voranzuschreiten.
In der ersten De-Risking-Phase nach dem Zinsanstieg 2022 standen primär Ansätze des Liability Driven Investments (LDI) zur Reduzierung von Bilanzrisiken im Fokus. Als weitere Evolutionsstufe rückt die Integration von Ansätzen des Cashflow Driven Investment (CDI) in den Vordergrund.
Mittels CDI kann sichergestellt werden, dass stets ausreichend Liquidität vorhanden ist, um Renten zu bezahlen bzw. erstatten – ohne umfangreiche Cash-Bestände vorhalten oder Wachstumsanlagen kurzfristig verkaufen zu müssen. Mit Hilfe moderner ALM-Methoden kann quantifiziert werden, wie CDI-Ansätze das Gesamtrisiko reduzieren und/oder die erwartete Rendite erhöhen.
Besonders geeignet ist CDI für reife, gut ausfinanzierte Pläne. Diese weisen idealtypisch eine hohe Allokation in Anleihen auf. Ein CDI-Ansatz richtet die Anleihenallokation jedoch strategisch an der Verpflichtungsstruktur aus anstatt an konventionellen Benchmarks (die nichts mit dem originären Zweck einer Pensionseinrichtung – das Auszahlen zugesagter Leistungen – zu tun haben). Die Einführung von CDI führt daher in der Regel zu einer effizienteren Anleihenallokation unter strategischer Ausnutzung der laufenden Verzinsung – ohne zwangsläufig in die Strategische Asset Allocation eingreifen zu müssen.
2. Vorteile
Reduktion des Zwangsveräußerungsrisikos
Kapitalmarktrenditen sind kurzfristig instabil, wodurch in traditionellen Ansätzen Markt-Timing bei der Entnahme von Rentenzahlungen eine Rolle spielen kann. Der zentrale Vorteil von CDI liegt in der Entkopplung laufender Rentenzahlungen von kurzfristigen Marktbewegungen: Kupons und Fälligkeiten decken die laufenden Rentenzahlungen ab, wodurch in volatilen Marktphasen oder nach einer Aktienmarktkorrektur keine Positionen veräußert werden müssen. CDI reduziert also die Wahrscheinlichkeit, Vermögenswerte zu einem ungünstigen Zeitpunkt zwangsweise veräußern zu müssen.
Klarere Rollenverteilung im Gesamtportfolio
Da kurz- und mittelfristige Liquiditätsbedarfe abgedeckt sind, verlängert sich der Anlagehorizont wachstumsorientierter Anlagen. Hierdurch sinkt das Risiko kurzfristiger Verlustrealisierungen. Die wachstumsorientierten Anlagen können dadurch bewusster Risiken eingehen, um bspw. implizit Inflations- und Langlebigkeitsrisiken abzudecken oder den Ausfinanzierungsgrad weiter zu verbessern.
„CDI ersetzt LDI nicht zwingend, sondern kann komplementär eingesetzt werden.“
Das unten dargestellte Beispiel einer ALM-Analyse eines IFRS-Investors zeigt, wie die Einführung von CDI (anstelle konventioneller Fixed Income-Anlagen) den ‚Funnel of Doubt‘ (Differenz zwischen 5%-Quantil und Median) signifikant reduzieren kann, ohne langfristige Renditeeinbußen hinzunehmen.
Quelle: Fidelity. Grafik zur Volldarstellung anklicken.
Komplementarität zu LDI
Das CDI-Portfolio kann so strukturiert werden, dass es einerseits zu einer Absicherung der Zinsrisiken beiträgt und andererseits als Collateral-Quelle für ein etwaiges LDI-Overlay dient. CDI ersetzt LDI nicht zwingend, sondern kann als komplementärer Baustein eingesetzt werden: CDI adressiert primär Cashflow-Risiken, LDI hingegen Bilanzrisiken.
Governance-Verbesserung
Da die Liquiditätsplanung strategisch in die Portfoliokonstruktion eingebettet wird, sinkt der Bedarf an reaktiven Ad-hoc-Entscheidungen unter Marktstress. Anlageausschüsse können frühzeitig festlegen, wie viele Jahre (und in welchem Umfang) durch sichere Cashflows abgedeckt werden sollen. CDI macht die Kapitalanlagestrategie dadurch planbarer, transparenter und besser steuerbar.
Vorbereitung auf das „Endgame“
CDI kann auch im Hinblick auf das langfristige „Endgame“ eine wichtige Rolle spielen – sei es im kontrollierten Run off oder durch Buy out-Lösungen.
„Es gilt, zwischen Präzision, Sicherheit und Rendite abzuwägen.“
CDI sollte ein zentraler Baustein aller „Endgame“-Optionen sein und schafft eine risikobewusste und flexible Grundlage für die Vorbereitung unterschiedlicher Pfade.
