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Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen


Die kommentierte Presseschau zur bAV:

Kassandra cold as Ice

Unregelmäßig freitags bringt PENSIONSINDUSTRIES eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Los geht’s mit der Kommission, weiter geht’s bei den Berliner Zahnärzten, wen Deutschland nicht braucht und wer Deutschland nicht braucht, wer nun auch halbamtlich pleite ist, wer trotzdem endlich zweistellig ist, was beizeiten beim PSV ankommen dürfte, wer den Spagat am besten kann, wer besser in Saarbrücken geblieben wäre – und wie es mit Grönland weitergeht.

BMAS (7. Januar): „Alterssicherungskommission nimmt Arbeit auf.“

So, nun geht es also los mit der Kommission. Kritik im Vorfeld gibt es ausreichend, von den deutschen Aktuaren, der Wirtschaftsweisen Prof. Monika Grimm, von Kassandra sowieso, die Kröte geht gar klar vom Hornberger Schiessen aus.

Veronika Grimm, Technische Universität Nürnberg. Foto: UTN.

Wie dem auch sei, spannend werden zwei Themenkomplexe sein: Zum ersten natürlich die Vorschläge in Sachen bAV (z.B. zur überfälligen Klarstellung bei der BOLZ oder – brandaktuell – zur Art der Integration des neuen Altersvorsorgedepots in die bAV). Zum zweiten: Das, was die Kommission sagen wird zu dem potentiellen und brandgefährlichen Turbo-Thema Verbeitragung über alle sieben Einkunftsarten. Zur Erinnerung: Mit Prof. Peter Bofinger sitzt ein Mitglied in der Kommission, dem man gerade in dieser Sache durchaus zutrauen kann, in Richtung Verbeitragung zu arbeiten. Das wäre allerdings ein Ergebnis, welches in seiner politischen Wirkung über das Thema Altersvorsorge weit hinausgeht. Sehr weit.

Institutional Money (7. Januar): „Versorgungswerk zieht wegen Milliardenverlusts vor Gericht.“

Und weiter geht es mit dem nächsten – und keinesfalls letzten – Akt im Drama um das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte. Jetzt geht die Sache also vor Gericht, wie die Insti Money hier unter Verweis auf Bloomberg berichtet. Interessant ist die Liste der Beklagten: die apo-Bank, ehemalige Mitarbeiter, der WP und das Land Berlin. Letzterem sei erneut dringend geraten, die Finanzaufsicht über die lokalen Einrichtungen endlich an das Büro Kassandra, Prenzlauer Allee 216, abzugeben.

IWH-Halle (8. Januar): IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten 2025 auf höchstem Stand seit zwei Jahrzehnten.“

Die Sache mit den Insolvenzen nimmt weiter Fahrt auf. Das ist ebensowenig überraschend wie übersehbar. Zwei Zitate von dem Forschungsinstitut:

Laut IWH-Insolvenztrend waren im Dezember in den größten 10% der insolventen Unternehmen mehr als 15.000 Arbeitsplätze betroffen.“

und

Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet – der höchste Stand seit 2005. Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund 5% niedriger.“

Wichtig für unser Parkett: Beim PSV ist die Entwicklung noch als moderat zu bezeichnen. Abwarten, wie das weitergeht.

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

Die Welt (30. Dezember): „Superstar SAP – so mächtig ist der letzte deutsche Gigant wirklich.“

Interessanter Beitrag in der Welt über ein Unternehmen, das einer der raren echten Zukunftswerte im DAX ist – insofern ein Anachronismus in diesem Land. Kassandra empfiehlt SAP erneut, doch bitte zeitnah die Linde zu machen – sprich: in die USA zu verlegen. Kassandras Portfolio würde das jedenfalls dienen. SAP braucht Deutschland nicht mehr, und Deutschland SAP nicht.

Bild (14. November): „Deutschlands dienstältester Ministerpräsident – Haseloff: ‚Wir sind im Prinzip pleite’.“

Deutschland pleite? So what! Schon seit 2008, also seit der Finanzkrise, beunkt Kassandra dieses Land mit Blick auf seine impliziten Staatsschulden (mittlerweile wohl >15 Bio. Euro, also relativ mehr als die USA) als „Super-PIG“. Das einzig Neue ist, dass man mittlerweile nicht mehr die impliziten Staatsschulden bemühen muss, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, sondern es reichen die expliziten.

