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Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen

Großanleger sind weiter auf Nachhaltigkeitskurs:

Commitment ja, Zufriedenheit auch, jedoch Überrendite …

eher weniger: Ein Asset Manager hat den Blick der deutschen Institutionellen auf das Thema Nachhaltigkeit untersucht. Die grundsätzliche Zufriedenheit ist da, Wunder erwartet man aber nicht. Die in Rede stehenden Summen, die von der Umfrage erfasst werden, sind gigantisch. Insofern kann man von Repräsentanz ausgehen.

Die Zeiten, in denen das Thema Nachhaltigkeit in der institutionellen Finanzdienstleistung uneingeschränkte Zustimmung erfuhr, sind längst vorbei. Greenwashing, republikanische US-Südstaaten, Umwidmung von Art.-8- und Art.-9-Fonds und Überregulierung lauten nur einige der Stichworte des Gegenwinds.

Secondary Investments im Aufwind:
Mit dem Zweiten kauft man besser?

An der zumindest grundsätzlichen Aufgeschlossenheit der (deutschen) Institutionellen gegenüber dem Thema hat das alles aber offenbar nichts grundsätzliches geändert. Zumindest kommt die diesjährige Nachhaltigkeitsstudie der Union Investment – die auf einer offenkundig breiten Basis durchgeführt worden ist – hier zu recht eindeutigen Ergebnissen:

Satte 85% der institutionellen Investoren in Deutschland berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der jährlichen Befragung 2010 – jedoch sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr:Quelle: Union Investment. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Umgekehrtes Bild bei den Assets: Derzeit macht der Anteil der Assets, bei denen die Investoren Nachhaltigkeitskriterien anwenden, 67% des verwalteten Gesamtvermögens aus. Das ist zum Vorjahr ein Plus von fünf Punkten. Bei Stiftungen und Kirchen beträgt der Anteil sogar 93%.

Für die Studie hat die Union Investment nicht weniger als 193 institutionelle Investoren befragt – davon rund jeder zehnte eine Vorsorgeeinrichtung – mit sagenhaften sechs Bio. Euro AuM.

Bemerkenswert auch die Zufriedenheit mit den eigenen nachhaltigen Investments: Runde 69% der auch nachhaltig investierenden Anleger sind mit diesen Assets in ihrem Verantwortungsbereich zufrieden oder außerordentlich zufrieden.

André Haagmann, Union Investment.

„Die Umfrageergebnisse zeigen eine erfreuliche und sehr robuste Entwicklung angesichts einer zunehmenden Polarisierung der Debatte zum Thema Nachhaltigkeit. Für die meisten institutionellen Anleger sind nachhaltige Investments inzwischen fester Bestandteil ihrer Kapitalanlage. Sie haben über Jahre praktische Erfahrungen damit gesammelt und lassen sich durch Gegenwind nicht beirren“, kommt André Haagmann, Vorstandsmitglied von Union Investment mit Zuständigkeit für institutionelle Kunden.

Renditevergleich durchwachsen

Renditewunder sind auch von der Nachhaltigkeit nicht zu erwarten: Wenn die Befragten ihre konventionellen mit ihren nachhaltigen Portfolios vergleichen stellt mit 64% eine deutliche Mehrheit keine Unterschiede in Bezug auf die Rendite fest. Nur 5% sehen bei den nachhaltigen Investments Renditevorteile, aber 12% Nachteile.

Übrigens gaben 19% an, nicht über diesbezügliche Informationen zu verfügen – im Vorjahr gaben noch 29% an, hier zu keinem Renditevergleich in der Lage zu sein. Das spricht für Fortschritte beim Reporting.

In Bezug auf das Risiko sehen 60% beim Vergleich konventioneller und nachhaltiger Produkte keinen Unterschied. Allerdings nennen auch 60% das Risikomanagement als eines der Motive für die Anwendungsvon Nachhaltigkeitskriterien (auf Platz 5):

Quelle: Union Investment. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Vorneweg das Klima

In dem Kürzel ESG ist das E nur ein Buchstabe unter dreien, und das K kommt gar nicht vor. Gleichwohl: Laut Umfrage berücksichtigen 78% der Befragten in ihren Anlagerichtlinien Klimaaspekte, z.B. durch Ausschlüsse einzelner Sektoren oder einen Fokus auf Erneuerbare. 24% haben sich gar das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 die Klimaneutralität ihres Portfolios zu erreichen.

Ob solche Errungenschaften auch auf gesamtstaatlicher Ebene realisierbar sind? Jedenfalls finden fast alle Befragten (97%) die Klimastrategie der Bundesregierung ambitioniert. Allerdings halten nur 38% die Ziele, z.B. Treibhausgasneutralität bis 2045, für realisierbar.

„Viele Investoren fragen sich offenbar, ob ein nachhaltiger Umbau der gesamten Wirtschaft wirklich gelingen kann. Auf Ebene der einzelnen Unternehmen beobachten wir jedoch, dass viele bereits eine Transformationsstrategie haben und umsetzen. Als Investor begleiten wir nicht nur Unternehmen, die bereits zu 100% nachhaltig sind, sondern investieren auch in solche, die sich glaubwürdig transformieren“, erläutert Haagmann.

KI: Mehr Chance als Risiko

Die KI wird ja bekanntlich alles verändern (auch auf den Märkten, auch in der bAV, auch für den Einzelnen). Nun, die KI bietet auch Chancen in Sachen Nachhaltigkeit, so die Einschätzung der Investoren. 83% der Befragten sind überzeugt, dass diese das Thema Nachhaltigkeit beeinflussen wird. Von diesen, die das so sehen, rechnen wiederum 85% mit einem positiven Einfluss der KI, nur 15% mit einem negativen.

Der Vater aller Dinge …

… ist nach Heraklit bekanntlich der Krieg. Und seine Mutter heißt Geopolitik. Auch nach deren Einfluss fragten die Studienautoren:

Nur eine Minderheit (41%) erwartet, dass die aktuellen geopolitischen Krisen sich auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bei ihren Kapitalanlagen auswirken werden. Im Vorjahr waren es noch 51%. Von denen, die mit geopolitisch bedingten Veränderungen bei ihren nachhaltigen Investments rechnen, erwarten 59% dadurch einen Anstieg des Anteils ihrer nachhaltigen Kapitalanlagen.

„Nachhaltigkeit ist für Investoren kein Schönwetter-Thema. Zumal die nachhaltige Transformation einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, Deutschland und Europa krisenfester und wettbewerbsfähiger zu machen“, sagt Haagmann dazu.

Zahlen

Wie erwähnt wurden für die diesjährige Untersuchung von Januar bis April 2024 insgesamt 193 institutionelle Investoren in Deutschland befragt, die zusammen besagte sechs Bio. Euro verwalten. Unter den Befragten waren Versicherungen (1%), Großunternehmen (18%), Altersversorger/Pensionskassen (10%), Stiftungen/Kirchen (13%), Kreditinstitute (30%) und KVGen (18%).

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Die Studie schlüsselt die Antworten nicht nach Anlegergruppen auf. Es wäre interessant zu wissen, ob und inwiefern Altersvorsorger anders auf die Sache blicken als bspw. die weniger regulierten Stiftungen und Kirchen. Einige Angaben deuten jedenfalls darauf hin.

Ein Booklet der Union Investment mit allen Abbildungen zu der Studie findet sich hier.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

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