Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen


Die Fronleichnams-Presseschau zur bAV:

Kassandra und Deutschlands Eurovision-Moment in New York

Unregelmäßig freitags bringt PENSIONSINDUSTRIES eine kommentierte Presseschau zu bAV. Heute zum Brückentag: Die DiGiRü tritt auf der Stelle, PE-Ärger in der Schweiz, wer alles Kassandras Nomenklatur nutzt, der ewige Ranschmeißer mit dem immer dünneren Scheckbuch, viele Deutsche sterben, viele Deutsche gehen, viele werden neue Deutsche, doch wer will es den 300.000 verdenken?

GDV (21. Mai): „Digitale Rentenübersicht: Herausforderungen für eine bessere Verbreitung.“

Lange nichts gehört von der DiGiRü, die am 30. Juni drei wird. Der GDV gibt auf Basis eines Vortrages von DiGiRü-DRV-Chefin Imke Petersen ein ernüchterndes Update: In D 58,8 Mio. Menschen mit Anwartschaften, DiGiRü-Nutzer davon nur ca. 363.000.

Was tun? Vorschläge drehen sich – unter Verweis auf das in der Vorsorge meist erfolgreichere Ausland – v.a. um einfacheren Zugang (derzeit noch Online-Ausweisfunktion mit PIN nötig) sowie um erweiterte Funktionen hin zu einem „Rentenlabor“ mit Rechnern zu Analyse von Inflationswirkung, Einmaleinzahlungen, Prognosen, Szenarien, Visualisierungen bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen.

Alles richtig, aber eines muss klar sein: Die schönste DiGiRü nützt den Menschen nichts, wenn das zugrundeliegende System eines ohnehin reformunfähigen Landes entweder marode (1. Säule) oder zu wenig verbreitet (2. und 3. Säule) ist. Und wenn die Menschen künftig berechnen können, wie sich ihre gesetzliche Rente inflationsbereinigt entwickeln wird, hört man ihre Begeisterung schon heute.

Sie hier wissen es alle: Die deutsche DiGiRü ist erst komplett, wenn sie auch die kommende vierte Säule der deutschen Altersvorsorge abbilden kann: das Flaschenpfand.

ALTERNATIVESINDUSTRIES (5. Juni): „Partners Group – PE-Schockwellen aus Zug: Spiel mir das Lied von den Redemptions.“

Im Segment Private Equity ist dieser Tage ein Krisenphänomen aufgetaucht, das auch Pensionsinvestoren im Auge behalten sollten. Die Problematik ist auf den Private Markets schon länger bekannt, dies jedoch bis dato nur im Segment Private Debt. Die neue Entwicklung hat sogar die Aktienmärkte geschockt. Mehr dazu heute auf der AISchwesterplattform.

Merkur (2. Juni): „So viele Deutsche wie nie wandern aus – Deutschland verliert Menschen, die es braucht.“

Sie wissen es: Die Sache mit dem o.a. Flaschenpfand ist nur halb ironisch gemeint, dafür sorgt schon die hier bestens bekannte Multi-Problemlage des Landes mit mathematischer Sicherheit. Und das nicht im luftleeren Raum: Kassandra redet ja hier seit 2014 permanent vom „Vorabend des demographischen Zusammenbruchs Deutschlands“, und hier geht die schon oft dargelegte Entwicklung ungehemmt weiter:

Während die Sterbeüberschüsse in der Nähe ihres ATH liegen, die Fertilität im historischen Keller verbleibt, erklimmt auch die Auswanderung von (sicher zu weiten Teilen jungen) Deutschen ständig neue Höhen. Während die Nettozuwanderung wie seit über 10 Jahren weiter stark positiv ist, wandern mittlerweile fast 300.000 Deutsche jedes Jahr aus – sagenhafte Zahlen, aber wer will es ihnen verdenken?!


