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Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen

Kassandra – Die kommentierte Presseschau zur bAV:

Fronleichnams-Kassandra – Sie Pflaume!

Unregelmäßig freitags, heute an Fro(h)nleichnam, bringt PENSIONSINDUSTRIESeine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute gut zehn Tage vor der EU-Wahl nochmal die übliche kassandrische Kaffeesatz-Leserei: Wer gleich doppelt profitieren könnte. Wenn ein AfD-Gegner und ein AfD-Anhänger im Dialog sind. Wer in die Agonie taumelt. Wer zu einem Polit-Akteur werden könnte, an dem niemand vorbei vorbeikommt. Warum wir alle am Ende mit leeren Händen dastehen könnten. Wo sich keiner was vormachen sollte. Und: Ertrage die Clowns!

Welt-TV (30, Mai): „‘Das Heil’sche Rentenpaket ist eigentlich eher ein Unheil‘.“

Hubertus Heil. BMAS. Foto BMAS.

Nach Ende der leicht erratischen Lindner-Strategie ist das Rentenpaket II nun also durchs Kabinett – hier auf Welt-TV nun bewertet von dem (leider stets zurecht) reichlich skeptischen, auf unserem Parkett auch bestens bekannten Prof. Bernd Raffelhüschen.

Die Ambivalenz des Rentenpaketes sei dahingestellt (in der ersten Säule Deutschlands drängen sich im Jahre 2024 aber auch in der Tat keine einfachen Lösungen mehr auf), doch immerhin dürfte nun der Weg frei sein, dass der Entwurf zum BRSG II in Kürze seinen Weg auf den Kabinettstisch und auch in die Öffentlichkeit findet. Beachte: Kabinett heißt noch nicht Gesetz. Dazu unten mehr.

Kommalpha AG (29. Mai): „Immobilienspezialfondsanalyse: bisher kein wackeliges Fundament.“

Clemens Schuerhoff, Kommalpha.

Enorm detailreiche Analyse des Analysehauses aus Hannover zu einer der derzeit ambivalentesten Asset-Klasse überhaupt. Hier nur ein paar Hardfacts:

  • Deutsches Spezialfondsvolumen 2.035 Mrd. Euro Ende 2023 (+ 1.238 Mrd. Euro in den letzten 13 Jahren).

  • Altersvorsorgeeinrichtungen mit 562 Mrd. und Marktanteil von 28% größte Investorengruppe, gefolgt von Versicherern 549 Mrd. und 27%.

  • Gemischte Wertpapierspezialfonds mit 1.064 Mrd. mit Abstand dominierende Kategorie, Marktanteil 52%. Dann Rentenspezialfonds mit 402 Mrd., 20%. Dann Immobilienspezialfonds mit 182 Mrd., 9%.

  • Volumen der Immobilienspezialfonds in 13 Jahren überproportional zugenommen, Zunahme von Anfang 2010 bis Ende 2023 um 153 Mrd..

  • Zahl der Immobilienspezialfonds stieg dabei von 154 auf 671.

  • Altersvorsorgeeinrichtungen auch hier mit 52,4 Mrd. Euro und 29% Anteil größte Investorengruppe.

Außerdem zeigt die Studie, dass sich das Niveau des Nettomittelaufkommens der letzten zwei Jahre von Zinswende und schwierigem Umfeld (bisher) unbeeindruckt zeigt. Allerdings hat es sich zeitverzögert ab Februar 2023 etwas eingetrübt.

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

Focus (23. Mai): Aufregung in Bad Reichenhall – Plötzlich tauchten bereits ausgefüllte Stimmzettel für die Europawahl auf.“

So, in wenigen Tagen findet also die Europawahl statt – und das hoffentlich fehler- und manipulationsfrei! Anlass genug jedenfalls für etwas frische kassandrische Kaffeesatz-Leserei. Denn diese Wahlen werden spannend, zumindest teilweise.

