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Planvermögen, Dotierungen, Verpflichtungen und Rechnungszins im DAX Ende 2025 (III):

The Pension Times, they are a-changin’

Von adidas bis Zalando: Der Zins steigt, die Versorgungswerke im DAX steigern automatisch ihren Ausfinanzierungsgrad und entlasten ihre Mutterkonzerne bilanziell erheblich. Professionell gemanagt wirken sie ohnehin nach wie vor. Soweit so gut, doch es lassen sich weitere strategische Veränderungen antizipieren – die Hand in Hand mit den Entwicklungen im Lande gehen. Die Zeiten ändern sich.

Mercer legt eine grobe Analyse stets gleich zu Jahresanfang vor, dann folgt WTW mit seinem Modell, und nun hat gestern auch Aon seine Analyse des DAX-40 präsentiert. Die Kernergebnisse weisen naturgemäß analoge Größenordnungen zu den beiden anderen Auswertungen aus. En Detail ermittelt Aon für Stand Ende ‘25 (vier Konzerne mit abweichendem GJ 30. September) gem. IFRS:

  • DBO: 296 Mrd. Euro (VJ 325 Mrd., d.h. -29 Mrd. = -9%.

  • Durchschnittlicher Rechnungszins: 4,11% (VJ 3,44%)

  • Bandbreite: von 3,85 (MTU) bis 4,60% (Coba).

  • Rententrend: durchschnittlich 2,06 % (1,8-2,3%)

  • Plan Assets: ca. 264 Mrd. Euro (VJ ca. 259 Mrd., d.h. -2%).

  • Return in Plan Assets: 3,5 % (VJ 4,9 %).

  • Dotierungen: ca. 4 Mrd. Euro (VJ ca. 6 Mrd.).

  • Funding Ratio: 98% (VJ 81%). Jeder vierte Konzern bei 100%.

  • DB-Anteil: 16%.

  • Duration, durchschnittliche Restlaufzeit der DBO: 9-18 Jahre.

Es ist vornehmlich der steigende Rechnungszins, der hier die DBO sinken und die Funding Ratio steigen ließ und so die DAX-Bilanzen deutlich entlastet hat. Und: Seit Jahresbeginn 2026 ist der Rechnungszins erneut rund 25 BP angestiegen. Das verspricht Stand heute bilanziell weitere Milliarden-Entlastungen.

Quelle: Aon. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Laut Aon-Sensitivitätsanalyse führen Zinsanpassungen um 50 BP zu einem gegenläufigen Effekt auf die DBO um ca. 5%. Die gleichen Anpassungen würden beim Rententrend zu einem Effekt von ca. 3% und beim Gehaltstrend von ca. 0,3% führen. Variiert man die Lebenserwartung um ein Jahr, so würde die Pensionsverpflichtung um ca. 2% sinken oder steigen, so Aon.

Spitzenreiter

  • DBO: VW (42,6 Mrd. Euro, 43,1% der MarketCap), Siemens (26,8 Mrd. Euro), Allianz (21,6), Mercedes (20).

  • Plan Assets: Siemens (27,4 Mrd. Euro), Mercedes (22,8), BASF (20,3), VW (20).

  • Return on Plan Assets: Deutsche Telekom (12,4%), VW (9,4), RWE (6,9), Deutsche Börse (6,7).

  • Funding Ratio: Coba (121%), Mercedes (113), Deutsche Bank (108%), BASF 107).

  • DBL zu EK: Conti (20,8%), Gea (20,6), MTU (15,3), Symrise (12,5).

Quelle: Aon. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Wenig überraschend die Banken nach wie vor vorne und stabil defensiv. Geldhäuser sind bekanntlich immer äußerst sensibel mit ihren dünnen Eigenkapital (das bei DBL-Anstieg über das OCI direkt angegriffen wird).

Time waits for no DAX-one

Wie sollte es anders sein, auch im DAX wirkt die Demographie. Zunehmend erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer das Rentenalter. So ermittelt Aon für 2025 im DAX insgesamt knapp 16 Mrd. Euro an gezahlten Renten und sonstigen bAV-Leistungenund rechnet aufgrund des vermehrten Renteneintritts der Babyboomer für 2026 mit einem weiteren Anstieg.