Wer mag, kann sich mit der nicht minder sagenhaften Einbürgerungsdynamik trösten: Wenn also fast 300K Deutsche das Land jedes Jahr verlassen, werden umso mehr Ausländer gleichzeitig eingebürgert; 2025 waren es satte 332.000 Menschen, v.a. Syrer, Russen und Türken. Auch hier: sagenhafte Zahlen, aber wer will es ihnen verdenken?!

Sehe man das alles positiv, sehe man das alles kritisch – für Deutschland gilt jedenfalls nach wie vor das eiserne Göring-Eckardt‘sche Gesetz von 2015:

Dieses Land wird sich drastisch ändern. Und ich sage euch, ich freue mich darauf!“

Die Welt (8. April): „Katharina Reiche: ‘Unsere Industrie blutet aus. Die De-Industrialisierung beschleunigt sich‘.“

Apropos Multi-Problemlage Deutschlands – hier für alle, die Kassandra zuviel Miesmacherei vorwerfen: Immerhin hat nun auch die deutsche Wirtschaftsministerin das ebenfalls alte kassandrische Wort von der „De-Industriealisierung“ (hier erstmals für dieses Land benutzt im Sommer 2023) selbst ausgesprochen und damit amtlich gemacht. Also: Wenn Sie Kassandra nie geglaubt haben, dann glauben Sie jetzt ihr. Besser spät als nie.

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

Die Welt (15. Mai): „Hilfe, die Demokratie hat abgestimmt!“

Brandmauer zum ersten, Zitat aus dem Welt-Beitrag: „Vielleicht ist die Brandmauer auch eher eine semipermeable Membran?“

Wie bitte? Die Brandmauer eine semipermeable Membran, schreibt Die Welt? Auch das ist doch Kassandras typische Nomenklatur, und das schon nger. Hat da etwa jemand abgeschrieben? Eher nicht. Vielmehr ist Kassandra vermutlich nicht die einzige, die damals im Biologieunterricht aufgepasst hat – und dies Wissen auf die politische Realität dieses Landes anwendet.

Der Spiegel (23. Mai): „Brandmauer: Ex-Ministerpräsident Albig empfiehlt SPD Zusammenarbeit mit AfD.“

Brandmauer zum zweiten: Der ehemalige Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident (und heutige Tabak-Lobbyist) Torsten Albig hat seiner SPD geraten, über Kooperationen mit der AfD nachzudenken. Abgesehen davon, dass auch für Albig gilt, dass im Ruhestand alle mutig werden, kann Kassandra nur betonen, dass sie solche Gedankenspiele für völlig realitätsfern, ja für regelrecht irreal hält.

Warum? Es ist hier ja schon mehrfach, jüngst erst erneut dargelegt worden:

Erstens ist selbst für die Union ein Einreißen der Brandmauer heute faktisch nicht mehr möglich. Die Union hat sich dem strikt verweigert, als sie noch größere der beiden Parteien war – wie soll sie denn dann jetzt, wo sie nur noch die kleinere der beiden Parteien ist, mit der AfD kooperieren oder gar koalieren? Als ihr Juniorpartner? Ausgeschlossen. Eher geht sie unter. Noch mehr gilt für die SPD: Es gibt dort niemanden von Relevanz, der solche Kooperationen auch nur diskutieren würde.

Albig, hätten Sie mal besser geschwiegen.“

Und zweitens und noch wichtiger: Die AfD-Wählerschaft besteht maßgeblich aus konvertierten Ex-Unions ( und -SPD)-Wählern. Diese würden es „ihrer“ AfD aber nicht verzeihen, würde diese nun mit Union oder gar SPD koalieren. Die AfD-Spitze dürfte schlau genug sein, diesen Fehltritt zu vermeiden. Dass die SPD auf dem besten Weg ist, in die Einstelligkeit abzurutschen, ihre strategische Tiefe einzubüßen und zur nur noch dritten Kraft im linken Lager zu werden, tritt hinzu. Was sollte die AfD reiten, die SPD auf diesem ihrem finalen Weg zu stören? Aus Sicht der Blauen gehen die Dinge ihren Gang.