Erst mal zu dem, was nicht spannend scheint:

1.: SPD. Was soll schon passieren? Sie wird irgendwo zwischen 10 und 20 % landen, Kassandras Tipp ist: genau in der Mitte.

2.: Grüne. Auch da gilt, dass vermutlich nichts Spektakuläres passieren wird. Die Phase ihres starken Momentums ist nach zwei Jahren in der Verantwortung, in denen sie sich komplett verschlissen haben, längst vorbei (besonders gut sichtbar an dem im Amt quasi im Zeitraffer alternden Robert Habeck). Andererseits können die Grünen sich stets auf eine harte Stammwählerschaft verlassen, demzufolge wird ihr Ergebnis zwischen 10 und 12% liegen.

Jetzt zu dem, was spannend wird:

3.: AfD. Besonders interessant natürlich wie immer der deutsche Dauer-Aufreger No. 1 – einerseits viele Monate lang getragen vom Momentum der realen Krisen, welche die Ampel auf fast allen Politikfeldern entweder neu losgetreten oder zumindest weiter befeuert hat. Nun aber ist die AfD schon seit längerem in ständig schwerer werdenden Turbulenzen. Diese kreisen in letzter Zeit vor allem um den schillernden Maximilian Krah – der für kurze Zeit mal, allerdings nur für ganz kurze, als Shootingstar der AfD galt, v.a. auf TikTok.

Und des Krah Verhalten ist wirklich bemerkenswert, schon geradezu grotesk-clownesk. Einen fiktiven Dialog zwischen einem AfD-Anhänger und einem AfD-Gegner könnte man sich dieser Tage vielleicht folgendermaßen vorstellen:

Zunächst der AfD-Anhänger:

Wie jetzt? Der EU-Spitzenkandidat der AfD, der schon wegen dieser Chinaspion-Sache seiner eigenen Partei einen solch enormen Schaden zugefügt hat, dass er in Deutschland komplett aus dem Wahlkampf genommen werden muss, nutzt die neugewonnene Freizeit, um drei Wochen vor der Wahl in Rom einer italienischen Zeitung – Italien! Wo es also genau 0,0 Stimmen zu gewinnen gibt – ein Interview zu geben und dort über das Thema SS zu fabulieren! Was gab es denn da für ihn zu holen? Was hat er denn da zu suchen? Habt ihr den bezahlt, oder macht der das umsonst? Kann einer allein denn so doof sein?“

Darauf der AfD-Gegner:

Ja. Kann er. Bezahlt haben wir ihn jedenfalls nicht dafür. Aber es ist so wunderbar, dass wir es täten. Doch ich versichere Ihnen: Der macht das ganz umsonst! Wenn es einen Krah nicht gäbe, wir müssten ihn erfinden. Danke schön jedenfalls, lieber Maxe. Wir zählen weiter auf dich!“

Die Wahl ist nun in Kürze. Mal sehen, ob Krah vor der Wahl noch ein weiteres Kabinettsstückchen zum Wohle seiner Partei hinbekommt. Vorschläge: Wie wäre es mit einem Staatsbesuch in Teheran, einem Eintritt in das nordkoreanische Regierungskabinett oder einem Kommando-Unternehmen in hautenger Leder-Uniform hinter den ukrainischen Linien im russischen Auftrag? Oder: Er übernimmt das Pony auf Sylt! Ein guter Sänger ist er sicher auch.

Eins muss man ihm lassen: Man kann zwar streiten, ob Krah die hellste Kerze auf der deutschen Polit-Torte ist. Aber nicht darüber, dass er in seiner clownesken Art, kein Fettnäpfchen auszulassen, bemerkenswerte Entertainment-Power hat. Eine eigene Late-Nite-Show auf RTL II, live aus dem Pony, das könnte Quote bringen.

Und die AfD-Spitze? Fühlt sich derweil vermutlich an einen Leitsatz des großen (leider fast vergessenen) FAZ-Herausgebers Joachim C. Fest erinnert:

Ertrage die Clowns!