Und Haseloff? Nun, der war anderthalb Jahrzehnte in der Verantwortung. Wie bewertet er denn die eigene Performance? Den eigenen Beitrag zu dieser Entwicklung? Hat er dazu auch was gesagt? Jetzt tritt er ab.

Sie wissen es: All das geschieht nicht im luftleeren Raum. Die fiskalische Überdehnung ist nur ein Baustein in den großen strategischen Brocken der deutsch-europäischen Multi-Problemlage, die in ihrem Zusammenwirken gegen 2025 in bestem Timing im Gleichschritt mit dem demographischen Zusammenbruch kumulieren. Im übrigen gilt: Euro-Außenwert im Auge behalten.

Die Zeit (8. Januar): „Regierungskrise in Brandenburg: Verbliebene BSW-Minister in Brandenburg treten aus Partei aus.“

Wo wir schon im Osten sind: Rechtzeitig vor den Landtagswahlen besonders im Osten zeigt das BSW der deutschen Öffentlichkeit gleich in mehreren Schritten, dass es nicht regierungsfähig ist. Wer der große Profiteur dieser Entwicklung ist, muss hier wohl nicht erläutert werden. Und wie die Landtagswahlen dieses Jahr ausgehen werden, ist ja hier schon vor einigen Wochen dargelegt worden, das ist weiterhin gültig.

Das Sahnehäubchen auf dieser kruden Entwicklung wäre es natürlich, wenn die Regierung in Brandenburg nun völlig zerbricht und auch dort mit bestem Timing zu den LTW in Meck-Pomm und Sachsen-Anhalt ebenfalls gewählt werden müsste. Doch kann man davon ausgehen, dass der altgediente MP Dietmar Woidke dieses Szenario mit allen Mitteln zu verhindern wissen wird (die Tagesschau hat sich der Frage bereits angenommen und die Lage analysiert).

Sahra Wagenknecht, BSW. Foto: DiG Trialon.

Wie dem auch sei, hatte Kassandra nicht Sahra Wagenknecht lange im Vorfeld ihrer Parteigründung mehrfach gemahnt, eben dieses erbärmliche Schauspiel einer Parteigründung sich selbst und der deutschen Öffentlichkeit zu ersparen? Das Drama spinnt sich jeden Tag weiter fort und wird bei den LTW in Meck-Pomm und Sachsen-Anhalt einen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Sie hat alles falsch gemacht. Wäre sie doch in Saarbrücken geblieben.

taz (8. Januar): „Tennis-Affäre im Stromausfall – Das Laschet-Moment des Kai Wegner.“

Die Berliner CDU war schon immer etwas ganz besonderes. Vor allen Dingen ganz besonders planlos. Auch dort sind bekanntlich dieses Jahr Wahlen. Fest steht schon jetzt: Der Regierende Bürgermeister – der sich ja als wahres politisches Genie, als echtes Ass in Sachen Krisenmanagement und -kommunikation entpuppt hat – wird als Fußnote in die Berliner Geschichte eingehen; und in dieser Fußnote wird er zuvorderst mit dem jüngsten Black-out dokumentiert sein, der auf immer mit seinem Namen verbunden ist.

Spannend sein wird zu beobachten, wie nach einem möglichen Wahlsieg der Linkspartei in Berlin es mit diesem nun landesweit bekannten Linksterrorismus weitergehen soll. Es wäre ja skurril, würde man als Linksterrorist Anschläge in einer Stadt verüben, die von weltanschaulich mutmaßlich nahestehenden Genossen regiert wird. Aber was soll’s, wenn einer skurril kann, dann Berlin.

Tagesschau (6. Januar): „CSU setzt auf Abschiebungen und niedrigere Steuern.“

In den letzten Jahren ist es in Deutschland sehr üblich geworden, zwar in der Regierung zu sein, trotzdem aber Forderungen in einer Art zu erheben, als sei man in der Opposition. Mit diesem Spagat scheint in der deutschen Öffentlichkeit recht gut durchkommen zu sein, und seit jeher ist die CSU hier der unbestrittene Meister – dicht gefolgt von Linnemann.Kassandra hat die Christsozialen schon mehrfach für dieses Vorgehen ausdrücklich gelobt, und dieser Tage beweisen die Unions-Bayern erneut, wie stark sie in dieser Disziplin sind.

Gewiss sein kann man nach wie vor gleichwohl – die einen in der Leserschaft mit Sorge, die anderen mit Beruhigung: Ändern wird sich gar nichts.

