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Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen

Gestern in Köln – Mitgliederversammlung des PSV:

Hohe Asse und alle Register

Kurs normal am Rhein, aber Pegel weiter stabil steigend: Allen kassandrischen Unkenrufen zum Trotz ist Deutschland nicht in einer Wirtschaftskrise – zumindest wenn man den Beitragssatz der bAV-Insolvenzsicherung als Maßstab nimmt. Derzeit sieht alles weiter nach grünem Bereich aus. Doch Obacht: Der Satz hängt keinesfalls nur von der aktuellen Lage ab.

Gestern am Rhein: Der Pensions-Sicherungs-Verein aG hält unter der Leitung seines AR-Chefs Ingo Kramer seine Mitgliederversammlung 2024 ab. Die Vorstände Benedikt Köster und Marko Brambach richteten den Blick auf die Themen Insolvenzsicherung von Pensionskassenzusagen sowie Innovation und Digitalisierung, nutzten wie üblich die Gelegenheit zur Darlegung des aktuellen Insolvenzgeschehens und für einen ersten Ausblick auf das laufende Jahr:

Secondary Investments im Aufwind:
Mit dem Zweiten kauft man besser?

Wie die Kölner berichten, liegen die Zahl der zu sichernden laufenden Leistungen und unverfallbaren Anwartschaften sowie die Zahl der Insolvenzen, für die der PSV eintrittspflichtig geworden ist, derzeit jeweils um ein Viertel über dem Vorjahresniveau. Das deckt sich mit dem, was Martin Lätsch und Benedikt Köster im April in einem Beitrag auf PENSIONSINDUSTRIES zu Lage und Perspektive der deutschen Wirtschaft aus Sicht der deutschen bAV-Insolvenzsicherung dargelegt hatten und was der Verein kurz darauf bei Vorlage seines Jahresabschlusses 2023 abgeschätzt hatte.

Ein deutsches Drama muss man hier wohl nicht annehmen, einen stetig steigenden Pegel kann man durchaus erkennen.

Dafür spricht auch, dass – wie der PSV-Vorstand gestern weiter darlegte – er durchaus eine deutlichere Steigerung beim Leistungsaufwand registriert – um rd. 50%. „Diese Entwicklungen stellen nach den in den letzten Jahren niedrigen Insolvenzzahlen eine Rückkehr zum üblichen Leistungsaufwand dar,“ ordnen die Vorstände in einer gestrigen Mitteilung die Dinge ein – ohne alarmistisch zu sein, aber auch ohne Entwarnung zu geben.

Wohl dem, der RfB hat

Dass der Verein „trotz gestiegenem Leistungsaufwand einen Beitragssatz nicht über dem Vorjahreswert von 1,9 Promille erwartet“, überrascht daher ein wenig – dürfte aber nicht zuletzt dem offenkundig geschicktem Management am Rhein geschuldet sein. Denn dort hat man – je nachdem, welche Formulierung man bevorzugt – noch ein paar Asse aus dem Vorjahr im Ärmel bzw. rechtzeitig ein paar Register gezogen:

Benedikt Köster, PSV.

Zumindest hatte der JA 2023 gezeigt, dass die Kapitalanlage offenbar standesgemäße Performances erzielten, in erheblichem Umfang Rückflüsse aus Insolvenzforderungen realisiert wurden, Pensionslasten auf nach Insolvenz den Geschäftsbetrieb fortführende Arbeitgeber übertragen werden konnten sowie Ausgleichsfonds und RfB (letztere mit 630 Mio. Euro) gespeist wurden. Allein der RfB-Zufluss 2023 verringert den erforderlichen Beitragssatz für 2024 um 1,6 Promillepunkte. Oder anders: Ohne die RfB aus 2023 würde der Beitragssatz für 2024 – auf Basis der gestrigen Prognose – vermutlich um satte 80, eher 85% höher ausfallen.

Da geht noch was – und Liebesgrüße aus Köln

Außerdem vermeldeten die Kölner gestern mehr Details zu der Lage bei den noch jung (seit 2021) unter den PSV-Schutz fallenden Pensionskassen-Zusagen (die infolge mit insgesamt relativ geringem Leistungsaufwand zur Glättung des Schadenvolumens beitragen):

Von den über 100.000 Mitgliedsunternehmen des PSV meldeten im Jahr 2023 über 13.000 Arbeitgeber PK-Zusagen mit einer Beitragsbemessungsgrundlage von insgesamt 9,1 Mrd. Euro für 1,8 Mio. Anwärter und 700.000 Rentner. Aber:

Die Kölner gehen weiter Anzeichen nach, dass eine größere Zahl von Arbeitgebern mit PK-Zusagen ihrer Meldepflicht beim PSV bislang nicht nachgekommen ist. Ab Herbst werden Arbeitgeber hier Post aus Köln bekommen und der Verein die Melde- und Beitragspflicht durchsetzen – rückwirkend.

50 Jahre sind kein Tag

Marko Brambach, PSV.

Der PSV begeht in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung 1974 hat der Verein über 1,6 Mio. Versorgungsberechtigten ihre Betriebsrente aus mehr als 20.000 Insolvenzen gesichert. Nach vorn heißt das: „Die Zukunft des PSV wird von Innovationen im Digitalen geprägt sein, um weiter seine Leistungen effizient und aufwandsarm erbringen zu können.“ So kündigten die Vorstände gestern Veränderungen an: Neben dem bereits gestarteten Mitgliederportal werde es auch ein Portal für die Leistungsempfänger geben; außerdem sollen Fortschritte bei Automatisierung und Datenaustausch mit Behörden nach den notwendigen gesetzlichen Änderungen möglich werden.

Und was gab es gestern in Köln sonst noch? Das Förmliche: Neben der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat standen der Bericht über das Geschäftsjahr 2023 und die Bestellung des Abschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2024 auf der Tagesordnung. Alle vorgeschlagenen Beschlüsse wurden mit den erforderlichen Mehrheiten gefasst.

Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier.

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Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

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