Jedenfalls: Die politische Frage wird sein, wie all das auf das Konto der AfD einzahlt. Vermutlich negativ. Ausgemacht ist das aber nicht, und die justen Kommunalwahlen in Thüringen geben ein unklares Bild.

Die AfD ist natürlich eine Partei, die zu einem maßgeblichen Teil auch von der Anti-Haltung zur Ampel getragen wird. Die Befeuerung all dieser jüngsten Turbulenzen durch den vereinigten Mainstream kann hier also durchaus eine „Jetzt erst recht“-Stimmung entstehen lassen. Allerdings: In der Wechselwähler-Grauzone zwischen Union und AfD, also da, wo sich für die jeweilige Partei der Erfolg entscheidet, sollte die Union doch profitieren können.

Sahra Wagenknecht, BSW. Foto: DiG Trialon.

4.: BSW und Linkspartei: In Zusammenhang mit den AfD-Schlagzeilen wird auch das Abschneiden der neuen Wagenknecht-Partei BSW interessant sein zu beobachten, da diese neben der Ausweidung der scheintoten Linkspartei ja auch wesentlich auf abtrünnige AfD-Stimmen angewiesen ist. Hier ist jede Prognose schwierig, von Rohrkrepierer bis Durchstarter ist wirklich alles drin (die Linkspartei dürfte jedenfalls schon bei dieser Wahl stramm Richtung Agonie taumeln).

5.: Union. Wie schon angerissen wird spannend, ob die Union in ihrer strategischen Mittellage gleich doppelt wird profitieren können – von einem negativen AfD-Momentum als Primus inter Pares und gleichzeitig von der anhaltenden Chaos-Produktion der Ampel? Vermutlich schon – wobei Namen wie Ursula von der Leyen eher negativ auf das Unions-Konto einzahlen dürften.

Besonders spannend aber wird auch die Frage, wie die CSU abschneiden wird, ob sie also in Bayern die 5% bundesweit meistern oder reissen wird – das ist für sie bei der kommenden Bundestagswahl, wie hier schon mehrfach erläutert, schließlich eine Frage von Sein oder Nicht-sein (wenn das neue Wahlrecht nicht noch von Karlsruhe gekippt wird).

6.: Freie Wähler: Interessant wird auch zu sehen, wie die Freien Wähler (die neue Werteunion des Hans Georg Maaßen tritt noch nicht an, ist wahrscheinlich aber ohnehin eine geborene Totgeburt) abschneiden. Die Freien Wähler könnten (auch wenn sie außerhalb Bayerns nicht stark sind) durchaus ein paar Punkte einsammeln, von AfD und CDU, aber v.a. von CSU und auch FDP, was für diese beiden katastrophale Schatten voraus werfen könnte (Stichwort 5% der Bundestagswahl).

Christian Lindner BMF. Foto: BMF.

7.: FDP: Und da sind wir schon bei dem wichtigsten Kandidaten überhaupt, der FDP: Wird sie, sagen wir mal, auskömmliche 6% erhalten? Oder doch eher 1,5-2? Kassandra tippt auf Letzteres. Nicht nur, weil sich Lindner nun doch praktisch nur noch als Steigbügelhalter von rot-grün positionieren kann. Sondern auch, weil die Zuspitzung der politischen Auseinandersetzungen und das Auftreten ständig neuer Parteien schlicht die Wahlbeteiligung nach oben treiben dürfte und damit die FDP, die bekanntlich über genau Null strategische Tiefe verfügt, schlicht relativ nach unten drückt. Kassandra spricht hier bekanntlich von der Chronik eines angekündigten Selbstmordes, und das schon länger und laufend.

8.: DAVA. Schließlich noch ein Akteur mit dem unscheinbaren Namen „Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch“ – eine mutmaßlich Islam-orientierte, vermutlich aus der Türkei maßgeblich mit-gesteuerte Partei mit dem Fokus auf das Migranten-Milieu.

