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Die deutschen Stakeholder zur Alterssicherungskommission (VI):

Von keinem Kollateralschaden und keinem einzigen Weg …

… von essenziellen Bestandteilen, wo wer der Gewinner sein könnte, wer nicht auf dem Abstellgleis steht, wo weniger Gefahr droht und wer stramm voranschreitet: Das System der deutschen Altersvorsorge war, ist und bleibt im Reformmodus. Vor allem die kommenden Monate sollen Angaben der Politik zufolge turbulent werden. Anlass genug, sich bei denjenigen umzuhören, die es angeht. Die PI-Redaktion hat dies getan. Heute Teil VI: die Asset Manager.

Die Politik profiliert sich derzeit bekanntlich mit den Bekräftigungen, die Vorschläge der ASK in ihrer Gesamtheit bis zum Jahresende umsetzen zu wollen. Das kann man mit Fug und Recht ambitioniert finden, um es höflich auszudrücken (und die Skepsis, welche die PI-Redaktion, v.a. die Kröte, an den vollmundigen Ankündigungen der Politik zur Gesamtumsetzung von Beginn an hegte, beginnt sich nun – lustigerweise von CDU-Seite – bekanntlich schon zu realisieren, Aber das ist eine andere Geschichte).

Gleichwohl: Angesichts der zahllosen technischen, finanziellen, politischen, rechtlichen und gesetzgeberischen Herausforderungen müssen außerdem die Stakeholder fachlich eingebunden werden. Und einen ersten Schritt dazu hat PENSIONSINDUSTRIES mit dieser kurzen Umfrage unternommen, nämlich einige grundsätzliche Positionen zahlreicher Stakeholder in komprimierter Form einzuholen. Nach Teil I (die Verbände) und Teil II (Arbeitgeber und EbAV zum ersten) sowie Teil III (die Assekuranz) und Teil IV (Consultants und Legal) sowie Teil V (Arbeitgeber und EbAV zum zweiten) heute der VI. und letzte Teil: die Asset Manager.

Anm.d.Red., Abk. zur schnelleren Lesbarkeit (über bAV, pAV, gRV etc. hinaus):
Alterssicherungskommission = ASK
Nettoersatzquote = NEQ
Sozialpartnermodell = SPM
reine Beitragszusage = rBZ
Durchführungswege = DFW
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter = MA
Altersvorsorgedepot = AV-Depot
und mehr…

Die PI-Redaktion hat gefragt:

Wie beurteilen Sie die Vorschläge im Allgemeinen und mit Blick auf die bAV im Speziellen (Pros und Cons)?“

Sehen Sie die Gefahr, dass ausgerechnet die bAV durch die laufenden und kommenden Reform-Bemühungen am Ende des Tages als Verlierer dastehen könnte?“

Und Sie haben geantwortet:

„Die Vorschläge der Kommission sind insgesamt ein positives Signal, weil sie Kapitaldeckung stärken und der bAV erstmals mehrere konkrete Wachstumsimpulse geben – von Opt-out-Modellen bis hin zu einem möglichen Obligatorium. Entscheidend wird aber sein, dass die bAV nicht in langwierigen Abstimmungsprozessen stecken bleibt, sondern durch verbindliche Reformen tatsächlich breiter in die Fläche kommt.

Die bAV kann zu den größten Gewinnern gehören.“

Wir sehen die bAV nicht als Verlierer der Reformdebatte – im Gegenteil: Wenn die Vorschläge konsequent umgesetzt werden, kann sie zu den größten Gewinnern gehören.

Christof Quiring, Fidelity.

Die eigentliche Gefahr wäre, die 2. Säule im Zuge neuer Vorsorgemodelle nicht entschlossen genug auszubauen und damit ihre enorme Reichweite über die Arbeitgeber ungenutzt zu lassen.“

Christof Quiring
Leiter Workplace Investing
Fidelity International

 

„Der übergreifende Blick auf alle drei Säulen der Alterssicherung in Deutschland und der stärkere Fokus auf Kapitaldeckung sind sehr zu begrüßen. Neue Möglichkeiten, wie das AV-Depot, könnten aber insb. die versicherungsförmigen Durchführungswege der bAV verdrängen, ohne die Ersparnisbildung insgesamt zu erhöhen.

Weniger Gefahr sehen wir bei der Direktzusage.“

Weniger Gefahr sehen wir bei der Direktzusage, die mit einem höheren Dotierungsrahmen und sehr flexiblen Gestaltungsoptionen weiterhin attraktiv bleibt. Eine bAV wird sich vor allem da weiterhin durchsetzen, wo der Fokus auf Renditeorientierung, Kostenvorteile durch größere Kollektive sowie spürbare Arbeitgeberbeiträge liegt.

Michael Wiese und Sven Ebert, beide Flossbach von Storch.

Jedenfalls: Entscheidend bei der Einführung der neuen geförderten Altersvorsorge ist, dass auch künftig ein fairer Wettbewerb zwischen privaten und staatlich initiierten Vorsorgeangeboten gewährleistet bleibt. Es gilt, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und für gleiche Rahmenbedingungen zu sorgen, damit sich langfristig die besten Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger durchsetzen können.“

Sven Ebert
Senior Research Analyst

und
Michael Wiese
Direktor bAV
Flossbach von Storch

 

Martina Régnier, DWS.