3. Wie wird ein CDI-Portfolio aufgebaut?
Eine wesentliche Entscheidung ist, wie viele Jahre an Rentenzahlungen bzw. -rückerstattungen explizit abgedeckt werden sollen. Eine längere Abdeckung reduziert zwar Zwangsveräußerungsrisiken, bindet jedoch mehr Kapital. Auch die Auswahl des Anlageuniversums beeinflusst den benötigten Anlagebetrag zur Deckung eines bestimmten Liability-Cashflow-Profils.
Bei der Instrumentenauswahl gilt es zwischen Präzision, Sicherheit und Rendite abzuwägen. Je genauer zukünftige Rentenzahlungen abgebildet werden sollen, desto wichtiger sind planbare Kupons und Fälligkeiten. Gleichzeitig ist festzulegen, wie viel Kredit- und Liquiditätsrisiko getragen werden kann.
Den Kern eines CDI-Portfolios bilden IG-Unternehmens- und Staatsanleihen. Staatsanleihen bieten dabei nicht nur hohe Sicherheit, sondern können potenziell als Collateral für ein etwaiges LDI-Overlay dienen. Unternehmensanleihen hingegen bieten Renditeaufschläge und einen (noch) besseren Match zum IFRS-Rechnungszins.
Höher verzinsliche Anlagen wie High Yield oder Emerging Market Debt können die Finanzierungseffizienz (höhere Rendite bedarf weniger initiales Anlagevolumen) erhöhen, gehen aber mit höheren Kredit- und Liquiditätsrisiken einher. Sie eignen sich daher als Beimischung, wenn die Rendite des CDI-Portfolios optimiert werden soll.
Private Debt-Anlagen können dann berücksichtigt werden, wenn ihre Cashflows hinreichend planbar sind. Zwar bieten sie höhere Renditen, schwanken jedoch stärker in der Rückzahlung und limitieren die Flexibilität bei Strategieänderungen.
Das optimale Anlageuniversum leitet sich aus der Gesamtstrategie ab – insb. durch Ausfinanzierungsgrad, Einsatz eines LDI-Overlays und das Liability-Cashflow-Profil. Entsprechend sollte die Strategie im Rahmen einer ganzheitlichen ALM-Analyse erfolgen, die Cashflow- und Bilanzrisiken bei den Projektionen des Ausfinanzierungsgrades gemeinsam betrachtet.
4. Herausforderungen
Prognostizierte Rentenzahlungen sind abhängig von versicherungsmathematischen Annahmen (z.B. Mortalität, Inflation). Je langfristiger die Projektion, desto höher die Wahrscheinlichkeit von Abweichungen. Daher decken CDI-Strategien üblicherweise (nur) zwischen 5 und 20 Jahren ab.
Eine weitere Herausforderung ist das in CDI-Strategien inhärente Kreditrisiko. Daher werden CDI-Portfolios auf einer Buy and Maintain-Basis gemanagt, um Faktoren wie Rating-Migration, Sektor- und Emittentenkonzentration und Ultimativ-Ausfällen aktiv entgegenzuwirken. Dies erfordert fundiertes Credit Research, klare Regeln im Umgang mit Downgrades und eine disziplinierte Diversifikation.
„Eine natürliche Evolution des Risikomanagements.“
Im Rahmen des laufenden ALM- und Risikomonitorings sollte die Allokation zwischen Growth Assets, LDI und CDI regelmäßig gegen die Anlageziele überprüft werden. Hierbei sollten klare Regeln etabliert werden, wie und in welchem Umfang (noch) nicht abgedeckte Rentenzahlungen „aufgefüllt“ werden, zum Beispiel durch vordefinierte Trigger (z.B. in Abhängigkeit des Ausfinanzierungsgrades). Im Ergebnis ergibt sich eine, im Rahmen einer ALM-Studie definierte Reiseplanung, die konsequent umgesetzt und überwacht wird.
5. Fazit
CDI ist für reife, gut ausfinanzierte DB-Pläne eine natürliche Evolution des Risikomanagements: Zwangsveräußerungsrisiken werden reduziert, die Rollenverteilung zwischen verpflichtungs- und wachstumsorientiertem Portfolio wird geschärft, die Governance verbessert und die kosteneffiziente Anschlussfähigkeit an ein späteres „Endgame“ erhöht.
CDI ist nicht einfach eine defensivere Anleihequote, sondern der zielgerichtete Einsatz von Anleihen. Das Anlageuniversum und der „optimale“ Abdeckungshorizont sollten im Rahmen einer ALM-Analyse abgeleitet und laufend überwacht werden, damit Cashflow- und Bilanzrisiken, Ausfinanzierungsgrad sowie Liquiditätsbedarf gemeinsam betrachtet werden.
Kurzum: CDI sollte fester Bestandteil etwaiger De-Risking-Überlegungen sein – in der aktuellen Zinslandschaft ist die Umsetzung so opportun wie selten in den letzten 20 Jahren.
Der Autor ist Senior Consultant Workplace Consulting, Fidelity International.
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Björn Wille
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Herausgeber: FIL Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61462 Kronberg im Taunus.
Stand: Juli 2026. MK17673
Advertorial mit freundlicher Unterstützung von:
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