Unregelmäßig freitags bringt PENSIONS●INDUSTRIES eine kommentierte Presseschau zu bAV. Heute: Alles zu ZWK, every now and then und immer wieder Immobilien, Deutschland auf Platz 30 von 30, und da kann man schonmall etwas nervös werden.
Fidelity (im Juli): „Zeitwertkonten in Deutschland – eine aktuelle Studie – Zahlen, Trends und Potenziale im Überblick.“
Der Asset Manager hat eine umfassende Untersuchung zu Zeitwertkonten (kein eigener DFW, aber irgendwie dann doch zu unserem informellen, über das BetrAVG hinausgehenden Gesamtsektor bAV gehörend) vornehmen lassen. Nur einige Kernergebnisse – die sich mit den Erfahrungen aus der bAV im engeren Sinne matchen:
- Je größer das Unternehmen, desto eher gibt es ZWK.
- Vorreiter Finanzdienstleistung und öffentlicher Sektor.
- Primärer Verwendungszweck Vorruhestand (oft als Reaktion auf steigendes gesetzliches Renteneintrittsalter) sowie Sabbaticals.
- Versicherungslösungen dominieren.
- Hauptgründe gegen ZWK: administrativer Aufwand, Informationsdefizite und Rechtsunsicherheit.
Interessant sein wird zu beobachten, ob der Komplex ZWK (in zahlreichen Großunternehmen wie Lufthansa, Roche oder Tui gern genutzt) von den anstehenden Reformvorhaben zum Altersvorsorgesystem erfasst werden wird oder nicht. Die Erfahrung zeigt jedenfalls, dass zahlreiche Stellschrauben in der Vorsorge, wenn sie gedreht werden, die ZWK-Schrauben mitdrehen; jüngstes Beispiel: Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen.
Merkur (15. Juli): „Krankenkassen verzockt? 127 Millionen gehen bei Anlagefonds verloren.“
Every now and then und immer wieder Immobilien. Zahlreiche Medien hatten auf Basis eines Handelsblatt-Beitrages berichtet: Mehrere gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen in Deutschland haben sich mit Real Estate verzockt.

Wir hatten uns schon daran gewöhnt, Babcock Pensionskasse, Berliner Zahnärzte, BVK – begründet je nach Akteur durch Missmanagement, Pech, gegenläufige Märkte oder auch Compliance-Verstöße, manchmal auch von allem etwas; getrieben durch die Suche der EbAV nach auskömmlicher Rendite, übergeordnet v.a. getriggert durch die jahrelange Zinsmanipulation durch Politik und Notenbanken.
Total Eclipse of the Fund: Das aber auch SGB-IV-Akteure sich hier einreihen müssen, hat schon eine neue Qualität. Abwarten, ob es bei den genannten Namen bleibt. Und wie die nun offenbar angestrengten Prozesse ausgehen.
UBS (30. Juni): „Global Wealth Report 2026: Globale Vermögen stiegen 2025 um über 10%.“
Neue Studie der UBS zum Privatvermögen in den reichen Ländern. Deutschland auf Platz 30 von 30. Vorne CH, US, LUX. Dazu ein paar Worte:
Once upon a time: Die Sache ist nicht neu
Zunächst einmal ist die Sache mit den Mini-Vermögen der Deutschen nicht neu. Das konnte man schon während der Finanzkrise beobachten, die zumindest in Europa fiskalisch vornehmlich mit deutschem Steuergeld bekämpft wurde (ein Muster, das sich während der Pandemie wiederholt hat). Schon damals wurde von der Politik und in den hiesigen Massenmedien landauf, landab das Märchen vom reichen Deutschland runtergebetet, während auf dieser Plattform eine Kröte von diesem Land regelmäßig nur als nahezu faktisch bankrottem Super-Pig sprach – ein Zustand, der in diesen Jahren mit Riesenschritten nun auch für jeden noch so Unbedarften offensichtlich wird; the Sound of our Tears, er wird lauter.
A little bit terrifying: jetzt wird natürlich nichts besser
Ist es also schon seit zig Jahren so, dass die Deutschen mit großem Langmut die hinteren Plätze belegen, muss nicht überraschen, dass in diesen Jahren des industriellen Niedergangs diese Schere weiter aufgeht:
Wenn die Deutschen schon während ihrer zumindest industriell bärenstarken Jahre nicht substantiell Privatvermögen akkumuliert haben, dann muss man kein Einstein sein, um zu verstehen, dass sie es in einer Phase, in der sich das Land zu einem Industriemuseum entwickelt, erst recht nicht tun.