In den deutschen Medien findet man wenig bis nichts hierzu, und das ist vielleicht auch ein wenig von dem Wunsch getrieben, das nicht sein darf, was nicht sein soll. Denn auch wenn eine solche Partei vermutlich das letzte ist, was Deutschland und Europa noch brauchen in diesen Jahren, so darf nicht übersehen werden, dass wir hier in praktisch allen westeuropäischen Ländern ein wirklich zig Millionen schweres Wählerpotenzial sehen. Die Kardinalfrage für diese Partei wird sein, ob sie professionell gemanaged werden wird, möglicherweise mit AKP-Unterstützung aus der Türkei. Sollte das passieren, so die erneute kassandrische Prognose, wird schon in wenigen Jahren kein westeuropäisches Parlament, von den Hauptstädten bis in die Provinzen, vor ihnen sicher sein. Für die AKP ergibt sich hier ein enormes strategisches Potenzial, zu einem westeuropäischen PolitAkteur zu werden, an dem niemand vorbei vorbeikommt. Die Frage ist, ob sie in der Lage sein wird, dieses Potenzial zu heben.

Deutsches Fazit: Besonders also das Abschneiden von FDP und CSU wird aufschlussreiche Schatten vorauswerfen, bei beiden mit Blick auf die nahende BTW (und bei der FDP bei allen anstehenden Wahlen), da beide so dermaßen ohne jede strategische Tiefe sind, dass selbst ein bloßes Ansteigen der Wahlbeteiligung (sei es durch sich verschärfende gesellschaftliche Auseinandersetzungen, sei es durch die Mobilisierung des linken Nichtwählerpotentials durch eine stärkere AfD, sei es durch die vielen neuen Parteien) sie beide aus dem kommenden BT kegeln könnte.

Und was heißt das alles für die bAV: Sollte die FDP tatsächlich am 9. Juni bei beunkten 1,5-2% oder gar weniger landen, stellt sich die Frage, wie es in Berlin weitergeht, sprich: ob die Koalition hält – oder ob Lindner dann doch mit viel Verspätung versucht, eine Art Notbremse zu ziehen. Und das hieße bekanntlich, dass wir alle hier auf dem Parkett mit Blick auf das BRSG II mit leeren Händen dastünden.

Nun der internationale Blick auf die Dinge:

ZDF (26. Mai): Migration in den Niederlanden – Rechtsradikale Töne bei Wilders Asylpolitik.“

So, nun bekommen die Niederlande sie also, die erwartete Hartrechts-Regierung. Dass sich das Land damit einreiht in den europäischen Trend nach rechts (Ungarn, Italien, Schweden… aber: anders derzeit Polen) ist das eine – und bemerkenswert genug.

Ein anderer Aspekt ist schon spannender (und hier und hier auch schon mehrfach erläutert worden): Ob nämlich eine neue Rechts-Regierung der Holländer, die offenkundig schon gleich zu Beginn direkt dick aufträgt, nicht heute und nicht morgen, aber übermorgen ein Referendum zu einem möglichen NEXIT abhalten wird. Auch hier wird die EP-Wahl vermutlich einige Weichen stellen.

Dass in UK derzeit ökonomisch wenig rund läuft, sollte man, sofern man pro EU ist, dabei nicht beruhigend finden. Erstens läuft es derzeit nirgendwo wirklich rund, und zweitens muss Großbritannien nach vier Jahrzehnten EU nun auch erst mal die Friktionen dieser Trennung verarbeiten. Viel wichtiger ist, dass die Briten nun offenkundig und mit fester Entschlossenheit die Migrationsfrage zum ersten Mal wieder alleine national in die Hand nehmen und ganz nach ihrem eigenen Gusto steuern. Das ist eine Entwicklung, die man in Holland (und in Schweden auch) sehr genau zur Kenntnis nimmt. Insofern sei wiederholt: Man muss kein studierter Niederlandistiker sein, um zu ahnen, wie so ein Referendum ausginge.

