Unregelmäßig freitags bringt PENSIONS●INDUSTRIES eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Auch Kröten werden alt. Der Fall SAP – Unterschiede und Parallelen zu Oracle. Bescheuert besteuert zum ersten. Bescheuert besteuert zum zweiten. Je schneller das Land demographisch vergreist, desto mehr infantilisiert es sich kulturell. Die alten Rivalen der Dänen. Warum nominiert sie sich nicht gleich selbst? Und Bad Governance allerorten: Heute reist Kassandra nach Schweden, Holland, Kuba und New York.
taz (11. Dezember 25): „Deutschland altert schneller als erwartet.“
„Am Vorabend des demographischen Zusammenbruchs“ – das ewige Mantra, das Kassandra seit zig Jahren gern nutzt, besonders, wenn sie (wie jüngst erst wieder ausgiebig) unkt, dass die multiplen, v.a. die industrie-, sozial- und fiskalpolitischen Katastrophen-Entwicklungen Deutschlands ca. 2035 zusammenwirkend kulminieren werden.
Die schlechte Nachricht: Zahlreiche Medien berichten, dass besagter demographischer Zusammenbruch sich nun offenbar noch schneller realisiert als bis dato erwartet.

Die gute: Immerhin gelingt diesem Land ein Spagat noch recht gut; denn je schneller es demographisch vergreist, desto mehr infantilisiert es sich kulturell. Auch das muss man erstmal schaffen. Weiter so, Deutschland.
PENSIONS●INDUSTRIES (27. Januar): „Finanzverwaltung und vGA: doppelte Niederlage statt doppelter Besteuerung: Don’t you tax me one more time“
Bescheuert besteuert zum ersten: Diese Woche erschien auf PENSIONS●INDUSTRIES der Beitrag von Deloittes Claudia Veh betreffend einer regelmäßig zu beobachtenden Absicht der Finanzverwaltung, bei Abfindung von GGF-Pensionszusagen steuerlich faktisch doppelt zugreifen zu wollen.
FG Münster und BFH haben dies im konkreten Fall abgeschmettert, doch bedauerlicherweise ohne dem einen grundsätzlichen Obiter-dictum-Riegel vorzuschieben.
Jedenfalls zeigt die Causa, wie skurril die Steuerrealität in Deutschland zuweilen ist. Harmoniert eine Finanzverwaltung, die Zuflüsse doppelt besteuern will, nicht spiegelbildlich hervorragend mit CumEx/CumCum-Akteuren, die sich gezahlte Steuern doppelt erstatten lassen wollen? In Deutschland findet irgendwie jedes noch so schräge Steuertöpfchen sein Deckelchen.
Aber Obacht, mit Irrungen und Wirrungen der Governance sind wir auf dem Planeten nicht allein, im Gegenteil:
Trading View (24. Januar): „Netherlands risks capital flight with unrealized gains tax on stocks, crypto.“
Bescheuert besteuert zum zweiten: Bemerkenswerte Nachrichten aus Holland. Offenbar wird dort parteiübergreifend und schon sehr konkret an einer Steuer auf nicht realisierte Vermögenszuwächse von Aktien und Assets aller Art gearbeitet. Der Steuersatz soll wohl satte 36% betragen.
Je nach Ausgestaltung kann so etwas schnell in regelrechten Teil-Enteignungen enden. Es überrascht jedenfalls, dass ausgerechnet die calvinistischen Niederländer – alles andere als bekannt dafür, besonders großzügig mit ihrem Geld umzugehen – sich so etwas geben wollen.
Jedenfalls: Sollte es so kommen, dürften die einschlägigen ExpertInnen bei Lanz & Co. uns schon bald von dem „holländischen Modell“ vorschwärmen.
Hierzulande würde eine solche Besteuerung jedenfalls wunderbar harmonieren mit den Planspielen von einer Verbeitragung von Kapitalerträgen. Also: Kapitalertragsteuer und volle Verbeitragung zur Sozialversicherung unrealisierter Kursgewinne bei Aktien, Gold, dem Eigenheim und Krypto: ein wunderbares Thema für die Merz-Union, mit dem es Seit an Seit mit SPD und Linkspartei in die kommenden Wahlkämpfe ziehen kann.
Wie dem auch sei, die holländischen Pläne sind jedenfalls ein guter Beleg für die alte kassandrische Mahnung, dass Bad Governance in diesen Jahren keinesfalls ein deutsches Thema ist. Im Gegenteil, von wenigen Oasen abgesehen, betrifft dies mehr oder weniger alle Staaten Europas und der ganzen Welt.