Die Welt (8. Januar): „Neuer Rekord – 10 Mrd. Euro Einnahmen für ARD, ZDF und Deutschlandradio im Jahr 2024.“

Endlich zweistellig, Respekt. Die FAZ sprach weiland vom „teuersten Staatsfunk der Welt“ (hat diesen Artikel aber mittlerweile offenbar offline genommen). Die Welt spricht etwas dezenter vom „umsatzstärksten Rundfunksystem der Welt.“ Jedenfalls sehen wir: Deutschland kann doch noch Spitzenplätze besetzen.

Zum Schluss ein wenig Geopolitik:

Handelsblatt (6. Januar): „Europäer warnen USA vor Grönland-Annexion.“

Nur wenige Dinge dazu: Donald Trump sieht seit jeher auf dieser Welt für sein Land bzw. den Westen einen einzigen, wenn nicht Gegner, aber doch scharfen Rivalen, der die US-dominierte Weltordnung auf den Kopf stellen könnte: China. Dieses Denken steht im Zentrum seiner Außen- und seiner Industriepolitik. Dies erklärt seinen Widerwillen gegen den ukrainischen Krieg, weil dieser Russland von Europa und dem gesamten Westen politisch komplett isoliert und so in die Abhängigkeit von China bringt.

Außerdem hält die US-Administration Europa bekanntlich nicht nur für schwach, sondern für praktisch nicht zukunftsfähig. Das hat das neuliche US-Strategiepapier, in dem u.a. die europäische Migrationspolitik adressiert wurde, unmissverständlich klargestellt. Das grenzt schon ans Kassandrische.

Entsprechend sucht Trump für die USA in Europa bzw. Deutschland zu retten, was zu retten ist. Das betrifft die Förderung des Exodus’ strategischer Industrien aus Europa in die USA, und das erfasst ebenso, dass strategische Regionen möglichst unter US-Kontrolle sind (Stichwort „Donroe“). Es regiert das US-Motto: Wenn wir es nicht nehmen/kaufen, dann werden es die Chinesen tun. Das gilt übrigens auch für russische Rohstoffe. Kassandra hatte schon geschrieben, dass es wenig überraschend wäre, würde Trump eines Tages von den deutschen verlangen, wieder russisches Gas und Öl zu kaufen – damit die Chinesen es nicht kaufen.

Wer hat ihm das alles nur eingeflüstert? Foto: KI.

Und was heißt das alles nun für Grönland: Man lese bei den Europäern und den Dänen zwischen den Zeilen. Rigoros ist anders. Man lehne eine Annexion ab – die ohnehin niemals passieren wird, dazu sind die Amerikaner viel zu schlau und erfahren. Wenn man genau hinguckt, sieht man, dass sich die Europäer im Prinzip mit der Übergabe Grönlands schon abgefunden haben. Allein die Aussage, „Grönland gehört seinem Volk“, ergo die Grönländer zu entscheiden hätten, gesteht ja schon die Volksabstimmung zu – und die USA haben alle Möglichkeiten, besonders über finanzielle Zuwendungen bis runter zu dem einzelnen stimmberechtigten Menschen, diese für sich zu entscheiden.

Kassandra schützt die Insel.

Betrachtet man die Sache kalt unter rein geostrategischen Aspekten, hat Trump sowieso recht. Dänemark und die Europäer sind nicht in der Lage, die strategische Bedeutung Grönlands adäquat umzusetzen.

Jedenfalls wird es in absehbarer Zeit mindestens sehr weitreichende Sonderrechte der USA über Grönland geben, die bspw. dem Status Puerto Ricos entsprechen, oder aber die Volksabstimmung in Grönland kommt, welche die USA für sich entscheiden werden.

Übrigens ist der Kauf von Gebieten durch Staaten nur in europäischen Augen ungewöhnlich, gilt aber in den USA mitnichten als unkonventionelle Vorgehensweise. Alaska ist bekannt. Doch auch Louisiana haben die Amerikaner einst von den Franzosen gekauft, als diese das Interesse an ihren nordamerikanischen Besetzungen verloren hatten. Und das französische Louisiana von damals war vielfach größer als das heutige; es umfasste weite Teile dessen, was wir heute als Mittleren Westen kennen und über Oklahoma, Nebraska und Montana bis hoch an die kanadische Grenze reicht.

Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier:

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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