Unregelmäßig freitags bringt PENSIONS●INDUSTRIES eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Zahlen aus München, christliche Sorgen aus Frankfurt, mal wieder neue Rekorde in Berlin, der Arbeitsmarkt dreht sich, Kapriolen und Gerüchte im Silbermarkt – und Gemach bei der Atombombe.
Bayerische Versorgungskammer (15. Januar): „BVK schließt 2025 erneut mit guter Performance ab.“
In aller Kürze: nach vorläufigen Zahlen kapitalgewichtete Nettoverzinsung 2025 rund 3,4% – faktisch auf VJ-Niveau. CEO Axel Uttenreuther „Wir liefern, was wir versprochen haben – konstante und robuste Erträge. Zugleich gehen wir die bekannten wirtschaftlichen Herausforderungen einzelner US-Immobilieninvestments konsequent an. Hierfür haben wir bereits im vergangenen Jahr ein umfassendes Maßnahmenprogramm angekündigt. Auch wenn derzeit in der Öffentlichkeit zum Teil versucht wird, ein anderes Bild zu zeichnen: Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist und bleibt sicher“. Die BVK will u.a. die bereits eingesetzten Investment-, Risikomanagement- und Compliance-Prozesse im laufenden Jahr weiter optimieren, vermeldet sie.
Kampfgewicht der BVK: bekanntlich 117 Mrd. Euro. Für dieses Parkett waren und sind zwei Dinge stets klar: Erstens, dass die im Raum stehenden mehreren Hundert Mio. Euro Verluste aus diversen halbgaren US-Investments, so sie denn zu realisieren sind, in der Performance nicht spürbar ins Gewicht fallen. Und zweitens, dass das keinesfalls heißt, das Missmanagement, welches diesbezüglich dort stattgefunden haben soll, sei wegen der minimalen Performance-Wirkung eine Bagatelle.
Ganz grundsätzlich und völlig unabhängig von dem Fall BVK gilt: Asset-seitige Fehlgriffe und punktuell schlechte Performance durch falsche Investmentscheidungen (sei es resultierend aus dem systematischen oder dem unsystematischen Risiko) sind auch für institutionelle Investoren ständiger Alltag, sind immer auch Ergebnis von Diversifikation und gehören zum normalen Anleger-Leben. Die Frage ist aber stets, wie jeder einzelne Fehlgriff zustande kam. Wenn es Missmanagement, Fahrlässigkeit, Dummheit, Vorteilsnahme oder sonstwie schlichte Unprofessionalität waren, dann spielt die relative Größenordnung gar keine Role, sondern nur die absolute. Dann ist es egal, ob wir wie bei der BVK von minimalen Promille-Anteilen reden oder ob das bVW der Berliner Zahnärzte locker-flockig die Hälfte seiner Assets zu verlieren droht.

Bei dem Fall BVK gilt: Auch wenn man von außen die Vorgänge dort nicht wirklich beurteilen kann, deuten die personalpolitischen Maßnahmen, welche in München ergriffen worden sind, jedenfalls darauf hin, dass man in der Kammer die Sache trotz der relativen Kleinheit richtigerweise nicht auf die leichte Schulter nimmt. Ob dies rechtzeitig erfolgte, ist eine andere Frage.
Institutional Money (14. Januar): „‘Brennende Sorge’ um deutsche Pensionseinrichtungen.“
Faros-Chef Uwe Rieken drückt sein Ungemach über den Zustand des deutschen Pensionswesens mit einem Papstzitat aus, das vor neun Jahrzehnten eigentlich für etwas völlig anderes ausgesprochen wurde. Sein Aufhänger, für den er eine Pressekonferenz anberaumt hatte, sind die Entwicklungen bei dem bVW der Berliner Zahnärzte.
Rieken rechnet laut Insti Money mit weiteren Schieflagen deutscher Pensionseinrichtungen, die sich nur mittels einer umfassenden Reform verhindern liessen. Dabei adressierte er „die extreme Fragmentierung des deutschen Marktes mit zu vielen kleinen Einrichtungen, die nicht über die kritische Größe und ausreichend qualifiziertes Personal verfügten, um professionell zu arbeiten.“ Nun, mit der Aussage sollte er bei EIOPA, EU-Kommission und BaFin offene Türen einrennen – alle drei arbeiten bekanntlich beharrlich und ohne einen Hehl aus ihrer Absicht zu machen daran, über steigende Anforderungen den Druck auf kleine Einrichtungen zu erhöhen; mit der EbAV-III plant man hier die nächste Stufe zu zünden, v.a. durch den Wegfall von Proportionalitätskriterien. Begeisterung und Vorfreude des Parketts halten sich in Grenzen.