„Dass die ASK mehr Kapitaldeckung und eine professionelle Kapitalanlage ausdrücklich adressiert, ist der richtige Hebel. Hier entscheidet sich langfristig, ob die angestrebte NEQ von mindestens 70% erreicht werden kann, nicht bei der Umlage. Eine professionell gemanagte bAV ist deshalb essenzieller Bestandteil innerhalb der Drei-Säulen-Systematik. Der Sozialpartnerdialog kann dafür wichtige Impulse liefern. Er darf aber nicht der einzige Weg sein.

Eine Verbreitung der bAV kann vor allem dann gelingen, wenn auch eine Weiterentwicklung in Richtung BOLZ-naher Modelle erfolgt. Mehr Anlagefreiheit als bei klassischen Garantiezusagen, aber ohne dabei komplett auf eine Absicherung zu verzichten. Auch das Garantieniveau innerhalb der BOLZ sollte dabei überprüft und angepasst werden, um mehr Renditepotenzial zu ermöglichen.

Der Sozialpartnerdialog darf nicht der einzige Weg sein.“

Die Debatte sollte über das SPM hinausgehen. Einfache, skalierbare und kapitalmarktorientierte bAV-Modelle sollten für alle DFW mitgedacht werden. Gerade für KMU, nicht tarifgebundene Arbeitgeber und heute unterversorgte Beschäftigtengruppen macht das den Unterschied.“

Martina Régnier
Team Lead Pension Solutions
DWS

„Zuallererst: Die aktuelle Reformdebatte ist ein wichtiger Schritt, um die drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland zukunftsfest aufzustellen. Die ASK-Vorschläge enthalten wichtige Impulse, um die Altersvorsorge stärker kapitalmarktorientiert und langfristig tragfähig aufzustellen.

Die bAV darf nicht zum Kollateralschaden einer einseitigen gRV-Fokussierung werden.“

Aus Sicht der bAV ist positiv zu bewerten, dass die Bedeutung kapitalgedeckter Vorsorge gestärkt und die Notwendigkeit zusätzlicher betrieblicher und privater Vorsorge anerkannt wird. Die bAV darf dabei jedoch nicht zum Kollateralschaden einer einseitigen Fokussierung auf die gRV werden. Im Gegenteil: Sie sollte im Zentrum der Reformbemühungen stehen, da sie ein erhebliches Potenzial zur Schließung zukünftiger Versorgungslücken bietet.

Albrecht Bassewitz, Invesco.

Entscheidend wird sein, die bAV konsequent zu vereinfachen, ihre Verbreitung zu erhöhen und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Vorsorgeformen zu stärken. Andere Länder machen es vor. UK als auch die Niederlande dienen als Zielbild und schreiten im enormen Tempo voran. Nur wenn gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge ausgewogen weiterentwickelt werden, kann die Altersvorsorge langfristig nachhaltig und generationengerecht ausgestaltet werden.“

Albrecht Bassewitz
Head of Institutional Clients
Invesco Deutschland

Michael Kreibich, Berenberg.

„Die Einführung einer kapitalgedeckten Komponente in der gRV ist ein längst überfälliger und richtiger Paradigmenwechsel, der allerdings nur als erster Einstieg in eine langfristig tragfähige Reformierung verstanden werden darf. Um die Herausforderungen des demografischen Wandels nachhaltig zu bewältigen, müssen zwingend weitere Schritte zur Stärkung der kapitalgedeckten Säulen folgen.

Ein bewährtes Instrument, das der Staat allein nicht ersetzen kann.“

Die bAV steht dabei aus unserer Sicht keineswegs auf dem Abstellgleis, sondern bleibt ein fundamentaler, unverzichtbarer Pfeiler der Gesamtarchitektur.

Im Hinblick auf die neue Kapitalmarktaffinität der Politik sollte die bAV gerade jetzt als renditestarkes, flexibles und vor allem bewährtes Instrument positioniert werden, das der Staat allein nicht ersetzen kann. Dafür ist es wichtig, dass sie kontinuierlich modernisiert und als komplementärer Erfolgsfaktor neben der gesetzlichen Basisrente etabliert wird.“

Michael Kreibich
Head of Investment Consulting
Berenberg

Harald Klug, BlackRock.

Die Vorschläge der ASK setzen wichtige Impulse, um die Altersvorsorge in Deutschland angesichts des demographischen Wandels breiter aufzustellen und stärker auf langfristigen Kapitalaufbau auszurichten.

Die bAV sollte als bewährter Baustein mit erheblichem Ausbaupotenzial verstanden werden.“

Entscheidend wird nun sein, die verschiedenen Vorsorgesäulen sinnvoll miteinander zu verzahnen und ihre jeweiligen Stärken zu nutzen.

Die betriebliche Altersversorgung sollte dabei nicht als Konkurrenz zu neuen Reformelementen verstanden werden, sondern als bewährter Baustein mit erheblichem Ausbaupotenzial. Durch die Kombination von Arbeitgeberbeiträgen, kollektiven Strukturen und professioneller Kapitalanlage kann sie einen wichtigen Beitrag zu höheren Alterseinkommen leisten. Die bAV sollte deshalb nicht zu den Verlierern der Reformdebatte gehören, sondern zu ihren Gewinnern werden.“

Harald Klug
Leiter Institutionelles Geschäft DACH
BlackRock

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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