Quelle: Aon. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Der Dienstzeitaufwand für die Aktiven lag 2025 bei rund 5,5 Mrd. Euro, gegenüber dem VJ ein Rückgang um rund 0,4 Mrd. Euro. Inwieweit dieser neben dem Anstieg des Zinsniveaus auch in einem Rückgang der Zahl der Begünstigten oder dem des Leistungsniveaus begründet ist, lässt sich aus den veröffentlichten Informationen nicht unmittelbar ableiten, so Aon.

Veränderungen, Medaillen, Kehrseiten

Mit Hochtief ist ein neuer Konzern im DAX vertreten, der DBO von knapp 600 Mio. Euro ausweist, die durch Plan Assets von 367 Mio. Euro teilgedeckt sind. Aus dem DAX ausgeschieden ist die Porsche SE mit vergleichsweise geringer DBO von 32 Mio. Euro.

Quelle: Aon. Grafik zur Volldarstellung anklicken.
Christoph Tellmann, Aon.

„Sollte sich das Zinsniveau bis Jahresende auf hohem Niveau stabilisieren oder sogar weiter steigen, werden wir weitere DAX-Konzerne mit vollständig ausfinanzierten Pensionsverpflichtungen sehen“, prognostiziert Christoph Tellmann, Senior Consultant bei Aon Wealth Solutions Germany.

Keine Medaille ohne Kehrseite: Teil der Wahrheit ist natürlich auch, so sei ergänzt, dass mit dem steigenden Zins die von 2012-2022 bestehende Option der Konzerne, sich am Kapitalmarkt spottbillig zu finanzieren – um damit bspw. ihre Versorgungswerke zu funden, vorbei ist. Vermutlich für länger.

Fazit von PENSIONS INDUSTRIES

Auch wenn an dieser Stelle schon oft geschrieben, sei es gerne wiederholt: gut zu sehen, dass bei den großen Konzernen im Lande, ungeachtet aller Schwierigkeiten im Kerngeschäft, die Versorgungswerke nach wie vor einen äußerst professionell gemanagten Eindruck machen. Das gilt ungeachtet der Tatsache, dass die jetzt sichtbaren Entlastungen vor allem bilanziell wirken und externen Faktoren (Zins) geschuldet sind.

Die Erwartung von Aon, dass bei weiter steigenden Zins die Zahl der vollständig ausfinanzierten Versorgungswerke zunehmen dürfte, sollte stimmen. Man mag eine weitere Prognose ergänzen: In Deutschland pressiert nicht nur die Demographie, sondern auch die hausgemachte De-Industrialisierung läuft auf ungekannten Hochtouren, Drehzahl weiter steigend. Im Tagesrhythmus poppen mittlerweile Meldungen von Konzernen auf, die vier- bis fünfstellig rausschmeißen, zumindest aber Arbeitsplätze abbauen, die nicht nachbesetzt werden – und das zu einer Zeit, in der die KI noch nicht mal angefangen hat, in der deutschen Wirtschaft richtig aufzuräumen. Das kommt erst noch.

Das bedeutet – nicht nur für die bAV – dass sich das Zeitalter des Fachkräftemangels in Deutschland sehr schnell dem Ende zuneigt. So wenig es für einen deutschen Außenminister angesagt sein sollte, in Ländern wie Marokko oder Brasilien Fachkräfte-Abkommen zu unterschreiben, so wenig sollte man in der bAV-Kommunikation auf unserem Parkett an dem schon seit Jahren leicht antiquiert wirkenden Terminus „War for Talents“ weiter festhalten. Dessen Zeit ist lange abgelaufen.

Vielmehr brechen auch in der bAV andere Zeiten an: Das, was partiell heute sichtbar ist, wird schon in wenigen Jahren absolut flächendeckend sein: schrumpfende Versorgungswerke über alle Durchführungswege.

Es kommt viel Arbeit zu auf die deutschen Experten des LDI und des De-Riskings. Die Zeiten ändern sich. And You better start swimmin’.

Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier:

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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