Zurück zu Faros: Außerdem sollte, so Rieken, die Aufsicht über die bVW vereinheitlicht werden. Das bVW-Aufsichtsproblem ist nicht neu, sondern ein Kritikpunkt, der in der Causa Berlin von Anfang an adressiert wurde (u.a. auch von Kassandra mit drei Möglichkeiten: Zentralisierung in NRW, oder aber gleich zur BaFin, oder notfalls mach’s die Kröte als OFSA). Mittlerweile ist das Land Berlin eben deswegen offenbar sogar Beklagte in dieser Sache. Aber schwache Aufsicht hin, schwache Aufsicht her: Die direkte Verantwortung der Entscheider bei dem bVW – wohl v.a. Zahnärzte – für das Desaster darf dabei nie aus dem Fokus geraten.
Ob big wirklich immer beautiful ist, darüber kann man streiten. Jedenfalls zeigt das Beispiel BVK, dass auch noch so große, für deutsche Verhältnisse gar gigantische Einrichtungen nicht davor gefeit sind, ins … äh … daneben zu greifen.
Die Welt (27. Dezember): „Job-Chancen für Arbeitslose ‚so niedrig wie nie zuvor‘, warnt Arbeitsagentur-Chefin Nahles.“
Dass der völlig überdimensionierte und offenkundig außer Kontrolle geratene Sozialstaat eines der schweren, strategischen Defiziten darstellt, die Deutschland seine Zukunft kosten werden, ist hier schon vielfach thematisiert worden. Unter anderem hieß es hier, dass „das Bürgergeld für die Begünstigten den völligen Stillstand ihrer fachlichen Weiterentwicklung bedeutet. Die Menschen verharren in der attraktiven Sozialleistung, während draußen die Entwicklung weitergeht – und je mehr sie fachlich abgehängt werden, desto mehr richten sie sich in der Sozialleistung ein. Ein Wiedereinstieg in das Berufsleben wird irgendwann nicht mehr nur aus mentalen, sondern auch aus fachlichen Defiziten heraus immer schwieriger bis unmöglich – jeden Tag ein bisschen mehr. Und die Jahre ziehen vorbei …“

BA-Chefin- Andrea Nahles, hier vor Ihrer Rede auf der aba-Jahrestagung im Mai 2015 in Berlin. Foto: Bruess
Dies düstere Szenario scheint sich jetzt zunehmend zu realisieren – und dürfte in den kommenden Jahren an Schärfe gewinnen. Die Fähigkeit Deutschlands, die Sozialleistungen ständig zu erhöhen, wird abnehmen (mglw. wird auch der entsprechende politische Wille eines Tages entfallen), und den Rest erledigt die Inflation mit ihren steigenden Lebenshaltungskosten. Hinzu kommt der massive Arbeitsplatzabbau, der Deutschland bevorsteht: da ist zum einen die De-Industrialisierung, vorneweg, die Abwicklung der deutschen Autoindustrie, zum zweiten der grundsätzliche, ökonomische Niedergang und zum dritten die enorme, jetzt schon stark spürbare Effizienzsteigerung durch KI.
Irgendwann wird also der deutsche Arbeitsmarkt wieder vom einem Arbeitnehmermarkt in den Normalzustand des Arbeitgebermarktes wechseln (mglw. wird die bAV im Wettbewerb um Talente an Bedeutung verlieren). Viel Freude jedenfalls denen, die in dieser immer schnelleren Welt dann fünf Jahre Bürgergeld empfangen haben und keinerlei persönliche Weiterentwicklung vorweisen können.
Irgendwann ist halt jede Party vorbei, und dann gibt es den Kater. Das ist auch bei der Bürgergeld-Party nicht anders.
Goldinvest (14. Januar): „Silber bleibt 2026 knapp: Anhaltendes Defizit erwartet.“
Silber hält die Welt weiter in Atem. Über die mögliche Rolle von JP in diesem Spiel hat Kassandra schon Silvester philosophiert.
Gibt es zuwenig Silber auf der Welt? Ob das Edelmetall auf diesem Planeten wirklich knapp ist, wer weiß das schon so genau. Es gibt hier im Netz viel substantielles und noch mehr nicht-substantielles Gerede. Und immer fällt ein Stichwort: Short Squeeze!
An dieser Stelle nur der Hinweis, dass ein Short Squeeze auch ohne echte Knappheit entstehen kann, denn ein Short Squeeze ist oft auch verbunden mit einem anderen bemerkenswert dynamischen Phänomen: der self fullfilling Prophecy.
Will sagen: Wenn die Knappheit eines Assets – hier also Silber – gar nicht drängend ist, aber trotzdem immer mehr Akteure von einer solchen Knappheit reden, und wenn immer mehr Akteure dann einen Short Squeeze in den Raum stellen, dann passiert irgendwann was? Richtig: Niemand gibt mehr ab – denn der Markt ist ja bekanntlich im Short Squeeze (und selbst wer es besser weiss, der weiss auch, dass zumindest alle anderen denken, der Markt sei sei im Short Squeeze).
Und dann? Dann wird die Knappheit erst real, dann total, und dann ist er wirklich da, der Short Squeeze – und zwar als selbsterfüllende Prophezeiung. Und prompt tritt dann ein drittes Phänomen hinzu: die FOMO. Also: Ein herbeigeredeter Short Squeeze als self fulfilling Prophecy, und das lockt über die Fear of missing out weitere Akteure an – und so bekommt die Sache immer mehr exponentielle Eigendynamik.
Wenn dem so sein sollte, dann befinden wir uns möglicherweise jetzt erst im Beginn dieser Phase. Wann sie zu Ende geht? Keiner weiß. Fest steht nur: Wenn sie zu Ende geht, dann wird es schnell gehen.
Am Rande: Derzeit geht das – vermutlich hanebüchene – Gerücht um, eine Schweizer Großbank sei circa 5 Mrd. Oz. short in Silber. Und eben deshalb könnte sich Silber vom heutigen Stand aus noch mal locker verdreifachen.
Doch Obacht: Selbst wenn das Gerücht wahr sein sollte (wovon man angesichts der Pflicht zur Berichterstattung und zur internationalen Bilanzierung aller Großbanken nicht ausgehen sollte), dann dürften diese Kontrakte immer auch das übliche Cash Settlement vorsehen.