Bloomberg (21. Januar): „Sweden’s Alecta Sold Most of Its US Treasuries Since Early 2025.“

Der größte schwedische Pensionsfonds Alecta (eine Art tariflicher VVaG mit über 100 Mrd. Euro Kampfgewicht) hat diversen Medienberichten zufolge seit Anfang 2020, also ungefähr seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump, für immerhin circa 11 Mrd. USD US-Treasuries abgegeben. Ob das eher symbolisch oder signifikant ist, kann man diskutieren.
Aber halt! Alecta? US? Da war doch was?
Richtig. Bis vor kurzem hatten die Schweden noch sichtlich weniger Berührungsängste mit US-Assets – dafür anders als heute aber mit spürbareren Folgen, Sie erinnern sich: 2023 war man in US-Banken übergewichtet und hat bei der seinerzeitigen US-Mini-Bankenkrise (First Republic, Sillicon Valley Bank) lockere ca. 2 Mrd. USD in den Sand gesetzt.
Nun also der Verkauf der US-Sovereigns. Vermutlich ist man in Stockholm ebenso wie Kassandra enttäuscht von der US-Administration, dass es dieser nicht gelungen ist, Grönland dem alten Rivalen-Nachbarn Dänemark komplett zu entreissen (die historisch Versierten unter Ihnen wissen Bescheid um die dänisch-schwedische Nachbarschaftsgeschichte, Christian II, Stockholmer Blutbad 1520 …).
OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN
Tagesschau (20. Januar): „Warum die SAP-Aktie so stark einbricht.“
Der Kurseinbruch der SAP beschert den Älteren ein Deja-vu: Ende der Neunzigerjahre geriet das Unternehmen erheblich unter Druck, weil es Entwicklung und Bedeutung des Internets anfangs massiv unterschätzte, regelrecht verschlief – um später dann das verlorene Terrain umso fulminanter aufzuholen.
Jetzt passiert offenbar ähnliches mit der KI. Der erste Akt der damaligen Geschichte scheint sich jedenfalls gerade zu wiederholen. Ob das auch für den zweiten gilt, bleibt abzuwarten.
Die Linde zu machen, also in die USA abzuwandern, könnte sich hier äußerst positiv auswirken, insb. betreffend die akute Herausforderung, das KI-Zeitalter zu meistern. Im sich gerade entwickelnden Industriemuseum Deutschland dürfte das schwierig werden.
Und hier gleich eine börsentechnische Gegenrede zu dem eben selbst Geschriebenen: Der alte SAP-Rivale Oracle ist keinesfalls zurückhaltend, sich in das KI-Zeitalter zu stürzen; im Gegenteil, die Amerikaner sind hier ein richtiger, sehr wagemutiger Pionier. Der Kursverlauf der Oracle-Aktie ist gleichwohl reichlich parallel zu dem der SAP: beide ein rundes Drittel vom ATH schon wieder abgegeben. Noch mal 20 Prozentpunkte, dann könnte ein Einstieg wieder lohnen bei beiden?
Die Welt (30. Januar): „‘Zeit für eine Frau an der Spitze’, sagt der scheidende UN-Chef – Baerbock pflichtet bei.“
Kann sie sich nicht selber vorschlagen? Sie als UN-Generalsekretärin: ist das nicht eine ganz entzückende Vorstellung? Das würde die Weltgemeinschaft intellektuell wie rhetorisch auf eine völlig neue Stufe heben.
Die Welt (29. Januar): „Tanker fährt nach Dänemark statt nach Kuba – jetzt fehlt dem Regime der Nachschub.“
Kuba: Kassandra hat dieses Land in seiner elenden sozialistischen Erbärmlichkeit zweimal betreten, einmal vor über 30 und einmal vor fast 25 Jahren. Besser geworden ist seitdem offenbar nichts.
Der erste und allerwichtigste Schritt, um aus der Misere rauszukommen, liegt dabei seit jeher auf der Hand, ließe sich ohne weiteres unmittelbar umsetzen und würde schlagartig durchgreifende Verbesserungen bedeuten.
Nennt sich übrigens freie Wahlen.
Institutional Money (9. Dezember): „Jamie Dimon: ‚Europa hat ein echtes Problem‘.“
JP-Chef Jamie Dimon hat mit Blick auf die Multi-Problemlage unseres Kontinents gewarnt, ein schwaches Europa stelle ein erhebliches wirtschaftliches Risiko für die USA dar.
Echt jetzt? Für die USA? Übrigens: Für uns hier auch.
Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück – nicht weniger als ikonisch – findet sich hier:

