Tagesschau (23. Mai): „AfD aus rechter ID-Fraktion ausgeschlossen.“

Den Rausschmiss der AfD aus der Fraktion im EP nach Krahs Italien-Interview muss man durch die französische Brille betrachten.

Erstens ist das Thema SS in Frankreich nochmals sichtlich sensibler als in Deutschland. Das Kürzel steht dort für nicht weniger als ein nationales Trauma.

Zweitens ist es für keinen französischen Politiker – erst recht nicht auf der Rechten – eine angenehme Vorstellung, wenn ausgerechnet die Allemands sich nach den Wahlen anschicken, mit (vermutlich) doppelter Kopfstärke in der gemeinsamen Fraktion Platz zu nehmen.

Für Le Pen gilt die oberste Maxime: jetzt keine Experimente mehr!

Drittens der wichtigste Punkt: Marine Le Pen steht auf dem Sprung – da mache sich niemand etwas vor –, französische Staatspräsidentin zu werden; nicht mehr und nicht weniger. Niemals standen ihre Chancen so gut wie jetzt. Macron wird nicht wieder antreten, und charismatische Gegenkandidaten sind nicht in Sicht. Für Le Pen gilt die oberste Maxime: jetzt keine Experimente mehr!

Den Griff nach dem mit Abstand wichtigsten Amt in Europa will sie durch nichts gefährden. Erst recht nicht durch irgendeine Nähe zu clownesken Auftritten einer deutschen Loose Cannon, die hin und wieder zu SS-Themen neigt – das ist das letzte, was sie im Endspurt brauchen könnte.

Le Pens klare Quintessenz: raus mit denen, und fertig. Sie braucht die AfD nicht, sie will die Wahl ohnehin mitte-rechts und nicht rechtsaußen gewinnen, und sie will nichts riskieren, nur weil die AfD-Fraktion im EP einen wie Krah an der Spitze hat. Das fehlte ihr noch, das bspw. dieser redselige Deutsche vier Wochen vor der französischen Präsidentschaftswahl im Figaro mit den Redakteuren ausdiskutiert, ob Oradour-sur-Glane nun zu 100% ein Kriegsverbrechen war (falls jemand zweifelt: war es) oder nur zu 90.

Die Welt (27. Mai): „Lauterbach spricht von ‚explosionsartigem‘ Anstieg bei Pflegebedürftigen.“

Die Politik hat mit einem Anstieg der Pflegebedürftigen im Jahr 2023 um 50.000 gerechnet, tatsächlich waren es mehr als 360.000. Ursache unklar. Vielleicht ja Long Covid? Oder nur verrechnet? Vielleicht mal Aktuare ranlassen?

Wie dem auch sei: Heißt das, wir werden alle schneller als gedacht Zeuge des von Kassandra hier penetrant besungenen demographischen Zusammenbruchs dieses Landes?

Die Welt (30. Mai): „Vater vergisst 16 Monate alten Sohn im Auto – Kind stirbt.“

Eine Katastrophe. Und in der Tat erinnert sich Kassandra, vor ein bis zwei Jahren von einem identischen Fall in Deutschland gelesen zu haben. Man denke nicht, das könne einem nie passieren. Man fährt los, Kopf voll mit dem, was man gleich alles auf der Arbeit erledigen will, man hat halt mal wieder einen wichtigen Tag vor sich, Kind schläft derweil im Auto ein und ist also mucksmäuschenstill, man fährt auf dem Parkplatz, geht hoch ins Office, ackert den Tag durch…

Und es ist passiert …

Was tun also?

Kassandras Rat Nr 1: Eine App mit einem Tracker als Zubehör, sei es mit eigener Simkarte, sei es das Simkarten-freie AirTag-System von Apple. Der Tracker ist so an der Kindes-Kleidung befestigt, dass das Kind den Tracker praktisch immer „am Mann“ hat. Dann wird die App so eingerichtet, dass bei Trennung vom Telefon des Elternteils so lange gewarnt wird („Prüfen Sie den Standort ihres Kindes!“), und das ständig penetranter werdend („Haben Sie nun endlich den Standort Ihres Kindes geprüft, Sie Pflaume?“), bis man den Erhalt der Warnung aktiv bestätigt. Das wiederholt sich nach 15 Minuten zur Sicherheit.