Das hieße also, dass natürlich im Zweifel die SNB die Großbank verstaatlichen müsste und diese Kontrakte mit Cash zu bedienen hätte. Dazu dürfte sie, so schmerzhaft das auch ist, angesichts der exorbitanten Währungsgewinne, die sie erzielt hat (und hoffentlich in real Asset angelegt hat) vermutlich ohne weiteres in der Lage sein.
Aber: Ein solches Cash Settlement ist zwar teuer, ändert an der physischen Nachfrage nach Silber überhaupt nichts. Würden also diese angeblichen Kontrakte mit Cash bedient, verschwünden sie damit aus der Welt, und fertig. An dem eigentlichen Silbermarkt würde sich damit gar nichts ändern – außer, dass man eine Hyper-News zum antreiben des Silbermarktes ärmer wäre.
Die Welt (15. Januar): „Billion-Marke bei Steuereinnahmen geknackt – trotzdem 107 Milliarden Euro minus.“
Über eine Billion Euro, mit Abgaben fast deren zweie: Es sei wiederholt: Dieses Land und seine Steuerzahler können soviel Steuern und Abgaben aufbringen, wie sie wollen: Es wird nie reichen. Niemals wird es reichen. Dieser Staat kennt nur einen Weg: mehr, mehr, und noch mehr.
Und es bleibt bei Kassandras Axiom: Dieses Land setzt am Vorabend seines demographischen Zusammenbruchs seine Rekordeinnahmen in erster Linie um in Rekord-Beamtenapparat mit Rekord-Missmanagement, Rekord-Regulierung, Rekord-Staatsquote, Rekord-Staatsverschuldung (v.a. implizit), Rekord-Defizite der öffentlichen Haushalte, Rekord-Verfall der Infrastruktur (Universitäten, Schwimmbäder, Kindergärten, Bundeswehr…), Rekord-Abwanderung der Industrie, Rekord-Mini-Median-Vermögen, Rekord-Renteneintrittsalter und Rekord-Wahrscheinlichkeit an Altersarmut, Rekord-Überdehnung der Sozialsysteme und Rekord-Versagen bei entsprechenden Reformversuchen, Rekord-Steuerbelastung sowie Rekord-Brain Drain jüngerer Leistungsträger – all das kumuliert in einem Deutschland, das die Hochzeiten seiner Industrie- und Technologieführerschaft längst hinter sich hat und eingebettet ist in eine EU, in der die meisten Mitglieder mehr oder weniger die gleichen Probleme haben.
Und nie vergessen: Nur weil sich etwas ändern MUSS, heißt das noch lange nicht, dass sich auch etwas ändern WIRD.
OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN
Die Welt (12. Januar): „Das Unwahrscheinliche denken“ – CDU-Politiker bringt deutsche Beteiligung an Atombombe ins Spiel.“
Gemach, Kiesewetter. Eins nach dem andern. Erst die Carola-Brücke in Dresden reparieren, dann Atommacht werden.

Mehr zu dem zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier:


