Also, Albig, hätten Sie mal besser geschwiegen, als etwas in die Welt zu setzen, das mit der politischen Realität in diesem Land soviel zu tun hat wie Holstein Kiel mit der Champions League.

Es bleibt dabei: Der Zug in Sachen Einreißen der Brandmauer ist abgefahren. Union, SPD und & Co. können es nicht mehr, die AfD will es nicht mehr. Das heißt: Dieses Land ist polarisiert zwischen der „Weiter-so-Fraktion“ und dem „Wende-Lager“, und diese Polarisierung wird sich weiter vertiefen. Der Union als größter der Weiter-so-Parteien kommt dabei die Aufgabe zu, ständig buntere Koalitionen bilden zu müssen, die einzig und allein durch die Gegnerschaft zur AfD zusammengehalten werden. Über kurz oder lang wird das auch die Linkspartei einschließen.

Welches der beiden verfeindeten Lager sich am Ende durchsetzt, wird man sehen. Gut für dieses Land ist eine solche Spaltung aber nicht. Allein: Darauf kommt es auch nicht mehr an.

Tagesschau (3. Juni): „Reaktionen auf gescheiterte UN-Bewerbung: ‚Blamabel‘, ‚herbe Niederlage‘, ‚Schlappe für Merz‘.“

Sehen wir das alles nicht so trist. Immerhin haben wir eine der besten Bundesregierung seit Jahrzehnten“ (O-Ton-Merz, kein Scherz!). Und diese Bundesregierung hat soeben mal wieder ihre besondere Professionalität unter Beweis gestellt, diesmal vor den Augen der ganzen Welt.

Nun, verwundern muss das alles nicht. Man erinnere sich, dass Kassandra unserem hochverehrten Außenminister schon bescheinigt hatte, über besondere Intellektuelle Fähigkeiten zu verfügen, als dieser in der norddeutschen Provinz weit vom Auswärtigen Amt entfernt war und man nicht mal seinen Namen kannte. Und ausgerechnet eben diesem so Geadelten hat man dann ausgerechnet dieses Amt anvertraut. Da soll sich wirklich niemand wundern. Jüngst erst hat er in Marokko erst wieder ernsthafte Fragwürdigkeit an den Tag gelegt.

Johann Wadephul. Foto: Tobias Koch.

Mit Wadepuhl, v.a. im Gespann mit dem hier auf dieser Plattform ebenfalls nicht gerade als Einstein gehandelten Friedrich Merz, hat Deutschland jedenfalls einen echten Meilenstein am Start. Apropos Merz: Dass der Respekt, den er auf internationalem Parkett genießt, überschaubar ist, hat jüngst erst ein Gast aus Syrien sogar vor Ort in Berlin vor aller Augen klargestellt.

Der Eurovision-Moment der deutschen Außenpolitik.“

So ist das nun mal, wenn sich ein Land seit Jahrzehnten darauf fokussiert hat, in der internationalen Politik die Rolle des leicht schleimigen Ranschmeißers zu übernehmen, der nichts hat als (ein jetzt schnell dünner werdendes) Scheckbuch: Meistens schneidet man ihn, wenn er zahlt, duldet man ihn, aber ernst nimmt ihn keiner, von Sympathie ganz zu schweigen. 

Oder wie es Hans Scherhaufer, der Hausfotograf von PENSIONSINDUSTRIES gestern im Gespräch mit Kassandra zu dem erbärmlichen Scheitern in New York formulierte: „der Eurovision-Moment der deutschen Außenpolitik.“

Aber es gibt Hoffnung. Deutschland konnte sich schon jetzt bei der Wahl zur neuen Präsidentin der UN-Vollversammlung durchsetzen:

Kassandra ergreift das Wort in New York.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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