Sitzt man dann im Office, warnt das Telefon also und verlangt vom Elternteil die Bestätigung, dass man die Trennung von Kind und eigenem Telefon zur Kenntnis genommen hat. Das sollte das Problem lösen. Zusätzlich kann z.B. auch die Mutter von zu Hause per Standort des Trackers prüfen, ob der überarbeitete Vater das Kind wirklich im Kindergarten abgegeben hat (abgesehen davon, dass so ein Tracker grundsätzlich den Nutzen stiftet, jederzeit zu wissen, wo das Kind ist. Ist nicht neulich irgendwo so ein Kind auf einem Spielplatz verschwunden, und die Polizei hat ewig gebraucht, es bei einem Täter in der Wohnung zu finden? Einen sichtbaren UND einen versteckten Tracker am Kind, dann sind Sie nicht mehr auf die lahme Polizei angewiesen. Dann wissen Sie immer, wo ihr Kind ist, und wenn dann etwas vorfällt, braucht ein anständiger Vater ohnehin keine Polizei. Er weiß selber, was zu tun ist).1)

Kassandras Rat Nr. 2 richtet sich an die deutsche Versicherungswirtschaft: Wenn man sieht, für welche hirnlosen Marketingmaßnahmen die Assekuranz viel Geld ausgibt, hier der Rat, eine solche App zu entwickeln, mit der man explizit auf diese Art sein Kind tracken kann, und die zugehörigen Tracker als Giveaway an die Kunden verteilen (z.B. bei jedem Abschluss einer Direktversicherung). Kostet nicht viel, dient der guten Sache und hebt das eigene Image in den Himmel.

FAZ (21. Mai): „Oliver Pocher demütigt Zuschauerin, bis sie weint.“

Hier of Off Topic ein prägnantes Beispiel, für welche primitivsten Armseligkeiten der „teuerste Staatsfunk der Welt“ (O-Ton FAZ) Ihre Zwangsgebühren ausgibt. Man wüsste gern die Höhe des Honorars, welches die Verantwortlichen dem Protagonisten gezahlt haben, damit er diese Performance abliefert.

Abgesehen von der kaum zu unterbietenden Erbärmlichkeit dieser Aufführung bleibt auch rätselhaft, warum man als ÖR solche Leute überhaupt bucht, und noch rätselhafter, warum man im ÖR glaubt, mit solchen Leuten irgendetwas zu erzielen, was man nur im entferntesten als Erfolg bezeichnen könnte.

Schließlich noch zu dem „Moderator“: Dem hat schon Harald Schmidt vor 15 Jahren vor einem Millionenpublikum ins Gesicht gesagt, was er von ihm hält. Nur in einem irrte der Altmeister: Der hat es offenbar bis heute nicht begriffen.

1) Und falls man eine solche Angelegenheit als Vater nicht gleich in die eigene Hand nimmt: Wenn das Kind ein bis drei Tracker mit sich führt, kann – selbst wenn der Täter bei der Entführung die Tracker entdeckt und vom Kind entfernt – ein aufgeweckter Polizeibeamter per Funkzellen-Abfrage immer feststellen, welche Mobiltelefone zu welcher Zeit in der gleichen Funkzelle wie die Tracker eingeloggt waren. Das engt den Kreis der Tatverdächtigen massiv ein, den man dann leicht abarbeiten kann, und da solche Taten meistens aus spontanem Entschluss heraus geschehen, dürfte kaum ein Täter ohne eigenes Mobiltelefon unterwegs sein. Brauchen Sie nur noch den aufgeweckten Polizeibeamten.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

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