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Das Forum für das institutionelle deutsche Pensionswesen


Menschen to mention (CXX):

Schnell. Hart. Berlin.

In der Hauptstadt hat es eine durchaus überraschende Personalie gegeben, die auch den lokalen Boulevard erfasst und auf eine gewisse Konsequenz hindeutet. Aber nicht nur dort gibt es Parkett-Bewegung: Auch in München werden Weichen neu gestellt, zumindest vorläufig, und ein französischer Custodian befördert seine Deutschland-Chefin, ein ebenfalls französischer Asset Manager richtet eine neue Spitze für die Private Markets ein, und ein deutscher hat einen neuen Infra-Verantwortlichen.

Nur wenige Tage nach der jüngsten Personalmeldung hier und heute erneut Parkett-Bewegung auf PENSIONSINDUSTRIES:

BVV: Schneller Abgang des Neuen

Axel-Rainer Hoffmann, ehem. BVV.

Für unser Parkett ist das durchaus ein gewisser Paukenschlag: Wie der Berliner Tagesspiegel vermeldet, hat der neue BVV-Kapitalanlagevorstand Axel-Rainer Hoffmann – erst seit September 2025 als Nachfolger von Frank Egermann an Bord – den BVV schon wieder verlassen, und das offenbar nicht ganz freiwillig. Der Tagesspiegel spricht jedenfalls von einem „Rausschmiss“.

Einzelheiten sind noch unbekannt, und so wirklich hilft der Tagesspiegel-Artikel – der journalistisch leicht boulevardesk daherkommt – nicht weiter. Das Blatt beruft sich auf einen „Insider“.

Gut, wenn anonym ein Insider zitiert wird, ist das für den Journalisten immer sehr praktisch, entbindet es doch davon, sich kritische Aussage zu eigen machen zu müssen (denn man zitiert ja nur jemand anderen). Daher bedeutet das immer, dass ein „Insider“ (so es ihn denn überhaupt gibt, auch das ist längst nicht immer klar) viel erzählen kann, wenn der Tag lang ist. Als Journalist sollte man mit so etwas sehr zurückhaltend, als Leser stets entsprechend misstrauisch sein.

Im vorliegenden Fall zeigt jedem, der auf diesem Parkett zuhause ist, das vom Tagesspiegel zitierte Zitat, laut Insider sei „der BVV eine Schande für die Finanzbranche“, dass man sich mit dem Artikel abseits der Kern-News von Hoffmanns Abgang inhaltlich nicht weiter auseinandersetzen muss. Im Gegenteil, was für ein Insider (wie gesagt, wenn es ihn denn gibt, aber nehmen wir das zugunsten des Tagesspiegels mal an) soll das denn sein, wenn er solch offenkundigen Unsinn von sich gibt?

Konzentrieren wir uns doch auf das wenige, was wir definitiv wissen, und was wir daraus ableiten können:

Hoffmann war erst seit September an Bord, bis Ende des Jahres war auch noch Vorgänger Egermann ebenfalls im Amt. Aber: Innerhalb so weniger Monate kann man in einem Vorstand (der ein Kollegialgremium ist) und als Chef eines so großen und erfahrenen Teams an Portfolio- und Risikomanagern (der BVV ist hier gut aufgestellt) nicht so viel Schaden anrichten, dass ein Aufsichtsrat (alles altgediente Banker) seine noch frische Personalentscheidung bei einer für Deutschlands Banken strategischen IORP flugs wieder revidiert und sich zu einer solchen Notbremse entscheidet.

PI-Schlussfolgerung: Die Entlassung Hoffmanns kann kaum in seiner aktuellen Performance beim BVV liegen, dafür war seine Amtszeit schlicht zu kurz. Vermutlich wird also etwas anderes vorliegen, und das könnte mit der Person Hoffmann selbst zu tun haben – nicht mit ihm als Mensch oder seinem Auftreten oder was auch immer, sondern mit seiner Vergangenheit als Kapitalanlageverantwortlicher.

Was wissen wir von ihm? Nicht viel, aber eines drängt sich auf: Mathematiker Hoffmann war vor seiner Zeit zehn Jahre Kapitalanlagevorstand des Volkswohlbundes.

Volkswohlbund? War da nicht was? Richtig: Benko! Die britische Financial Times vermeldete im Dezember 2023; „Volkswohl-Bund, a medium-sized Dortmund-based insurer, racked up a €250mn exposure.“

Immer auf das Timing achten: Dezember 2023 FT, und Hoffmann verließ das Haus Anfang 2024? Liegt hier der Hund begraben? Das kann nur gemutmaßt werden, aber möglicherweise wird die Öffentlichkeit hier beizeiten mehr erfahren.

Jedenfalls gilt: Sollte es in der Vergangenheit Hoffmanns ein ernsthaftes Problem geben, dann ist es zu begrüßen, wenn der BVV-Aufsichtsrat nicht davor zurückgeschreckt ist, die eigene Senior-Personalentscheidung umgehend zu revidieren, und sich schnell zu dem harten Vorgehen entschlossen hat – und die Schlagzeilen des Berliner Boulevards und die Beleidigungen durch dessen „Insider“ zu ertragen.

In der Hauptstadt kursieren bereits erste Gerüchte um die Neubesetzung des BVV-Vorstandes.

Angaben zu den 2024er-Zahlen des BVV finden sich hier.