Beyond Private Wealth
Und man beachte: Es geht nicht längst um die Privatvermögen allein. Denn deren kümmerliche Entwicklung harmoniert gegenwärtig mit teils zusammenbruchartigen Negativentwicklungen v.a. der Sozialsysteme, der Kommunen, und spätestens mit dem Amtsantritt von Friedrich Merz und dem Auflösen der Schuldenbremse und den zahllosen Wumms-Sondervermögen auch mit dem der ohnehin minimalen fiskalischen Rest-Stabilität des Landes. Von öffentlichen Pensionsvermögen oder gigantischen Staatsfonds, wie es in anderen Ländern gibt (nur bekanntestes Beispiel Norwegen, aber auch die USA), braucht man in diesem Land erst gar nicht zu reden.

So gesellen sich zu den Mini-Privatvermögen noch Mini-Renten und im Gegenzug Rekordsteuern- und abgaben und Rekordrenteneintrittsalter. Every now and then kann man hier schonmal ein bisschen nervös werden.
Same in Pensions
Und die betrieblichen Pensionsvermögen, also unser Parkett? Hier sieht es nicht viel besser aus. Unter Einbezug der berufsständischen Versorgungswerke (wenn auch amtlich zur ersten Säule gehörend) kann für alles, was man unter dem Stichwort „betriebliche Altersversorgung“ subsumieren will, ganz grob maximal 1 Bio. Euro kumulieren. Eine stattliche Summe, doch für eine (Möchtegern-)Industrienation mit 85 Mio. Einwohner geradezu lächerlich. Jeder per-Capita-Blick nach UK, Niederlande, Schweden, Dänemark etc. belegt das direkt eindrucksvoll.
To the End of the Line: Das Ende der Industrielok …
Nun kann man nach den Gründen fragen. Die Pathogenese dieser Entwicklung ist leicht gefunden, doch vielschichtig: schlechte Governance, dümmliche-naive Industriepolitik, viel zu hohe Steuerlast, Missmanagement als regelrechterVolkssport in Politik und Wirtschaft, das kümmerliche Dasein als zurückgebliebene Nation des Asset Ownership und ja, natürlich auch die völlig falsche und namentlich in der Altersvorsorge von Garantien nach oben, unten, links, rechts, vorne und hinten zersetzte Investmentkultur, die Liste ließe sich fortsetzen.
All das war genau solange kein Problem, solange die Industrielokomotive Deutschlands unter Volldampf nach vorn marschierte (und klaglos ganz Europa mitzog).
… und der bärenstarken Jahre
Doch die Zeiten des industriellen Powerhouses Deutschland – und damit the best of all Years – sind bekanntlich vorbei. Dass Deutschland das digital-elektronische Zeitalter (geprägt von Gründerkultur und Eigenkapitalfinanzierung) zu verschlafen begann, konnte, wer Augen im Kopf hatte, schon in den 90er Jahren sehen, ungeachtet des ständigen Rankings als Exportweltmeister. Selbstkritik gab es keine damals, ‚cause we’ll never be wrong.
Im Internet-Zeitalter wurde der Rückstand dann schnell größer, und nun, wo wir bei KI, Robotik und Quantencomputer angekommen sind, ist Deutschland nur noch sprachloser Zuschauer.
Once upon a time, there was light in our Land …
Deutschland war über Jahrzehnte industriell ein bärenstarkes Land – und auf fast allen anderen wichtigen Feldern schwach und zurückgeblieben. Dieser traurige Spagat ging lange Zeit gut.
Jetzt, wo unsere industrielle Stärke verpufft, fällt die Fassade des reichen Deutschlands regelrecht in sich zusammen. Und Sie wissen schon längst, was nun folgt: All das passiert nicht im luftleeren Raum, sondern punktgenau am Vorabend des demographischen Zusammenbruchs.
… but now we’re only falling apart
Und werden Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das Ruder rumreißen können? Nein, denn es gilt auch hier ein bekanntes kassandrisches Axiom: Nur weil sich etwas ändern muss, heißt das noch lange nicht, dass sich auch etwas ändern wird.
There’s nothing we can do
Was tun also? Kassandra hat eine einfache Antwort: gar nichts. Außer einfach zu akzeptieren: Das hier sind die letzten Jahre der guten Zeiten. In Kürze beginnen die schlechten. Beide fallen nicht vom Himmel. Sondern wie die guten hat sich das Land auch die schlechten redlich verdient. Forever’s gonna start tonight.
RIP: Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück, ausdrücklich als Würdigung gedacht, findet sich hier:



















