Wenn der Zins so stramm zulegt wie derzeit, steigt an den Märkten langsam, aber sicher die Nervosität. Für weitere Entspannung sorgt er dagegen in den Pension-Schemes von Deutschlands Großkonzernen. Wenn dann auch noch deren Asset Manager ganze Arbeit geleistet haben, steigt die Funding Ratio zur Jahresmitte auf ein neues ATH.
Just erst hat Aon als Dritter im Bunde seine Analyse der DAX-Pensionswerke 2025 vorgelegt, schon gibt es die erste Auswertung der Schemes im DAX zum Ende des HJ1 2026, und zwar von WTW mittels deren Modellrechnung German Pension Finance Watch; Kernergebnisse im Vergleich zum Ende 2025:
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Rechnungszins: 4,20% (+10BP).
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DBO: 291,6 Mrd. Euro (-1%).
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Plan Assets: 264,9 Mrd. Euro (+3,5%).
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Funding Ratio 90,8%, ATH (87%).
Auch zum MDAX legt WTW HJ1-Zahlen vor:
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DBO 64,4 Mrd. Euro.
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Plan Assets: 47,1 Mrd. Euro (+4,7%).
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Funding Ratio 73,2% (69,6%).
Außer Rand und Band
Das Gesamtergebnis ist nicht nur wegen des ATH bei dem Grad der Ausfinanzierung bemerkenswert. Denn bekanntlich verlief das HJ1 an den Kapitalmärkten alles andere als ruhig, und dass Zinsen und Planvermögen im Gleichschritt steigen, ist auch keine Selbstverständlichkeit.
Ende Februar begann Trump den bis heute andauernden Iran-Krieg, die Energiepreise gerieten außer Rand und Band, und die damit einhergehenden Inflationssorgen hinderten die Notenbanken an jeder Zinssenkung; im Gegenteil sah sich die EZB im Juni genötigt, den Leitzins um 25 BP anzuheben. Trotz hoher Vola erwiesen sich die Kapitalmärkte insgesamt als widerstandsfähig.
Entsprechend scheinen die Asset Manager der Corporates ganze Arbeit geleistet zu haben (gut, möglicherweise gab es auch Dotierungen), jedenfalls konnten offenbar die Planvermögen trotz steigenden Zinsen zulegen. Während also die immer höheren Renditen an den Bond-Märkten, gerade bei den US-J-UK-GER-Sovereigns, langsam, aber sicher allen Marktteilnehmer zunehmend Sorge bereiten, gibt es wenigstens einen Aspekt, wo sie für Entspannung gesorgt haben: in den Bilanzen der bAV-anbieten Arbeitgeber rund um den Planeten, einschließlich Deutschland. Entsprechend also deutsche Funding Ratio auf ATH.
Strategische Wegmarke schafft Optionen

„Der Durchbruch der 90-Prozent-Marke ist mehr als ein statistischer Rekord“, schreibt WTW. Sondern er markiere für viele Unternehmen den Übergang in eine neue strategische Phase des Pensionsmanagements. Denn: „Solange der Ausfinanzierungsgrad deutlich unter diesem Niveau lag, stand die Frage im Vordergrund, wie Pensionsverpflichtungen gesichert und Risiken begrenzt werden können.“ Heute stelle sich eine andere Frage: „Wie lässt sich der erreichte Status dauerhaft sichern und strategisch nutzen?“
Für den Consultant – der selbst Ende 2024 eine eigene Rentnergesellschaft gegründet hatte – rücken damit Pension Buy-outs auf externe Anbieter sowie weitere De-Risking-Maßnahmen in greifbare Nähe, während LDI/CDI-Strategien an Bedeutung gewinnen.
„Ein Ausfinanzierungsgrad von über 90% verändert die Spielregeln. Viele Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren und den erreichten Finanzierungsstatus strategisch abzusichern. Das ist eine Chance, die es aktiv zu nutzen gilt“, sagt Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei WTW.
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