BVK: Ankunft des vorläufigen Neuen

Es gibt zwischen den Fällen München und Berlin keine Parallelen, so aber doch ein paar Analogien, denn auch bei der Bayerischen Versorgungskammer gab es jüngst Abgänge im Portfoliomanagement, auch dort von der Lokalpresse freundlich begleitet.

Dort hat man nun als Nachfolger für Norman Fackelmann Andreas Steimel für eine Übergangszeit an die Spitze des Bereichs Immobilienkapitalanlage berufen.

Andreas Steimel, BVK. Foto: Christoph Vohler.

Steimel ist seit über 25 Jahren in der Asset-Klasse zuhause, 16 davon verbrachte er bei Pimco Prime Real Estate (ehemals Allianz Real Estate), zuletzt als COO und damit verantwortlich für Change-Management & Transformation, IT, Legal und Compliance und HR sowie als – wie passend – Leiter des globalen Krisenstabs. Diplom-Kaufmann und StB Steimel war zudem für die Konzeption geschlossener nationaler und internationaler Immobilienfonds sowie Investmentstrukturen in den – ebenfalls passend – USA zuständig. Frühere Stationen waren, ebenfalls mit Schwerpunkt Immobilien, Ernst & Young sowie die längst verblichene Arthur Andersen.

Die BVK als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands führt die Geschäfte zwölf rechtlich selbständiger berufsständischer und kommunaler Versorgungseinrichtungen mit insg. rund 2,8 Mio. Versicherten und bringt dafür ca. 122 Mrd. Euro Kampfgewicht auf die Waage; kapitalgewichtete Nettoverzinsung 2025 ca. 3,4% (unverändert zum VJ).

Caceis: Maiberger mit vielen Aufgaben

Anja Maiberger, Caceis.

Beförderung in München: Anja Maiberger ist neue Country Managing Director der Caceis in Deutschland. Ihre funktionale/operative Führungsrolle als Managing Director der Caceis Bank, Germany Branch (seit 2019) wird sie auch künftig wahrnehmen. Sie zeichnet auch weiterhin als Mitglied des deutschen Executive Committees sowie als Head of Regional Coverage für Deutschland, Österreich und Osteuropa sowie für ihre bisherigen Aufgaben Sales, Business Development, Relationship Management, Produktentwicklung sowie Marketing & Communications verantwortlich.

Die Caceis ist die Asset Servicing-Bankengruppe der Crédit Agricole für Asset Manager und institutionelle Investoren mit Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika und Asien umfasst das Angebot bspw. von Trade Execution, Clearing, Devisen-Services, Wertpapierleihe, Custody Services, Verwahrstellen- und Fondsadministrations-Services, Fonds-Distributions-Support, Middle-Office Outsourcing sowie Emittenten-Services. Ende 2024 hielt die Gruppe 5,3 Bio Euro in Assets under Custody und 3,4 Bio. Euro in Assets under Administration. Wer diese Zahlen, konkret die des Custody, in den Kontext einordnen will, wird hier fündig.

Edmond de Rothschild AM: Neue Chefin für die Private Markets

Edmond de Rothschild Asset Management hat sein Exekutivkomitee mit der Private Markets-Expertin Anne-Laurence Roucher ausgebaut. Rouchers Verantwortung umfasst demzufolge Anlagestrategie und Operationen in Private Equity, Infrastruktur Debt und Real Estate.

Roucher verfügt über mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung auf dem Parkett, kommt von Mirova (Natixis), einem Impact-Asset-Manager, den sie 2012 mitbegründet hat. Frühere Stationen waren die Natixis Group und A.T. Kearney.

Anne-Laurence Roucher, EdR AM.

In Deutschland hatte Edmond de Rothschild AM just im vergangenen November Jan Novak zum Head of Private Markets Distribution Germany berufen, wie das Private Banking Magazins einerzeit berichtet hat. Seit kurzem hat man mit Dominik Kremer auch einen neuen Deutschland-Chef.

Edmond de Rothschild AM verwaltet über 24 Mrd. Euro in Private Markets-Strategien. Das 1953 gegründete, bis heute familiengeführte Mutterhaus Edmond de Rothschild ist auf Private Banking und Asset Management in den Bereichen Corporate Finance, Private Equity, Immobilien und Fondsdienstleistungen spezialisiert und meldete Ende Dezember 2024 AuM von ca. 185 Mrd. CHF.

AGI: neue Verantwortung für Infra

Neuer Head of Infrastructure Debt der Allianz Global Investors in der Nachfolge von Claus Fintzen wird Matthew Norman. Den Angaben zufolge zieht Fintzen nach 14 Jahren bei der AGI sich nun in das Privatleben zurück, Norman übernimmt Ende März.

Norman kommt von der Credit Agricole CIB, wo er fast 30 Jahre Erfahrung im internationalen Umfeld in den Sektoren Infrastruktur, Energie und Private Markets i.A. aufgebaut hat; zuletzt bekleidete er bei den Franzosen die Positionen des Global Head of Infrastructure des Global Head of Energy & Infrastructure Advisory.

Infrastruktur macht mit mehr als 50 Mrd. Euro über die Hälfte des gesamten Private Markets-Portfolios der AGI aus. Insgesamt meldet die Allianz-Tochter ca. 580 Mrd. Euro AuM.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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